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Das V8-Hotel in Stuttgart hat 153 Design- und Themenzimmer. Hier dreht sich alles um heiße Eisen.

Innovative Ideen für Gastronomie und Hotellerie

12.11.2020

Mehr Mut, mehr Märkte, mehr Macher: Die ÖGZ schaut über den Tellerrand auf gewagte Gastro- und Hotelideen rund um den Globus – und analysiert, was österreichische Gastronomen und Hoteliers sich davon abschauen können.

Schweiz: Iglu-Pods

Seit 2004 beweist das „Hotel Whitepod“ Mut mit einem besonderen Hotelkonzept: Auf einem Hügel im Kanton Wallis wurde in den Alpen kein Bungalow-Hotel errichtet, wie es sie zuhauf gibt, sondern eine Eco-Siedlung mit igluähnlichen Pods. Der Clou sind nicht nur die Halbkugelzelte, sondern das ganzheitliche Konzept: Ökotourismus und Luxus gehen Hand in Hand. Vom ersten Tag an wollte das Unternehmen beweisen, dass Hotelbetrieb und Umweltschutz sich nicht ausschließen. Das Hotel wurde so konzipiert, dass möglichst wenig in die Natur eingegriffen wird. Wasser- und Stromverbrauch werden kontrolliert, Abfälle recycelt, mit regionalen Produkten gekocht. Verbrauchtes Wasser wird zurückgewonnen, um elektrische Turbinen anzutreiben, die dem Dorf seinen Strom liefern.

Was wir daraus lernen können: Ökotourismus und Luxushotellerie werden oft gegensätzlich betrachtet, dabei können sie eine kreative Co-Existenz feiern. Wichtig ist, dass das Konzept von vornherein stimmt.

Schweiz: Iglu-Pods
USA: Planwagen-Ranch

Wo in den USA Hotel draufsteht, steckt oft ein Marketing-Gag drin. Anders auf der „Conestoga Ranch“ im Bundesstaat Utah: Hier kommen zwar Wilder-Westen-Klischees zum Einsatz, allerdings mit einer guten Basis. Im Yellowstone Nationalpark gelegen, übernachten Gäste in Planwägen, wie sie einst von Siedlern verwendet wurden. Diese sind allerdings keine billigen Imitationen, sondern wurden im authentischen Stil des 19. Jahrhunderts nachgebaut und adaptiert: mit King-Bett, Kühlschrank und anderen Annehmlichkeiten. Zudem wird das Wildwest-Feeling mit Wissen kombiniert. In Zusammenarbeit mit dem „Yellowstone Association Institute“ bietet die Ranch Weiterbildungsangebote an.

Was wir daraus lernen können: Ein Hotelkonzept kann problemlos mit Klischees über ein Land oder eine Region spielen, solange sie nicht nur bedient werden, sondern besonders sind. Auch hier gilt: Ein gutes Konzept ist die Basis.

USA: Planwagen-Ranch
Deutschland: Auto-Hotel

Themen-Hotels haben es nicht immer leicht, da sie nur eine Zielgruppe ansprechen. Ist diese allerdings breit aufgestellt, kann das Konzept aufgehen, so wie in Stuttgart im „V8 Hotel“. Das Anfang 2018 eröffnete Themenhotel aus der BW Premier Collection hat 153 Design- und Themenzimmer, in denen sich alles um heiße Eisen dreht. Die Auto-Suiten wurden im Stil verschiedener Rennen dekoriert. Gäste übernachten in den genialsten Gefährten: egal ob im Jaguar-Oldtimer, Alfa Romeo oder VW Käfer. Im Erdgeschoß und der Galerie des Hauses gibt es zudem Verkaufsflächen für Oldtimer, Highend-Sportwagen sowie Raritätenhändler. Kluger Schachzug: Das Hotel liegt in unmittelbarer Nähe zur Location, wo die „Motorworld Stuttgart“ stattfindet.

Was wir daraus lernen können: Entscheidet man sich für ein Themenhotel, muss man das Thema nicht nur oberflächlich durchziehen, sondern rundum bedienen, damit das Konzept funktioniert und angenommen wird.

