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Jeder Kaffee ist ein Unikat

30.05.2008

Mit seiner perfekten Baristashow, die höchste Schwierigkeitsgrade – wie offenes Feuer - enthielt, gewann der Wiener Georg Branny die dritten österreichischen Baristameisterschaften 2008 vor der Tirolerin Petra Neunhäuserer und der Grazerin Susanne Feier.

Österreichischer Baristastaatsmeister 2008 wurde Georg Branny vor Petra Neunhäuserer (rechts) und Susanne Feier

Er zauberte die besten Espressi sowie Cappuccini mit Latte Art und überzeugte die Jury mit seinem Signature-Drink - Espresso verfeinert mit Edelkastanien-Bourbon-Vanillecreme, serviert im Amaretto-Glas. Georg Branny wird Österreich bei der Barista WM im Juni in Kopenhagen vertreten.

Als Barista bezeichnet man traditionell in Italien den Spezialisten an der Espressomaschine. Er sorgt dafür, dass nur der beste Kaffee an den Gaumen des Gastes kommt. Jeder Kaffee ist ein einmaliges Kunstwerk. Bei der dritten österreichischen Barista-Staatsmeisterschaft, organisiert von der Speciality Coffee Association Europe (kurz SCAE) wurde der beste heimische Barista gesucht. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo sich noch 12 Baristi dem Wettbewerb stellten, gab es beim diesjährigen Wettbewerb nur noch acht Teilnehmer. Offensichtlich ist dieser Wettbewerb im Land, das für seine Kaffeekultur berühmt ist, zu wenig bekannt.
Gestylte Baristashows
Schließlich traten die sechs besten Baristi im Finale gegeneinander an. „Normalerweise wird ein Wettbewerb mit rund 100 Punkten Unterschied entschieden“, erklärt Barista Tobias Müller. Wie eng es bei diesem Wettbewerb zuging, zeigten die minimalen Punkteabstände. So entschieden nur etwa 10 Punkte über Sieg oder Niederlage.
Georg Branny konnte mit seiner perfekt gestylten Baristashow die Jury überzeugen, dass er der beste heimische Barista ist. Für seinen Auftritt erhielt er 521 Punkte. Aber nicht nur die Show machte es, sondern der Kaffeegeschmack. Der 28-jährige Wiener, freischaffender Barista, verwendete für seine Kaffeevariationen eine Mischung, die zu 70 Prozent aus Arabica-Bohnen aus den Anbaugebieten Guatemala, Nicaragua, Chile, Mexico und Brasilien sowie zu 30 Prozent aus Robusta-Bohnen aus Indien bestand, die er in Italien rösten ließ.
Um für seine Espressi die beste Milch zu erhalten, machte er eine eigene Milchverkostung und entschied sich schließlich für eine österreichische Frischmilch mit 3,6 Prozent Fettgehalt. Als Signature-Drink servierte er einen Espresso auf Edelkastanien und Bourbon-Vanillecreme im Amaretto-Glas. Seine Eigenkreation wies einen äußerst hohen Schwierigkeitsgrad auf. Branny kochte mit offener Flamme Kaffeebohnen in Milch für seine extravagante, aber sehr harmonisch schmeckende Eigenkreation.
Petra Neunhäuserer arbeitet im Testa Rossa caffé im dez in Innsbruck und belegte mit 511 Punkten den ausgezeichneten zweiten Platz. Sie hat ihre Liebe zum Kaffee über die vielen Zubereitungsmöglichkeiten entdeckt. Ihre Kaffeemischungen hat sie natürlich selbst geröstet. Für ihren Espresso verwendete sie Puerto Rico Jauko Selekto, Monsooned Malabar, Java Arabica Jambit und Java Robusta. Während der Zubereitung der vier Cappuccini erklärte Neunhäuserer, wie diffizil es ist, richtigen Milchschaum herzustellen. Sie stellte dafür ihre Milch in Eiswürfel, weil der Schaum umso besser gelingt, je kühler die Milch ist. „Die ideale Milchschaumtemperatur liegt bei 65 °C, die ein erfahrener Barista mit der Handinnenfläche erfühlt”, so Neunhäuserer. Ihrem Signature-Drink hat sie Strawberry-Dream – geschichtet Schokolade, Espresso und Erdbeer-Sahnecreme – genannt.
Exakt 475 Punkte gab es für Susanne Feier, die ehemalige Buchhalterin, die in die Kaffeebranche wechselte und seit einem halben Jahr ihr eigenes Espresso in Graz betreibt. Kaffee bedeutet für Susanne Feier Genuss und Leidenschaft. “Ananasafpresso” nannte sie ihre Eigenkreation. In die durch einen Steg geteilten Gläser gab sie auf die eine Seite eine Kaffee-Mascarponecreme und auf die andere einen frischgepressten Ananassaft. Das Zwei-Komponentengetränk ist ein Kaltgetränk und eignet sich für heiße Sommertage.
Kritische Stimmen
Obwohl die Finalisten sehr gute Leistungen erbrachten, gab es auch einige kritische Stimmen zu diesem Wettbewerb, und die kamen von niemand geringerem als vom Organisator selbst und vom “wandelnden heimischen Kaffeeautomaten” Edmund Mayr. “Der Wettbewerb wächst nicht. Wir haben weniger Teilnehmer. Und ich vermisse das Wissen rund um das Thema Kaffee. Jede Hausfrau, die weiß, wie man Espressi und Cappuccini zubereitet, kann bei der Baristameisterschaft antreten und Staatsmeisterin ohne Hintergrundwissen werden, weil wir hier perfekt eingestellte Kaffeemaschinen haben. Ich fordere daher, dass nur echte Baristi, die nach SCAE Level I und II zertifiziert sind, bei einer Baristameisterschaft antreten dürfen”, erklärt Mayr. Und bei der Siegerehrung kritisiert der Organisator des Wettbewerbs, Rüdiger Eggers, dass die heimischen Kaffeesieder nicht den besten Kaffee von ihren Lieferanten verlangen würden und dadurch auch mindere Qualitäten auf den Markt kommen. Rüdiger Eggers lästert in seiner Laudatio weiters über die heimische Kaffeekultur: “Obwohl Österreich für seine Kaffeekultur weltbekannt ist, bekommt der Gast nicht in jedem Wiener Kaffeehaus einen exzellenten Kaffee. In Zukunft sollte jeder Tourist, der Wien besucht hat, auch sagen können, dass er nicht nur im schönsten Kaffeehaus gesessen ist, sondern auch besten Kaffee getrunken hat.”

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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