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Innsbruck: Lokalaugenschein zwischen ­Corona-Krise und Großbaustelle

10.09.2020

Die Hoteliers und Gastwirte in der Innsbrucker Altstadt trifft es heuer gleich doppelt: Corona-Krise und ­Riesen-Baustelle. Die ÖGZ hat sich umgesehen

Wenn Gastwirt Klaus Plank seinen Betrieb betritt, führt sein Weg über einen schmalen Steg durch eine Baustelle. Die Trinkwasserleitungen der Innsbrucker Altstadt sind bis zu 130 Jahre alt und müssen erneuert werden. In vier Etappen sollen die Bauarbeiten im Sommer 2021 abgeschlossen sein. 
Klaus Plank führt in vierter Generation den Gasthof Weisses Rössl in der Kiebachgasse mit Rössl Bar im Erdgeschoss, Restaurant und Terrasse im ersten Stock plus achtzehn Zimmer. „Wir erfüllen alle Corona-Auflagen und versuchen uns den laufenden Änderungen anzupassen. Momentan haben wir zwar Erleichterungen, aber wir wissen ja nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.“ Die Registrierung der Gäste stelle im Restaurantbetrieb kein Problem dar. In der Rössl Bar fülle aber kein Gast „für einen Espresso“ einen Zettel aus.

Gasthof Weisses Rössl: treue einheimische Gäste

Als Fachgruppen-Obmann-Stellvertreter in der WK Tirol setzt er sich dafür ein, dass die Bundesregierung die Unterstützungsleistungen entbürokratisiert. Die Kurzarbeit sei ein hilfreiches Instrument, die Regelungen müssten aber vereinfacht werden. brauche es bei den Kreditvergaben Erleichterungen. Der Hotelbetrieb hat sich seit dem Lockdown noch nicht erholt. Das Restaurant läuft so weit gut. „Sogar über den Erwartungen mit weniger touristischen Gästen, dafür überraschend viel Einheimischen. Wir haben uns stets um den einheimischen Gast gekümmert. Das kommt uns jetzt zugute.“ Die Großbaustelle direkt vor der Haustür sieht Plank pragmatisch. „Je schneller alles durchgezogen wird, umso besser.“ Erfreulich sei, dass die Gäste trotzdem kommen. Und dass während des Lockdowns der lang geplante Küchenumbau durchgeführt werden konnte. „Das hat niemanden gestört. Es gab ja keine Gäste.“

Hotel Goldener Adler: F&B rettet Umsatz

Hotelier Thomas Hackl hat im Best Western Hotel und Restaurant Goldener Adler ebenfalls schon 2019 in den Küchenumbau investiert. Zusammen mit der Modernisierung des Restaurant- und Barbereichs flossen zwei Mio. Euro. Dann kamen Corona und Baustelle. „Jetzt ist wichtig, dass die Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung weiterhin greifen. Wir wissen alle nicht, was im Herbst kommen wird. Die Altstadtbetriebe trifft es gleich doppelt. Das ist eine enorme Challenge.“

Positiv im eigenen Betrieb wertet Hackl, dass F&B für zwei Drittel des Gesamtumsatzes sorgt. Das Restaurant Goldener Adler wird traditionell gerne von Einheimischen besucht. Gemeinsam mit den Nachbarlokalen Piano Bar, Pizzeria Mama Mia, Invinum und Restaurant Ottoburg entstand die Idee, im Sommer eine Livekonzerte-Reihe zu veranstalten. Auch das sorgte für einen gut gefüllten Gastgarten, trotz Baustelle.

In der Krise habe sich zudem gezeigt, wie wertvoll es ist, einerseits auf die eigene Familie bauen zu können und andererseits auf die Partnerschaft mit Best Western. „Sei es im Salesbereich, im Marketing oder Onlinevertrieb.“ Den Ausfall aus Übersee konnte Hoteliersfamilie Hackl mit Hotelgästen aus der DACH-Region, den Benelux-Ländern und Frankreich ausgleichen. Die Gastronomie habe mit Ende Juni so richtig angezogen. Juli und August waren beinahe auf Vorjahresniveau. „Im Hotelbetrieb hinken wir immer noch hinterher. Der Durchschnittspreis ist weiter gesunken. Weiter nach unten schrauben, ist aber keine Option. Die Stadthotellerie leidet einfach.“ Im Goldenen Adler kommt dazu, dass es einen geringen Businessanteil gibt. Wir verfügen weder über Seminarräume noch über eine Tiefgarage“, so Hackl. Punkten wolle man aber weiterhin als Alternative zum Businesshotel mit Charme und Persönlichkeit.

Hotel Innsbruck: eine Schließung gab es noch nie

Stefan Ischia führt das Vier-Sterne- Hotel Innsbruck in dritter Generation. Es gibt 116 Zimmer in verschiedenen Kategorien. 230 bis 350 Gäste finden Platz. Die Schließung des Hotels während des Lock-Downs war für den Junghotelier eine absolute Premiere. „Wir sind ein Ganzjahresbetrieb. Das gab es noch nie.“ Zielgruppen sind Stadturlauber und Bustouristen, vorwiegend aus den USA, mit einer durchschnittlichen Nächtigungsdauer von 1,8 Nächten.

„Heuer wäre das Jahr der Oberammergauer Passionsspiele gewesen. Die finden nur alle zehn Jahre statt. Im Gruppensegment ist das unser größter Umsatzbringer. Wir waren von Mai bis Oktober 2020 ausgebucht“, so Ischia. Nach Ausbruch der Pandemie kamen die Stornierungen. „Wir waren so gut wie auf null für das ganze Jahr.“ Das im Lockdown verbliebene Team in Kurzarbeit war in den ersten Wochen ausschließlich damit beschäftigt, die Stornierungen abzuwickeln.

Seit 29. Mai hat man im Hotel Innsbruck keine einzige Gruppe mehr im Haus. Beherbergt werden nun Individualgäste, hauptsächlich Österreicher und Deutsche und Gäste aus Europa, vor allem Franzosen, auch viele Durchreisende.“ Um neue Zielgruppen anzusprechen, hat das Hotel Innsbruck Kooperationen mit Medien und Clubs geschlossen, neue Portale aufgenommen und neue Angebote geschnürt. „Vor allem aber haben wir die im Haus geltenden Corona-Regeln offensiv nach außen kommuniziert.“ Im Juni habe man schon wieder über 60 % Auslastung verbucht, im Juli und August über 90 %. Die Buchungen für September und Oktober schauen nicht gut aus. Der Christkindlmarkt soll zu Weihnachten stattfinden. „Was uns aber schon jetzt fehlt, sind die Messen und Kongresse im Herbst.“

Autor/in:
Barbara Egger
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