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Institution mit rosigem Charakter

06.11.2014

Michaela Birk führt das Café Roseneck in der Münzstadt Hall. Die Obfrau des Clubs der Tiroler Cafetiers hat sich damit einen langgehegten Traum verwirklicht

Michaela Birk, Obfrau der Clubs der Tiroler Cafetiers, arbeitet daran, die Zahl der Mitglieder zu erhöhen.

Text: Barbara Egger

 

Das Café Roseneck ist eine Institution in Hall. Warum?
Michaela Birk: Ja, das Kaffeehaus gibt es schon 20 Jahre, und dadurch, dass es mitten in der Haller Altstadt liegt, ist es so eine Art Kultcafé. Ich habe es vor fünf Jahren übernommen bzw. habe ich es vom Tourismusverband Hall gepachtet.

 

Wie kam es zur Übernahme?
Es war immer schon mein Traum, ein Café zu führen. Rund um das Roseneck gab es mit dem Vorpächter Schwierigkeiten. Es war dann auch einige Monate geschlossen. Als das Roseneck zur Neuverpachtung ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben und den Zuschlag erhalten.

 

Obwohl Sie branchenfremd sind und im Nachbarort Mils ein Beautystudio führen?
Nicht ganz. Ich habe Koch/Kellner gelernt, musste aber in jungen Jahren aufgrund einer Erkrankung beruflich umsatteln. Ich habe dann eine Kosmetikerin- und Friseurlehre sowie Fußpflegelehre absolviert und die Prüfung zur staatlichen Heilmasseurin gemacht.

 

Wie kam es zum Beautystudio?
Das hat einen familiären Hintergrund. Mein Lebensgefährte ist der Seniorchef vom Reschenhof in Mils. In seinem Vier-Sterne-Landhotel habe ich klein angefangen. Das Ganze hat sich dann verselbstständigt und vergrößert. Über der hauseigenen Schnapsbrennerei, die Edeldestillerie Oberhofer im Reschenhof, habe ich im Jahr 2000 im Obergeschoß den 140 Quadratmeter großen „Wellness- und Beauty Pavillon“ eröffnet.

 

Wie schaffen Sie die Doppelbelastung Beauty-salon und Kaffeehaus?
Mit gutem Personal. Ich arbeite die ganze Woche im Roseneck. Im Beauty-Studio sehe ich einmal wöchentlich nach dem Rechten und bin, wenn mich meine zwei Friseurinnen und zwei Kosmetikerinnen brauchen, sofort an Ort und Stelle. Das Kaffeehaus und das Beauty-Studio liegen ja nur zwei Kilometer voneinander entfernt.

 

Man kann also davon ausgehen, dass man Sie in der Region „kennt“.
Sicher kennt man mich. Aber das Café Roseneck war immer schon ein Treffpunkt für Einheimische und Stammgäste.

 

Welche (Stamm-)Gäste sind das?
Eigentlich aus allen Schichten. Wir haben alles hier von den umliegenden Banken und Geschäften bis zu Vereinen oder Kaffeerunden.

 

Was zieht die Stammgäste an?

Die Stammgäste wissen, dass wir im Roseneck täglich zwei verschiedene Mittagsmenüs servieren. Heute gibt es z. B. Schweinelendchen mit Röstkartoffeln und pikante Wurstnudeln. Die Karte bietet eine große Auswahl, vom Wiener Schnitzel bis hin zu jeder Art von Toast, Gulaschsuppe, Spaghetti-Varianten, Cordon Bleu oder Würstel.

 

Wie verteilt sich das Geschäft?
Wir haben ein starkes Mittags- und Tagesgeschäft. Am Abend kommen hauptsächlich Stammgäste. Bei Veranstaltungen ist das Lokal natürlich abends auch voll.

 

Wird in Ihrem Lokal geraucht?
Ja. Ich habe bei der Übernahme in die Einrichtung, in die Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereich und die Errichtung eines neuen Gastgartens insgesamt rund 70.000 Euro investiert. Sollte das jetzt von ganz oben rückgängig gemacht werden und wie kolportiert die Wirte nicht entschädigt werden, erwarte ich, dass die Kammer reagiert.

