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Innsbruck plant Olympia im Schmalspurformat. Die Spiele sollen in den vorhandenen Sportstätten abgehalten werden.

Innsbrucks Traum von kleinen Winterspielen

29.06.2017

Machbar wären Olympische Winterspiele in Tirol. Ob sie auch gemacht werden, entscheiden eine Volksbefragung und die Frage, ob das Internationale Olympische Komitee (IOC) Olympia wirklich wieder redimensionalisieren will.

 

Zeitplan

Im Oktober 2016 wird bekannt, dass Innsbruck/Tirol eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Winterspiele 2026 prüfen will. Dazu wird im Dezember 2016 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und am 21. Juni 2017 der Öffentlichkeit präsentiert. Am 12. Juli 2017 fällt das IOC in Lausanne die Entscheidung für künftig einfachere und kostengünstigere Bewerbungsprozesse. Bis August 2017 wird seitens Stadt und Land ein umfassendes Informationsprogramm für die Bevölkerung ausgearbeitet. Am 15. Oktober 2017 werden die Tirolerinnen und Tiroler parallel zur Nationalratswahl befragt. Im Frühjahr 2018 – sofern die Befragung positiv ausgeht – muss an das IOC eine Interessenbekundung abgegeben werden. Im Sommer 2018 erfolgt die endgültige Bewerbung. Vergeben werden die Spiele 2019.

Die knapp 140 Seiten umfassende Studie kann in Vollversion unter www.olympia2026.at eingesehen werden.

Innsbruck und seine olympische Geschichte ist eine enge und nachhaltige. Den Begriff nachhaltig in einem Atemzug mit Olympischen Spielen zu erwähnen, ist derzeit schwierig, zugegeben. So zeigen aktuelle Bilder aus Rio de Janeiro nach weniger als einem Jahr seit Olympia bereits völlig verwahrloste Sportanlagen. Zumindest das wäre in Innsbruck undenkbar. Dafür sorgen die sportaffine Bevölkerung und der politische Wille zur sportlichen Investition. Belege dafür sind die Adaption der bereits vorhandenen olympischen Bauten, der Neubau der Tiroler Wasserkraft Arena oder der Neubau der von Zaha Hadid entworfenen Bergiselschanze.

Innsbruck mit seinen nur rund 130.000 Einwohnern ist die einzige Stadt dieser Größe, die schon Austragungsort von zwei Olympischen Spielen (1964 und 1976) war. Hinzu kommen  noch Dutzende weitere internationale Sportveranstaltungen. Die Nachnutzung der Olympia-In­frastruktur war bislang kein Problem. Im vormals Olympischen Dorf ist beispielsweise ein um knapp 20 Millionen Euro errichtetes Seniorenwohnheim untergebracht. 

Innsbruck und seine olympische Geschichte ist aber auch eine viel diskutierte. Und auch eine kontroverse.  Zweimal stimmte die Tiroler Bevölkerung bereits gegen eine neuerliche Austragung von Olympischen Spielen: 1993 und 1997 stimmten die Einwohner von Innsbruck dagegen – 1997 wäre eine Mehrheit der Tiroler im ganzen Land dafür gewesen. 

Nun soll also ein dritter Anlauf unternommen werden. Eine Prognose über dessen Ausgang wäre zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als Kaffeesudlesen. 

Nur eines scheint sicher: Die Volksbefragung kommt schneller als gedacht. Bereits am 15. Oktober 2017 sollen die Tirolerinnen und Tiroler – parallel zur Nationalratswahl – pro oder kontra Olympische und Para­lympische Winterspiele 2026 abstimmen. Grundlage dieser Befragung ist eine Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse diese Woche im Tiroler Landhaus präsentiert wurden. Im von Land Tirol, Stadt Innsbruck und Österreichischem Olympischem Comité (ÖOC) bestellten Papier wurde erhoben, ob eine Bewerbung Chancen hat. 
Ein Ergebnis: Die Chancen sind aufgrund des Kandidatenschwundes hoch. Die Schweiz hat sich nämlich vom olympischen Gedanken bereits wieder verabschiedet. Nach 1980 und 2013 hat der Kanton Graubünden im Februar 2017 mit 60 Prozent gegen „Gigantomismus und Milliardeninvestitionen“ gestimmt. Auch Stockholm hat bereits seine Olympia-Pläne begraben. Die Chancen, dass die Spiele 2026 wieder in Europa ausgetragen werden, seien aber sehr hoch. 

