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Tortenecken 99 Jahre nach der Erfindung: Die neue Kampagne von Auer.

Interview: Was sind die Naschtrends von morgen?

14.03.2019

Der Waffelspezialist Auer blickt auf 99 Jahre Firmengeschichte zurück. Zum Fast-Jubiläum hat die ÖGZ mit dem Leiter der Markenorganisation, Thomas Redl, über Naschtrends von gestern, heute und morgen gesprochen.

Thomas Redl ist verantwortlich für den Marken-auftritt von der Auer-Blaschke GmbH & Co KG. Diese ist im 100-prozentigen Besitz der S. Spitz Gesellschaft m.b.H.

Die Geschichte von Auer begann mit einem Unfall. Die Oblatentorten gingen zu Bruch. Daraus entstanden die Tortenecken. Gibt es noch andere Beispiele, wo bei einer Innovation der Zufall Regie führte? 
Thomas Redl: Es stimmt, dass die Tortenecken entstanden, indem die beliebten Oblatentorten von Rudolf Auer zu Bruch gingen. Ein weiteres Beispiel ist die Blaschke Kokoskuppel. Auch hier hatte der Zufall seine Hände mit im Spiel: 1921 wurde die Original Blaschke Kokoskuppel von Konditormeister Johann Blaschke in Traiskirchen erfunden. Auf Wunsch einer Kundin tunkte er sein bis dahin bestverkauftes Produkt, das „Kokosbusserl“, in Schokolade. Der Haken: Die Schokolade haftete ohne einen glatten Untergrund nicht. So entwickelte der Konditormeister das Produkt durch Zugabe einer Waffel sowie einer Schicht Creme weiter. Und siehe da: Die Kokoskuppel war geboren. Die süße Neuigkeit fand sofort großen Anklang, und Johann Blaschke ließ sich die Spezialität gesetzlich schützen. In puncto Innovation und Produktentwicklung wird heute aber nichts mehr dem Zufall überlassen.

Wo holen Sie sich denn die Ideen her? 
Wir legen viel Wert auf Trendbeobachtung auf nationaler und internationaler Ebene. Viele Entwicklungen, die nach Österreich kommen, machen sich vorher beispielsweise in Großbritannien oder bei unseren deutschen Nachbarn bemerkbar. Andererseits führen wir Befragungen durch. 

Wie haben sich die Naschvorlieben in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt? 
Zahlreiche Studien bestätigen, dass sich die Konsumentenbedürfnisse in und außerhalb Österreichs in einem deutlichen Wandel befinden. Wir unterscheiden hier zwischen Trends, die sich erst seit kurzem bemerkbar machen, wie etwa dem wachsenden Bedürfnis nach Produkten aus der Region oder Erzeugnissen in Bio-Qualität, und Trends, die bereits seit mehreren Jahren hochrelevant sind. Zu Letzteren zählen wir Convenience-Produkte und On-the-Go-Naschereien, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen, aber auch den Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit und zu sogenannten „Free-from“-Erzeugnissen, die bewusst auf die Reduktion gewisser Inhaltsstoffe, etwa Zucker, setzen. 

Welche Rolle spielt Nostalgie im Süßwarenbereich? 
Noch immer eine bedeutende Rolle. Die Leute lieben es, Neues auszuprobieren, andererseits sehnen sie sich nach Erzeugnissen, die sie von Kindesbeinen an kennen und die so schmecken wie in der Küche der Großeltern. 

Das ist doch ein ziemlicher Widerspruch.
Die beiden Bedürfnisse stehen aus unserer Sicht nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich. Denn: In einer schnelllebigen und sich ständig verändernden Zeit tut es gut, Kindheitserinnerungen – beispielsweise mit der Blaschke Kokoskuppel oder den Auer Tortenecken – im Nu wieder aufleben zu lassen. 

Und wie entwickelt man mit diesem Wissen Kultprodukte wie „Tortenecken“ oder „Baumstämme“ weiter? 
Die Kunst besteht darin, neue Käuferschichten mit unseren beliebten Klassikern als auch den spannenden Produktinnovationen zu begeistern, ohne jene, die uns schon lange die Treue halten, zu verlieren. Dies gewährleisten wir, indem wir Produkt-adaptionen nur dann vornehmen, wenn der Zeitgeist dies erfordert und unseren Genusswerten nicht widersprochen wird. Und so ist es uns ein besonderes Anliegen, stets mit der Zeit zu gehen – was die Zutaten unserer Erzeugnisse betrifft ebenso wie in Hinblick auf das Packaging, das bei Kaufentscheidungen eine tragende Rolle spielt. 

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