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Inklusion: „Da gibt es noch viel Potenzial“

15.11.2018

Wie Inklusion Tourismusbetrieben nützen kann – Gregor Demblin, Gründer der Jobplattform myAbility.jobs, gibt Antworten.

Gregor Demblin vermittelt Jobs.
Spezielle Jobvermittler

Die Jobplattform „myAbility.jobs“ ist spezialisiert auf die Jobvermittlung für Menschen mit Behinderung. Gegründet wurde die Plattform 2009 als „Career Moves“ von Gregor Demblin und Wolfgang Kowatsch. Sie hat seit damals mehr als 25.000 Jobs ausgeschrieben und hilft Unternehmen, die Potenziale von Menschen mit Behinderung als Kunden und Mitarbeiter zu nutzen. Die Bilanz: 400 neu geschaffene Arbeitsplätze, 75.000 sensibilisierte Arbeitskräfte und 30 beratene Großunternehmen, darunter Referenzkunden wie REWE und Bank Austria. 

Beraten Sie auch Tourismusbetriebe im Hinblick auf Inklusion?
Gregor Demblin: Wir haben in der Vergangenheit schon mehrere Kunden in diesem Bereich beraten – zum Beispiel haben wir ein Konzept für ein Hotelresort in der Türkei entwickelt und eines für eine lokale Tourismusorganisation in Niederösterreich. Bei beiden Konzepten ging es darum, Menschen mit Behinderung ein größeres Angebot zur Verfügung zu stellen und so neue Zielgruppen zu erschließen. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie steckt nämlich besonders viel Potenzial – Kunden mit Behinderung sind eine reisefreudige Zielgruppe, finden aber kaum Angebote vor!
Das liegt daran, dass unserer Erfahrung nach viele Betriebe schlichtweg Angst vor den Kosten haben. Es ist verständlich, dass die komplette Umrüstung eines alten Hotelgebäudes zu einem barrierefreien Hotel gerade für kleine Betreiber kostenmäßig nicht darstellbar ist. Aber die Betreiber stellen sich die Einführung barrierefreier Angebote oft viel komplizierter vor, als diese tatsächlich ist. Sie denken bei Menschen mit Behinderung nämlich ausschließlich an Rollstuhl-Benutzer. Diese wiederum machen aber nur 0,6 Prozent dieser Zielgruppe aus. Das heißt, dass ich schon mit weitaus weniger komplizierten Maßnahmen dafür sorgen kann, dass mein Hotel oder mein Gastronomiebetrieb für Menschen mit Behinderung attraktiv wird. Zwei einfache Beispiele sind Speisekarten mit Braille-Schrift für blinde Besucher und einen Feueralarm mit Licht-Sirene bzw. vibrierende Polster für gehörlose Menschen.Die andere Sorge ist oft, dass ein Hotelzimmer, das rollstuhlgerecht eingerichtet ist, für andere Gäste weniger attraktiv sein könnte. Genau das Gegenteil ist oft der Fall. Diese Zimmer sind, weil sie mehr Platz und Komfort bieten, oft besonders beliebt.
 
Welchen Mehrwert bringen Menschen mit Behinderung als Gäste?
Kunden mit Behinderung sind für die Gastronomie und Hotellerie ein kaum ausgeschöpftes Potenzial. Relevant sind nämlich nicht nur die 15 Prozent der Bevölkerung, die selbst eine Behinderung haben. Menschen mit Behinderung reisen nicht alleine, sondern mit ihren Familien oder mit Assistenzpersonen. Das heißt, dass 30 Prozent auf den barrierefreien Tourismus angewiesen sind. Gleichzeitig sind aber nur geschätzte zwei Prozent der Angebote im Tourismus barrierefrei, und rund 37 Prozent der Menschen mit Behinderung geben an, dass sie dann und wann auf eine Reise verzichten, weil sie einfach keine barrierefreien Angebote finden. Als ich selbst als Rollstuhl-Benutzer z. B. in Fuschl urlauben wollte, bot man mir schließlich ein Zimmer in einem Luxushotel in der Stadt Salzburg an – das war natürlich in diesem Fall uninteressant. Das heißt, dass der Wirtschaft hier enorme Summen verlorengehen.

... und als Mitarbeiter?
Zweifellos sind Menschen mit Behinderung in der Gastronomie und der Hotellerie auch als Mitarbeiter interessant. Behinderung schließt, wie gesagt, wesentlich mehr mit ein als die reine Gehbehinderung. Ein Hotelbetrieb mit 100 bis 200 Mitarbeitern hat genauso wie jedes andere Unternehmen Arbeitsplätze, für die sich z. B. Menschen mit einer Hörbehinderung oder auch einer chronischen Erkrankung eignen. 

Mehr zum Thema: Inklusion als Mehrwert

Autor/in:
ute.fuith
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