Was halten Sie von der Raucherlösung an sich?
Ich bin der Meinung, man sollte die Entscheidung für oder gegen das Rauchen den Wirten und den betroffenen Rauchern selbst überlassen. Ich bin Nichtraucherin, möchte aber einem Raucher die Zigarette zum Kaffee ermöglichen. Zum Nichtraucherschutz ist zu sagen, dass der Gesetzgeber hier, wenn schon, dann rigoros und gleich hätte durchgreifen sollen und nicht die Debatte ewig in die Länge ziehen, so wie das jetzt in Österreich der Fall ist.

 

Wie sehen Sie den zunehmenden Mitbewerb, wie Cafés in Bäckerei- oder Bankfilialen?
Der macht mir kein großes Kopfzerbrechen. Wir punkten mit Kaffeequalität und Bedienung. Allein bei den täglich wechselnden Mittagsmenüs gibt es Suppe und Nachspeise dazu. Dazu kommt der lokale Treffpunkt als Ort der Kommunikation.

 

Hat das Produkt Kaffee an sich eine wichtigere Rolle bekommen?
Ja, ich denke schon. Gut finde ich, dass Veranstaltungen wie Barista-Meisterschaften ein größeres Bewusstsein für Kaffee schaffen. Es ist viel deutlicher geworden, was Kaffee kostet, welche Qualität dahintersteckt und wie der Aufwand der Zubereitung ist.

 

Wie schaut es mit der Preisbildung aus?
Da glaube ich, sollte man sich der Region anpassen. Ich kann hier in Hall nicht 2,50 Euro für den Espresso verlangen. Wenn der Preis aber zwischen zwei Euro und 2,20 Euro angesiedelt ist, dann ist das vertretbar, beim Verlängerten sehe ich die Spanne zwischen 2,40 und 2,70 Euro.

 

Das berühmte Glas Wasser?
Ist bei uns immer dabei.

Was trinken die Gäste am liebsten?
An erster Stelle stehen Espresso und Cappuccino und dann der Verlängerte und Latte.

 

Hat Tirol eine Kaffeehauskultur?
Ja, aber natürlich nicht eine solche wie in Wien. Ich komme eben von Wien und habe dem Café Hawelka einen Besuch abgestattet. Einfach weil mich das interessiert. Das kann man nicht mit Tirol vergleichen. Wir sind mehr die „Gasthausmenschen“.

 

Kommen wir zu Ihrer Funktion als Obfrau des Club der Tiroler Cafetiers ...
Ja, das ist irgendwie nicht so einfach, Clubarbeit zu leisten. Das liegt aber in erster Linie am Zeitmangel der Mitglieder. Jeder hat doch heutzutage alle Hände voll zu tun. Ich verstehe, wenn man seine freie Zeit nicht auch noch mit Terminen vollpflastern möchte.

 

Wie schauen die Aktivitäten aus, die der CTC anbietet?
Den monatlichen Stammtisch habe ich vorerst abgeschafft. Stattdessen machen wir zwei Ausflüge pro Jahr plus einen Skitag im Frühjahr und eine Törgge-lenreise mit Übernachtung im Herbst. Im Jahresrhythmus wechselnd besuchen wir zudem den Weihnachtsmarkt in Innsbruck und in Hall.

 

Wie viele Mitglieder hat der CTC derzeit?
In etwa 50. Die Mitglieder kommen hauptsächlich aus dem Großraum Innsbruck. Gerne hätten wir auch Mitglieder aus den Bezirken. Aber ich verstehe auch, dass man aus dem Außerfern oder Kitzbühel nicht zu einem monatlichen Stammtisch nach Innsbruck kommen möchte. Deshalb bieten wir die Ausflüge an und hoffen damit, vermehrt Neumitglieder anzusprechen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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