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Kaffee wird teurer

30.06.2004

In Österreich kostet Kaffee heute weniger als vor 50 Jahren. Die extrem niedrigen Verbraucherpreise für Kaffee sind nicht mehr haltbar. Geringe Ernteerträge verursachen automatisch eine Preiserhöhung. Besonders betroffen von der Preissteigerung sind laut Österreichischem Kaffeeverband die Arabica-Sorten, Columbians und East-Africans.

Kaffee ist das weltweit zweitwichtigste Handelsgut nach Erdöl. Die wertvolle Rohware wird in einem aufwändigen und langwierigen Prozess mit hohen Qualitätsanforderungen angebaut. So benötigt beispielsweise ein neu gepflanzter Kaffeestrauch vier Jahre intensive Pflege, bis die ersten qualitativ hochwertigen Kaffeekirschen geerntet werden können. Die Qualität und der Ertrag einer Kaffeeernte sind von vielen, teilweise unbeeinflussbaren Faktoren abhängig.

Kaffeeverknappung
Erstmals seit vielen Jahren wird vor allem aufgrund der massiv kleineren Brasilernte eine Verknappung des Kaffeeangebots erwartet. Dies treibt die Preise in die Höhe. So sind die New York Arabica Kaffeepreise seit November 2003 um etwa 30 Prozent auf ein 3-Jahres-Hoch gestiegen. In den letzten Jahren geht die verfügbare Menge qualitativ hochwertigen Kaffees auf dem Weltmarkt tendenziell zurück. Auch dies führt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu drastischen Preissteigerungen bei den Qualitäten A und B.
Ein innerösterreichischer Aspekt der steigenden Kosten ist die Einführung des Road Pricing mit Anfang 2004. Darüberhinaus wird der Kaffeepreis auch durch andere Kosten beeinflusst, wie beispielsweise qualifiziertes Personal, Frische-Logistik, hochwertige Warenpräsentation und Aroma bewahrende Packstoffe. In all diesen Bereichen sind die Kosten in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Da Kaffee in US-Dollar gehandelt wird, federt der starke Euro diese Entwicklung im Moment zwar ein wenig ab, aber insgesamt werden die Kostensteigerungen vorerst noch von der Industrie geschluckt und nicht an die Verbraucher weitergegeben. „Rund um das Produkt Kaffee ist ein ruinöser Preiskampf in Gang gekommen, der durch die Kostenstruktur am Weltmarkt und durch die Kostenentwicklung am heimischen Kaffeemarkt in keiner Weise gerechtfertigt ist und letztlich allen Marktteilnehmern schadet“, ist Helmut Grafinger vom Österreichischen Kaffeeverband überzeugt.

Die führenden einheimischen Kaffeeröster beschränken sich derzeit noch auf die Marktbeobachtung. Jeanette Meinl-Skrbensky von Julius Meinl stellt fest: „Die Ernten werden von Jahr zu Jahr kleiner und damit ist den Preisspekulationen bei den höheren Qualitäten an der Kaffeebörse Tür und Tor geöffnet. Man nehme nur den Preisunterschied zwischen einem First-Class-Arabica und einem schlechten Robusta, der nur pro Kilo 2,5 Euro beträgt. Das Haus Meinl denkt vorerst noch über eine Preiserhöhung nach, sprich, wir rechnen noch, aber wie es derzeit aussieht, werden wir um eine Preiserhöhung nicht herumkommen.“ Auch bei Segafredo Zanetti Austria wird derzeit je nach Sorte, Qualität und Absatzkanal geprüft, ob eine Preiserhöhung durchgeführt werden muss. „Ob und in welchem Ausmaß steht derzeit noch nicht fest. Tatsache ist, dass der Rohkaffeepreis um 20% gestiegen ist und es in den letzten fünf Jahren keine Preiserhöhung gegeben hat“, erklärt Silvia Schernthaner, Marketingleiterin bei Segafredo Zanetti Austria.

Teure Arabica Sorten
Da in Österreich generell ein wesentlich höherer Anteil an teuren Arabica Sorten, im speziellen Columbias und East-Africans, eingekauft und verwendet werden, sind die österreichischen Produzenten von den Preissteigerungen dieser Qualitäten besonders betroffen.

Das Handelshaus Wedl, bekannt für den Testa Rossa caffè, kann die Preise noch halten. „Das Roadpricing wirkt sich im Handelshaus Wedl noch nicht aus, da einige Lieferfahrzeuge unter 3,5 Tonnen haben. Erhöhen werden sich die Rohkaffeepreise allerdings nur bei qualitativ hochwerigen Sorten. Testa Rossa caffè ist eine Mischung aus hochwertigen Sorten, das bedeutet, die Kosten für den Rohkaffee werden sich erhöhen. Derzeit ist jedoch keine Weitergabe dieser Kosten an unsere Kunden geplant“, betont Leopold Wedl jr.. Auch Kraft Foods ist von der Preisentwicklung betroffen, weil nur höchste Qualität verarbeitet wird. „Das Road Pricing ist neben den anderen Fakten, wie dem Mengenrückgang von hochwertigem Kaffee auf dem Weltmarkt, ein weiterer Mosaikstein in der Entwicklung des Preisgefüges“, meint Benedikt Zacherl, Sprecher von Kraft Foods Österreich.

„Tchibo Café Service ist bemüht, trotz steigender Rohkaffeepreise und höherer Logistikkosten seinen Kunden in der Gastronomie und Hotellerie ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Das bedeutet, dass wir unsere Preise für Kaffee erhöhen müssen, aber gleichzeitig die Vermarktungsdienstleistungen für unsere Gastronomie- und Hotelkunden verbessern werden. Jüngstes Beispiel ist die Hotel-Internetplattfotrm www.urlaubinoesterreich.net. Ausgewählte Tchibo Café Service Kunden werden auf dieser Internet-Plattform gebührenfrei präsentiert. Die Homepage wird in Deutschland über die Nutzung der Tchibo-Infrastruktur sowie in Österreich bekannt gemacht“, erklärt Christoph Kempkes, Tchibo Café Service.
Der Vergleich der jüngsten Entwicklung von Rohkaffee- und Konsumentenpreis verdeutlicht die ruinöse Situation: Die New York Arabica Rohkaffeepreise haben sich aufgrund der schon erwähnten Gründe, seit den letzten fünf Monaten um 30% erhöht, womit in naher Zukunft keine Senkung, sondern eine weitere Preissteigerung erwartet wird. Im Vergleichszeitraum sank hingegen der Konsumentendurchschnittspreis in Österreich von 5,28 Euro/kg auf 4,95 Euro/kg, also um 6%. Kaffee-Experten sowie Kenner der österreichischen und internationalen Kaffeemarktsituation gehen deshalb davon aus, dass eine Anpassung der Kaffeepreise mit Sicherheit unumgänglich ist. „Der Rohkaffeepreis wurde mit April erhöht und ist bei unseren neuen Produkten bereits eingerechnet“, so Christian Reitterer von Nestlé Österreich über die Situation.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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