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Kärntens Slowfood wächst

18.04.2019

Kärnten hat von der Internationalen Slow-Food-Vereinigung den Auftrag bekommen, ein weltweit neues ­Slow-Food-Konzept auszuarbeiten. Im Zentrum steht das Dorf als Keimzelle des guten Lebens. Jetzt nimmt das Dorfentwicklungsprojekt Slow Food Villages konkrete Formen an

Früher“, sagt Eckhard Mandler, „war die ursprüngliche Funktion eines Dorfes die Produktion von Lebensmitteln und deren Vertrieb. Ein Dorf bietet Sicherheit, ist überschaubar, Leute kennen einander und arbeiten miteinander.“ Heute ist das anders. Der Projektleiter von Slow Food Kärnten ist überzeugt: Durch Zusammenlegungen von Gemeinden seien zum Teil soziale Strukturen vernichtet worden. Um diese wiederzubeleben, hat Kärnten von der internationalen Slow-Food-Vereinigung den Auftrag bekommen, ein weltweit neues Slow-Food-Konzept auszuarbeiten. Mandler ist einer jener Köpfe, die eine Vision teilen, die nun Realität werden soll – in Form der Slow Food Villages, einem Projekt von Slow Food International mit Sitz in Bra/Piemont in Italien in Zusammenarbeit mit Slow Food Kärnten. 

Die Idee? Das Dorf als Keimzelle des guten Lebens mit Slow Food als Impulsgeber neu zu beleben. Das wirkt sich natürlich auch gastronomisch und touristisch sehr positiv aus. Seit 2018 arbeitet der von Kärnten Werbung, Genussland, Wirtschaftskammer und weiteren Partnern gegründete Verein „Gut Sauber Fair“ daran, das Leitprodukt mit dem Titel „Slow Food Village“ zu entwickeln. „Mit Slow Food erlangt das ländlich geprägte Dorf seine ursprüngliche Rolle als Gemeinschaft des nachhaltigen Lebens und als Ort der Lebensmittelerzeugung und Veredelung wieder zurück“, so Eckart Mandler. 

Kulturelles Erbe eines Dorfes

„Wir werden Dörfer brauchen, die mit uns gemeinsam das Slow-Food-Dorf entwickeln wollen, das dann in Zukunft weltweit als Vorbild präsentiert werden kann“, so Mandler. Basis für die Idee ist die bekannte Slow-Food-Bewegung, die weltweit in über 160 Ländern mit mehr als einer Million Anhängern vertreten ist und sich für eine Verbesserung der Ernährungs- und Esskultur einsetzt, für das Recht auf gute, saubere und faire Lebensmittel für alle Menschen kämpft und die Herstellung von Lebensmitteln im Einklang mit der Natur und traditionellen handwerklichen Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellt. 

Aber was steckt nun genau hinter dem Begriff Slow Food Village? Gemeint ist die Rückbesinnung auf das funktionierende Dorf als Lebensraum für die Menschen und als Ort des guten Lebens genauso wie der Erhalt des kulturellen Erbes eines Dorfes, das eng mit Lebensmittelproduktion und -verarbeitung verbunden ist. Den Vorwurf, hier mit einem Modebegriff Marketing zu machen, weisen die Macher streng zurück. „Es geht nicht um Marketing, sondern um eine Lebenseinstellung“, so Gottfried Bachler, Obmann des Vereins Gut Sauber Fair. 

Gastronomisches Erbe

Dem Projekt zur Seite gestellt ist kein Unbekannter. Slow-Food-Gründer Carlo Petrini unterstützte die nachhaltige Vision Kärntens von Anfang an: „Der Schutz von Dörfern und ländlichen Gebieten ist ein wesentlicher Bestandteil der Schlacht um die Verteidigung des gastronomischen Kulturerbes.“

Dass die Idee in Kärnten umgesetzt wird, kommt nicht von ungefähr, schließlich befinden sich hier mit dem Lesachtal und dem Gailtal bereits zwei Slow-Food-Travel-Destinationen. „Die guten Erfahrungen bei der Entwicklung des Projekts Slow Food Travel Destination im Lesachtal und Gailtal haben bewiesen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Paolo di Croce, Generalsekretär von Slow Food Internatio-nal. „Das Projekt Slow Food Village ist eine große Möglichkeit, die Synergien zwischen Slow Food Internatio-
nal und Kärnten zu stärken.“

Ernährungs- und Esskultur 

Ein Jahr lang wurde an dem Konzept gefeilt, nun geht es in die heiße Phase. Bisher meldeten sich zwölf Kärntner Gemeinden zur Teilnahme am Entwicklungsprozess der Slow Food Villages an. Danach wurden die vorhandenen Potenziale und Slow-Food-Aktivisten in den Gemeinden evaluiert, die dorfeigene Projekte im Sinn der Slow-Food-Philosophie planen oder schon umsetzen. Einige weitere Gemeinden haben ihr Interesse bekundet, sind jedoch noch nicht in den Prozess eingebunden. 

Bei dem Dorfentwicklungsprojekt geht es aber nicht nur um die Bildung von Slow-Food-Gemeinschaften, sondern auch um die Vermittlung und Verbreitung der Werte, zum Beispiel in Kindergärten und Schulen. Ziel von Slow Food Village soll auch sein, ein Handbuch zu produzieren, in dem gezeigt wird, wie lokale Unternehmen bestmöglich zusammenarbeiten können.

Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
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