Deutschland: Auto-Hotel
Malediven: Unterwasser-Restaurant

Lage ist alles, heißt es oft. Im Falle des Restaurants „5.8“ trifft das in jedem Fall zu. Das größte Unterwasserrestaurant der Welt befindet sich in 5,8 Meter Tiefe vor dem Lhaviyani Atoll auf den Malediven, hat eine Fläche von 90 Quadratmetern und ist 400 Tonnen schwer. Die Gäste essen in einer Art Glaskugel im Indischen Ozean und haben dabei die Meeresbewohner hautnah im Blick. Das Restaurant gehört zum Hotel „Conrad Maldives Rangali Island“ und wurde von der Designfirma M. J. Murphy Ltd aus Neuseeland entworfen, die bereits 2005 das erste U-Restaurant der Welt baute. Die Küche, die auf Fisch basiert, wird von Shannon Batten geführt, der schon für die britischen Royals, Bill Clinton und die Rolling Stones kochte.

Was wir daraus lernen können: „Think big“ ist nicht grundlos der Leitspruch vieler Unternehmen. Selbst ein kleines Unternehmen kann große Ideen haben. Sind diese nicht realisierbar, entstehen daraus oft andere Ideen.

Malediven: Unterwasser-Restaurant
Deutschland: Rollercoaster-Restaurant

Servieren war gestern – im Achterbahn-Restaurant „Schwerelos“ trotzt das Essen der Schwerkraft und landet über ein spektakuläres Schienensystem bei den Gästen. Durch die Restaurants in Hamburg und Dresden zieht sich ein Technik-System, das wie eine Rollbahn für Speisen agiert. Die landen in kleinen Schlitten bei den Gästen. 17 Aufzugssysteme führen über meterlange Lieferstrecken zu den Tischen. Realisieren ließ sich dieses Highlight der Erlebnisgastronomie nur durch eine ausgeklügelte Finanzierung, da die Investitionen in solche Themenrestaurants erheblich höher sind als bei anderen Restaurants, zudem mussten die Rechte an der Achterbahnkonstruktion per Lizenz erworben. 

Was wir daraus lernen können: Entertainment-Restaurants haben Chancen, sich auf dem Markt zu halten, da mit einem „Muss ich sehen“-Gefühl gespielt wird. 

Deutschland: Rollercoaster-Restaurant
Las Vegas: Herzinfarkt-Restaurant

In Las Vegas dreht sich alles um Superlative, so auch im „Heart Attack Grill“. Das Burger-Restaurant hat ein Konzept kreiert, das schräg, aber erfolgreich ist: Spezialitäten sind Gerichte, die einen Herzinfarkt verursachen könnten. Bis zu 9.983 Kalorien kann man mit nur einem einzigen Burger zu sich nehmen. Der „Quadruple Bypass“-Hamburger erhielt im Jahr 2013 einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde. Das makabre Spiel mit der ungesunden Ernährung wird durch das Ambiente auf die Spitze getrieben: Wer hier isst, bekommt ein OP-Hemd, Kellnerinnen tragen ein knappes Krankenschwestern-Kostüm. Auch das Essen wird ausgereizt: Wer nicht aufisst, bekommt von den Kellnerinnen Klapse auf den Po; wer seinen Teller leert, wird im Rollstuhl zu seinem Auto gefahren. 

Was wir daraus lernen können: Über Geschmack lässt sich streiten, das war immer so. Klar ist: Wer sich wider alle Umstände zu seiner Marke bekennt, hat Chancen auf Erfolg, so absurd ein Konzept auch sein mag.

Las Vegas: Herzinfarkt-Restaurant
Philippinen: Wasserfall-Restaurant

Dass es in einem Restaurant zweitrangig sein kann, was auf den Tellern landet, beweist das „Labassin Waterfalls Restaurant” in der philippinischen Provinz Laguna. Das heißt nicht, dass Essen nicht gut ist, sondern dass der Fokus auf dem Ambiente liegt. Das Restaurant liegt mitten in einem Wasserfall! Gäste essen an Bambus-Tischen im sogenannten „Kamayan Style“, was bedeutet, dass man weder Teller noch aufwendige Deko-Artikel oder andere Utensilien benötigt. Spektakulär ist dafür das Drumherum: der Wasserfall hinter den Gästen, Wasser plätschert um die Füße. Früher wurde hier Zuckerrohr angepflanzt, heute ist auf der 140 Jahre alten Plantage die Hotel-Anlage „Villa Escudero Plantations and Resort“.

Was wir daraus lernen können: Lage spielt bei Gastronomen eine große Rolle. Es muss kein Wasserfall sein, aber vor einer Übernahme gilt immer: Lage und Umgebung überprüfen.

