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Junge Löwen gebraucht!

08.04.2010

Tourismusberater Manfred Kohl zeigt, wie Regionen Initiativen setzen, um die Nachfolgen in den örtlichen Betrieben zu sichern.

Dr. Manfred Kohl: „Ein neues Leitbild und Marketingkonzept soll die Weichen für die Zukunft Bad Kissingens stellen.“

Eine, wenn nicht DIE Stärke einer Tourismusregion besteht darin, dass tüchtige und engagierte Unternehmerfamilien ihren Betrieb mit vollem Einsatz führen. Letztendlich sind es die Unternehmerfamilien, die einen touristischen Ort erfolgreich oder weniger erfolgreich sein lassen. Umso mehr lässt die Nachricht aufhorchen, dass bei einer nicht unerheblichen Anzahl von - auch renommierten - Unternehmerfamilien die Nachfolge nicht gesichert ist. Wenn aber mehrere Betriebe in der Region keine Perspektive haben, wirkt sich das negativ auf die Entwicklung der ganzen Destination aus.

Obwohl das Thema Betriebsübergabe nach wie vor mit einem großen Tabu behaftet ist, gibt es mittlerweile Initiativen auf Tal- und Gebietsebene, die sich damit beschäftigen. In Kärnten - initiiert vom KWF (Kärntner Wirtschaftsfonds) - und im Kleinwalsertal - initiiert von Kleinwalsertal Tourismus - wurden Projekte gestartet, die sich des Themas Betriebs-übergabe auf Gemeinde- bzw. Regionsebene annehmen. Beide Projekte wurden bzw. werden von Kohl & Partner maßgeblich mitgestaltet.

Ziele regionaler Initiativen zur Betriebsnachfolge

Bei talweiten oder regionalen Initiativen zur Sicherung der für die Destination so notwendigen Nachfolge in den Familienbetrieben („Junge Löwen braucht die Region!") geht es vor allem um folgende Ziele:

 

  • Die Übergeber („Silberlöwen") in der schwierigen Situation des Loslassens zu unterstützen.

 

  • Die Übernehmer („Junglöwen") optimal auf die Betriebsübernahme vorzubereiten und so die Existenz der Betriebe zu sichern.

 

  • Die gesamte Familie („Löwenfamilie") - also auch weichende Geschwister - in den Prozess einzubinden, damit später nicht unliebsame Überraschungen in Form von Auszahlungsforderungen passieren.

 

Branchenübergreifende Arbeit im Kleinwalsertal

Das Projekt Unternehmensnachfolge im Kleinwalsertal wird branchen-übergreifend getragen - von der Gemeinde, dem Tourismusverband, der Raiffeisen Holding, den Bergbahnen, dem Handel, dem Handwerk und natürlich dem Gastgewerbe. Zusätzlich steht die Wirtschaftskammer Vorarlberg durch Förderungszuschüsse für individuelle Betriebsberatungen hinter diesem Projekt.

Die Projektkoordination im Kleinwalsertal liegt bei Suzanne Hugger, selbst Unternehmerin. Auf die Frage, was man mit dieser Initiative erreichen will, meint sie: „Auf Talebene möchten wir das Thema Betriebs-übergabe „öffentlich" ansprechbar machen; auf der Betriebsebene möchten wir die Familien in dieser schwierigen Phase unterstützen. Weiters möchten wir das Know-how und die Professionalität durch Erfahrungsaustausch zwischen den Betrieben erhöhen! Ein positives Nebenprodukt ist eine bessere Zusammenarbeit unter den teilnehmenden Betrieben!"

Am Anfang steht die Motivation

Am Anfang eines solchen regionalen Projektes steht die Motivation: Motivation der interessierten Institutionen, sich auf das Projekt einzulassen und dieses mitzufinanzieren. Und Motivation der Unternehmerfamilien (sowohl die Übergeber als auch die Übernehmer), sich am Projekt zu beteiligen. Diesbezüglich ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Betriebsübergabe ein mittelfristiger bis langfristiger Prozess ist, der möglichst einige Jahre vorher begonnen werden soll.

Wie organisiert man eine derartige regionale Initiative zur Betriebsnachfolge?

In einer gut inszenierten Auftaktveranstaltung werden interessierte Unternehmerfamilien über den Ablauf, die Inhalte, die Kosten etc. informiert. Nachdem sich die Unternehmerfamilien zum Projekt definitiv angemeldet haben - im Kleinwalsertal nehmen beispielsweise 15 Betriebe am Projekt teil; in Kärnten waren es 12 Betriebe - werden diese von erfahrenden Beratern in einer Zeitspanne von 6-9 Monaten individuell gecoacht. Zielsetzungen dieser Phase sind die Regelung der Erbteilung und die Erarbeitung von Szenarien für die Betriebsübergabe. Dazwischen gibt es regelmäßige Treffen der Junglöwen und der Silberlöwen (getrennt und gemeinsam) zum Erfahrungsaustausch, zur Besprechung von fachspezifischen Themen (z. B. Erbrecht) oder psychologischen Themen (z. B. „Die Kunst des Loslassens"). Nicht zu kurz kommen soll auch das gesellige Beisammensein, wo natürlich auch das Thema Betriebsübergabe im Mittelpunkt steht.

Positives Feedback aller Teilnehmer

Die Rückmeldungen sind äußerst positiv! Aussagen wie: „Man fühlt sich befreit durch die offenen und ehrlichen Gespräche, die durch die Anwesenheit eines neutralen Beraters/Begleiters möglich werden!" oder „Es tut gut, mit Kollegen zu reden, die sich in der gleichen Situation befinden!", unterstreichen die Sinnhaftigkeit von solchen Projekten.

Finanziert werden diese Projekte übrigens in der Regel zu je einem Drittel von den Projektträgern, den Betrieben selbst und den Förderungsstellen über Zuschüsse zu den betriebsindividuellen Beratungen.

Infos:
Dr. Alois Kronbichler
Kohl & Partner Südtirol
Ulrich-von-Taufersstraße 14, 39030 Gais
Tel. & Fax 0039 0474 504100
suedtirol@kohl.at, www.kohl.at

 
Kohl & Partner Tourismusberatung GmbH
Bahnhofstr. 8, 9500 Villach
Tel.: 0 42 42/211 23
www.kohl.at 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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