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Wer kein Personal hat, muss im schlimmsten Fall zusperren. Einfache und schnelle Lösungen aber gibt es nicht.

Jeder dritte Betrieb reduziert Angebote

06.07.2018

Der Tourismusbarometer 2018 offenbart ein Dilemma: Die Branche ist optimistisch, die Investitionsbereitschaft steigt. Gleichzeitig wirkt sich der Arbeitskräftemangel weiter als Wachstumsbremse aus. Knapp ein Drittel der Betriebe musste Angebote reduzieren oder sogar Betriebsteile schließen.

Aus den Zahlen, die der Tourismusbarometer 2018 zutage fördert, gehen zwei Botschaften aus: Den Tourismusbetrieben geht es gut, die Unternehmer sind optimistisch, es wird auch investiert. Die zweite Botschaft klingt da schon anders: Es wird immer schwieriger für Tourismusbetriebe, die Leute zu kriegen, die sie für den Aufschwung benötigen. Außerdem hat sich in diesem Punkt am Ost-West-Gefälle nichts geändert. So sehen etwa in Vorarlberg Betriebe rund die Hälfte der Arbeitsplätze gefährdet, weil sie ihr Angebot zurückfahren müssen. In Tirol sind es 43 Prozent. Die Situation in Wien oder im Burgenland ist hingegen deutlich entspannter.

Viele offene Stellen sind normalerweise ein gutes Zeichen. Sie treten dort auf, wo es besonders brummt. Die Studie zeigt aber ein Risiko, das daraus entsteht: Können offene Stellen nicht mit geeigneten Mitarbeitern besetzt werden, müssen Betriebe ihr Angebot zurückfahren. Die Studie beziffert das mit einem Drittel der Befragten Betriebe. Manche mussten aufgrund des Mitarbeiterengpasses sogar einen Teil des Betriebes schließen.

Digitalisierung kein Ersatz

„In 37 % der heimischen Tourismusbetriebe stehen weitere Arbeitsplätze auf dem Spiel. Sie können das aktuelle Angebot aufgrund fehlender Mitarbeiter nicht aufrechterhalten“, erklärt ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer. „Viele Arbeitgeber versuchen den Mangel durch Digitalisierung auszugleichen. Bei der Rezeption und im Reservierungsmanagement funktioniert das, in der Küche nicht. Hier braucht es gezielte Impulse von der Politik.“

Auch der Zugang zu Krediten hat sich laut Umfrage kaum zum Positiven verändert. Dennoch geben 72 Prozent der Studienteilnehmer an, ihre geplanten Investitionen für 2018 durchführen zu wollen. Im Vorjahr wagten das nur 59 Prozent. Während 2017 noch über 30 Prozent von ursprünglich geplanten Investitionsvorhaben zurücktreten wollten, sind es heuer nur mehr 16 Prozent. Die Investitionsfreude lässt sich vor allem auf die hohe Zufriedenheit mit dem Wintergeschäft zurückzuführen.

Insgesamt stellen das regulatorische Umfeld sowie die Steuer- und Abgabenlast aber nach wie vor eine große Herausforderung für die Branche dar. Im Bundesländervergleich leiden Betriebe im Burgenland und in Salzburg am meisten unter der Kostensituation. Die Wiener Touristiker bewerten die Lage weniger negativ.

Mehr Umsatz im Sommer

Aber zurück zum Positiven: Die aktuell gute wirtschaftliche Gesamtsituation wirkt sich positiv auf die heimische Tourismusbranche aus. Mit einem Indexwert von 2,83 nach Schulnotensystem lässt sich eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (2,99) erkennen.„Die wirtschaftliche Lage hat sich innerhalb des letzten Jahres für die Hälfte der Befragten verbessert. Die rekordverdächtige Wintersaison brachte ein Nächtigungsplus von rund fünf Prozent. Folglich waren österreichweit 69 Prozent der Befragten mit den Winterumsätzen zufrieden. Entsprechend zuversichtlich blickt man auf die Sommersaison: 62 Prozent rechnen mit einer Umsatzsteigerung“, sagt Andreas Kapferer von Deloitte Tirol.

Die Studie wurde im Auftrag von Deloitte und der Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) erstellt: Download (pdf)

Autor/in:
Alexander Grübling
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