Philippinen: Wasserfall-Restaurant
Fidschi-Inseln: Schwimmende ­Pizzeria

Das „Cloud 9“ auf den Fidschi-Inseln benötigt kein Marketing oder Motto, denn das ist offensichtlich: Pizza im Paradies. Das Restaurant schwimmt mitten in der Südsee in einem Korallenriff, 40 bis 45 Minuten von der Fidschi-Küste entfernt. Auf dem schwimmenden Lokal gibt es einen Holzofen, der mit Brennholz befeuert wird. Auf zwei Etagen warten Schaukelstühle, Sonnenliegen und Tagesbetten für das Verdauungsschläfchen auf das gut betuchte Partyvolk: Am Wochenende lauschen über 100 Leute den DJs und Party-Beats, während sie feiern, essen, sich sonnen oder Schnorchel und Schwimmflossen ausleihen.

Was wir daraus lernen können: Zielgruppe ist alles. Wer genau weiß, wen er ansprechen möchte, kann gezieltere Maßnahmen setzen, um sein Publikum zu erreichen. Je schärfer der Markt angesprochen wird, desto erfolgreicher ein Konzept.

Fidschi-Inseln: Schwimmende ­Pizzeria
Kanada: Eis-Hotel

Im kanadischen Quebec wurde statt aus Stein, Holz oder Beton das „Hotel de Glace“ nur aus Eis und Schnee gebaut. Das verkürzt zwar die Saison auf die Monate Jänner bis März, wenn die Temperaturen auf minus 25 Grad sinken, ausgebucht ist das Hotel aber gerade deshalb. 12.000 Tonnen Schnee und 400 Tonnen Eis benötigen die Bauarbeiter, um das Eishotel jedes Jahr wieder neu aufzubauen. Es besteht aus 26 Zimmern und Themen-Suiten, Spa, Ice-Bar und Ice-Café. Die Idee zum Eishotel hatte der Hotelier Jacques Desbois, der immer schon eine Leidenschaft für Eis und Schnee hatte und von Freunden „Mr. Igloo“ genannt wird. Spannender Nebeneffekt: Disney wurde hier für den Klassiker „Frozen“ inspiriert.

Was wir daraus lernen können: Hotelkonzepte, die mit der Faszination der Menschen spielen und eine sensationelle Übernachtung ermöglichen, können trotz kurzer Saison reüssieren.

Kanada: Eis-Hotel
Nairobi: Giraffen-Hotel

Boutique-Hotels gibt es weltweit en masse, es gibt aber nur eines, in dem neben Gästen auch Giraffen einchecken. Das „Giraffe Manor“ in Nairobi hat sich dank des einzigartigen Konzepts zum Social-Media-Hit entpuppt. Das Hotel liegt in einer unberührten Gegend, in der eine Gruppe Rothschild-Giraffen lebt, die sich auf dem Gelände frei bewegen. Die Tiere sind so zahm und freundlich, dass sie Gäste beim Frühstück besuchen und ihre Köpfe beim Fenster reinstecken. Es ist aber auch das Boutique-Hotel selbst, das punktet: Die Herrenhäuser, die aus den 30er-Jahren stammen, wurden aufwendig restauriert. Fassade, Interieur, Terrasse und Garten erinnern an die goldene Zeit der ersten Safaris in Ostafrika. 

Was wir daraus lernen können: Wer es schafft, ein Konzept zu kreieren, das beim Gast ein „Once in a Life-
time“-Feeling hervorruft, hat schon gewonnen. Weiterer Effekt: ein Hype, der via Social Media eine ungeahnt breite Zielgruppe erreicht.

Nairobi: Giraffen-Hotel
London: Physik-Restaurant

Das Essen im Restaurant „Kitchen Theory“ ist eine Wissenschaft für sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Basis sind nicht die Zutaten, sondern die physikalischen Grundlagen bei deren Zubereitung. Küchenchef Jozef Youssef, der in mehreren Sterne-Restaurants kochte, versteht seinen Arbeitsplatz als Physiklabor mit Geschmack. Er arbeitet mit Wissenschaftlern zusammen, um die multisensorische Geschmackswahrnehmung zu erforschen und die Grenzen der Gastronomie zu erweitern. Gäste können eine vierstündige gastronomisch-multisensorische Erfahrung buchen. Ziel ist, Speisen mit allen Sinnen zu erleben: vom passenden Licht über Farben bis hin zu Projektionen und Sound, wird mal blind, mal mit Kopfhörern gegessen.

Was wir daraus lernen können: Nur weil Ideen auf den ersten Blick verrückt wirken, sind sie noch lange nicht zum Scheitern verurteilt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Genie und Wahnsinn – und die Rücksprache mit Experten.

London: Physik-Restaurant

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
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