Wie sehr das Thema polarisiert, zeigt auch Hamburg. Auch hier hat sich die Bevölkerung 2015 gegen eine Austragung von Olympischen Sommerspielen im Jahr 2024 gestellt. 

Gegner halten sich zurück

In Innsbruck blieb es bisher verdächtig ruhig. En gros hielten sich die politischen Lager zurück. Oder haben sich einen Maulkorb erlassen. Dies liege auch daran, dass in Tirol eine besondere Politkonstellation herrscht und die Grünen in Stadt und Land in Regierungsverantwortung sind, hört man von Insidern. 

Als einzige im Tiroler Landtag vertretene Fraktion spricht sich die Liste Fritz klar gegen Olympia aus. Sie trommelte in den sozialen Medien bereits gegen eine Bewerbung bzw. neuerliche Austragung von Olympischen Spielen in Tirol. „Es wären die ersten Olympischen Spiele, die nicht im Milliarden-Größenwahnsinn enden. Glaubt eigentlich irgendwer, dass das IOC nach der Pfeife von Tirol tanzt?“, lautet das Argument. Die Argumente gegen Olympia sammelte man auf der unlängst eröffneten Homepage www.nein-zu-Oympia.at. Der Versuch, die Machbarkeitsstudie schon im Vorfeld als „gekauft“ und „getürkt“ zu diskreditieren, ging allerdings schief und endete für die Liste Fritz in einer öffentlichen Unterlassungserklärung. 

Bei der Medienpräsentation der Machbarkeitstudie zeigten sich Landeshauptmann Günther Platter, Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer und ÖOC-Präsident Karl Stoss jedenfalls entspannt. Die Studienergebnisse zur Machbarkeit waren nämlich eindeutig positiv. Doch was bedeutet das im Detail?

Keine dauerhaften Neubauten?

Die wichtigsten Ergebnisse vorweg: Es soll keine dauerhaften Neubauten geben. Die vorhandenen Sportstätten reichen demnach aus – was in der olympischen Geschichte aber einmalig wäre. Für die Eröffnungs- und Schlussfeier verzichtet man auf eine neue Halle. Für die Eisschnelllaufbewerbe und Eishockey will man in das bayerische Inzell ausweichen. Die nötigen Tribünenbauten für Snowboard und Freestyle im Kühtai und die Big-Air-Disziplin auf dem Außenareal der Olympiaworld Innsbruck werden temporär errichtet. 

Die 4.500 Athleten und Betreuer sollen basierend auf einem dezentralen Wettkampfstättenkonzept dort untergebracht werden, wo auch tatsächlich ihre Wettkämpfe stattfinden, also in Innsbruck, Igls, Seefeld, St. Anton, Hochfilzen und Inzell. Bei einer Kapazität von 340.000 Gästebetten in Tirol könne bei den Unterkünften keiner der vorigen Ausrichter mithalten. Das olympische Dorf selbst soll auf einem bereits angedachten städtebaulichen Projekt am Frachtenbahnhof Innsbruck in überschaubarer Größe entstehen. Messe und Congress Innsbruck dienen als Medienzentrum. 
Wegen Olympischer Spiele werde auch keine neue Verkehrsinfrastruktur benötigt. Das liege daran, dass die Zuschauerkapazitäten auf 40.000 begrenzt werden und die Wettkämpfe dezentral stattfinden. Damit können die zu erwartenden Zuschauerströme über die bestehende Verkehrsinfrastruktur abgewickelt werden. Es liege im Ermessen der ÖBB, den geplanten zweigleisigen Ausbau der Strecke Innsbruck – St. Anton vorzuziehen.

Erfolgschancen

Welche Gesamtkosten werden bei einer Ausrichtung entstehen? ÖOC-Präsident Karl Stoss lieferte mit 1,18 Milliarden Euro recht konkrete Zahlen. 525 Millionen würden vom IOC kommen. Der Rest soll über nationale Sponsoren, Eintrittskarten, Lizenzen, Merchandising und Ähnliches aufgebracht werden. Klingt recht ambitioniert, ist doch im Vergleich zu den Gigantospielen von Sotschi 2014 kaum der Rede wert. Dort budgetierte man mit 50 Milliarden Euro. Ob Innsbrucks Bewerbung überhaupt eine Aussicht auf Erfolg hat, wird daran liegen, ob das IOC gewillt ist, die Olympischen Spiele in einem kleinen Rahmen und im Sinne der Nachhaltigkeit auszurichten. Letztendlich wird es darum gehen, wie man den vielbeschworenen olympischen Gedanken im 21. Jahrhundert interpretieren will. 

Autor/in:
Barbara Egger
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