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Junge Reisevorlieben: Flexible Halbpension

07.11.2018

Die Generationen Y and Z, also die Millennials, stehen als künftige Zielgruppe immer wieder im Fokus diverser Marktforschungsstudien. Die neueste kommt von HolydayCheck und beschreibt Reiseverhalten und -wünsche junger Menschen unter 35 Jahren 

Sie sind das Objekt der Begierde diverser (eigentlich fast aller) Marketingabteilungen – auch im Tourismus. Obwohl sie überwiegend noch nicht zur kaufkräftigsten Zielgruppe zählen – das ist dann doch eher die Generation 50+. Und die Älteren verhalten sich häufig durchaus wie die Jüngeren. Das ist ja ein Zeichen unserer Zeit: Manche 30-Jährige sind so alt wie 50-Jährige, und manche 60-Jährige verhalten sich wie 45-Jährige – und sehen nicht nur so aus.
Umso interessanter ist es immer wieder, darüber nachzudenken, wie sie denn nun ticken, die Millennials. Dann weiß man auch, wie manche Babyboomer ticken. Und man sollte im Hinterkopf behalten: Nicht alle Mil-lennials ticken so, wie Marktforscher das gerne beschreiben. Aber viele. In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Happy Thinking People hat HolidayCheck die Zielgruppe der (deutschen) 18- bis 35-Jährigen nach ihren Reisegewohnheiten und ihrem Bild der Pauschalreise befragt. 

Der Reiz des Neuen

Junge Leute unterscheiden zwischen Urlaub und Reisen – und bevorzugen Letzteres. Weil es bei ihnen viel um Selbstbestimmung, Ausprobieren und Erfahrungsammeln geht. Logisch, sie sind ja noch jung. Sie wollen zu den Pionieren und nicht zu den Followern gehören. „Sie identifizieren sich viel stärker als vorherige Generationen über ihr Freizeitverhalten. Einen Ort zu entdecken, wo andere noch nicht waren, sorgt für Anerkennung und Bewunderung seitens Dritter“, erklärt der deutsche Zukunfts- und Tourismusforscher Prof. Ulrich Reinhardt.

Urlaub muss immer vorzeigbar – also fotogen, also insta-fähig – sein. Das ist sicher bei der Generation Smartphone viel stärker ausgeprägt als in Vorgänger-Generationen. Deshalb müssen sie an Orte reisen, wo die anderen in ihrer Facebookgruppe möglichst noch nicht waren. Urlaub muss eine gute Geschichte in Wort und vor allem Bild abgeben, die man gut in den sozialen Medien präsentieren kann. Dazu kann die Destination Hilfestellungen geben: Bilderrahmen in der Landschaft, besonders fotogene Ecken im Hotel …

Wer ist abenteuerlustiger?

Allerdings sollte sich der Kulturschock im Rahmen halten: „Als ‚Flexible Explorer‘ möchten sie zwar in andere Kulturen eintauchen, bevorzugen aber Kontakte mit Einheimischen auf gleicher Wellenlänge und schätzen es, jederzeit ihre Unterkunft als eine Art Rückzugsort aufsuchen zu können“, heißt es in der HolidayCheck-Studie. Mmmh: Ist das wirklich so viel anders als früher? Waren und sind die Babyboomer abenteuerlustiger? Eher umgekehrt: Die Älteren haben sich vermutlich eher mit inszenierter Authentizität zufrieden-gegeben. Da reichte dann auch mal ein Folklore-Abend im Hotel. Heute muss es schon ein Ausflug ins Ghetto sein – oder in Österreich ein „Blick hinter die Kulissen“.

Öko-Tourismus

Das ist sicher neu: Die junge Generation legt gesteigerten Wert auf ein gutes Gewissen. Dazu zählt auch die Suche nach Sinnhaftigkeit. Also reisen sie gerne ökologisch vertretbar und sozialverantwortlich. Sie möchten keine Einheimischen ausbeuten – sondern ihnen im Gegenteil eher helfen: Hier tun sich laut Studie Möglichkeiten für Charity-Reisen oder Reiseveranstalter mit einer Spezialisierung auf die Unterstützung von sozialen oder Umweltprojekten auf. Oft reicht wohl auch schon eine Kaffee- oder Wassersorte, die sich für eine gute Sache engagiert. Und wenn ein Hotel glaubhaft darlegen kann, auf einen möglichst kleinen CO2-Fußabdruck zu achten, kommt das auch gut an. 

Trotzdem Pauschalreisen

Erstaunlich an der HolidayCheck-Analyse ist, dass auch die Millennials einer klassischen paketierten Urlaubsreise (Pauschalreise) nicht abgeneigt gegenüberstehen. Convenience ist King – wie auch sonst in der digitalisierten Welt. Sie muss allerdings maßgeschneidert sein. Zu viele pauschal inkludierte Leistungen stellen für sie eher eine Einschränkung als eine Serviceleistung dar, heißt es in der Studie. Die Millennials sind also eher keine All-inclusive-Urlauber.
Sie ziehen eine „flexible Halbpension“ vor, bei der sie erst am jeweiligen Tag entscheiden müssen, ob sie lieber auswärts oder im Hotel essen möchten. Deshalb bieten manche Destinationen und Hotels schon sogenannte „Dine-Around-Angebote“ an, bei denen Gäste in kooperierenden Betrieben essen können.
Auch bei den Unterkünften mögen es die Millennials eher kleiner mit entweder ortstypischem Ambiente oder gleich ganz ausgefallen. Mainstream ist auf alle Fälle out. Noch wichtiger: Das Hotel wird zur Destination, das Abenteuer beginnt schon am Zimmer. Und sie möchten am liebsten mit Gleichgesinnten nächtigen oder speisen, um sich mit ihren „Travel Companions“ auszutauschen. Und das geht sogar analog: zum Beispiel am gemeinsamen Frühstückstisch.

Ferienanlage ist out

Natürlich ist das klassische, isolierte Urlaubsresort out. Die jungen Reisenden möchten immer mittendrin sein. Sich nicht wie Touristen, sondern wie Einheimische auf Zeit fühlen. Daher die große Beliebtheit von Angeboten wie Airbnb. Sie erwarten von ihrer Unterkunft auch coole Mobilitätsangebote vor Ort (hier können wiederum eher Hotels punkten): Leihräder, Scooter, Mietwagen, auf alle Fälle leicht zu erreichender öffentlicher Nahverkehr. 

Maximal flexibel

Eine Abweichung vom Plan stellt für die meisten jungen Leute kein Problem dar, sondern eine willkommene Abwechslung. Sie möchten ihre Reise nach Belieben gestalten, ohne auf andere Rücksicht nehmen oder sich anpassen zu müssen. „Ausgebrochen aus einem Alltag voller Verpflichtungen, möchten sie tun und lassen, worauf sie gerade Lust haben – ohne sich herrschenden Strukturen unterzuordnen“, erläutert Reinhardt. Auch hier könnte man wieder sagen: Das möchte die Generation 50+ vermutlich auch! Allerdings bevorzugen die Jüngeren eher das Gruppenreisen mit Gleichgesinnten. Deshalb sind Ferienhäuser bei Jüngeren sehr beliebt – nicht nur aus Preisgründen, sondern um gemeinsam mit Freunden Urlaub zu machen.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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