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Kaffeehäuser sind der Inbegriff österreichischer Gemütlichkeit

03.11.2005

Österreich wäre nicht Österreich ohne seine Kaffeehäuser. Über die Bedeutung der heimischen Kaffeekultur und die Botschafterfunktion der traditionellen Kaffeehäuser sprach Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl in einem Interview für das Caféjournal.

Café-Journal: Welchen Stellenwert haben Kaffeehäuser und Café-Konditoreien für das Tourismusland Österreich?
Christoph Leitl: Die Frage kann auch anders gestellt werden: Was wäre ein Tourismusland wie Österreich ohne Cafés? Tourismusorte ohne Kaffeehäuser und Café-Konditoreien wären unvollständig. Cafés sind nicht nur vom Sonnenschein abhängig. Sie bieten den Gästen ideale Rückzugsmöglichkeiten bei Schlechtwetter und dem Gast ein Stück österreichische Gemütlichkeit.

Café-Journal: Wie werben Sie für das österreichische Café?
Leitl: Österreich wäre ohne Kaffeehäuser nicht Österreich. Bei internationalen Messeauftritten oder Ausstellungen der Wirtschaftskammer gehört ein Kaffeehaus immer dazu. Die Kaffeehäuser haben Botschafterfunktion. Österreich ist nicht nur ein Land der Natur, Musik und Technologie – Österreich steht auch für Gemütlichkeit und Cafés symbolisieren das. Dem Hauptsitz der UNO in New York hat Österreich ein Wiener Kaffeehaus geschenkt.

Café-Journal: Was bedeutet für Sie persönlich ein Kaffeehaus?
Leitl: Cafés sind mehr als nur Kaffee-Trinkhäuser. Sie sind ein Stück österreichische Seele, in der unsere Kultur entstand. Sie sind auch menschliche Begegnungsstätten – Orte, wo man in Ruhe ein Gespräch führen kann, sich einfach mit anderen Menschen austauscht. Für mich ist das Kaffeehaus auch ein Ort der Besinnung, wo man sich aus der hektischen Welt ausklinken kann.

Café-Journal: Haben Sie ein Lieblingscafé?
Leitl: Eigentlich mag ich alle Kaffeehäuser, denn jedes ist in seiner Einzigartigkeit liebenswert. Ich fühle mich aber in Cafés, die den traditionellen Stil beibehalten haben, wohler als in modernen Coffeeshops. In meiner Heimatstadt Linz habe ich im Café Draxlmayr an der Promenade meinen Stammplatz.

Café-Journal: Was genießt der Österreichische Wirtschaftskammerpräsident im Café?
Leitl: Cafés sind
für mich Nahversorger, die unterstützt und gefördert gehören. Ich treffe mich einerseits mit Freunden zum gemeinsamen Plaudern und Lachen und andererseits bietet mir das Café auch die Möglichkeit, mich mit einer Zeitung und einem Kleinen Braunen von der Welt zurückzuziehen. Ich bestelle mir je nach Lust und Laune eine Melange oder eine Tasse Grünen Tee. Gegen den Hunger esse ich ein Schinkenstangerl, und um wieder Energie zu tanken, bestelle ich mir gerne ein Glas frisch gepressten Orangensaft.
Café-Journal: Kaffeehäuser bieten Vernissagen, literarische Lesungen und vieles mehr. Soll das Programm ausgebaut werden?
Leitl: Das Kaffeehaus sollte auch Spielhaus sein, denn für mich gehören Kartenspiel und Schach ebenso zum Café wie Billard spielen. Dies sollte wieder mehr im Bewusstsein verankert werden. Ich selbst nütze das kulturelle Angebot der Kaffeehäuser weniger, aber ein Klavierspieler gehört für mich auch zum Café. Ich glaube, dass Touristen die österreichische Kultur nicht unbedingt in den Cafés suchen, denn dafür gibt es eher die Museen und Konzerthäuser.

Café-Journal: Für viele gehört zur Schale Kaffee auch eine Zigarette. Wie stehen Sie zu Rauchverboten?
Leitl: Mich persönlich stört der Rauch nicht. Ich würde nicht so weit gehen und ein generelles Rauchverbot in Lokalen fordern. Es soll aber spezielle Räumlichkeiten für Nichtraucher geben und wir sollten den Menschen die selbständige Entscheidungsmöglichkeit lassen, wo sie Platz nehmen wollen.

Café-Journal: Hat das Kaffehaus noch Zukunft?
Leitl: Neben aller Weltoffenheit besinnen wir uns immer mehr auf unsere Wurzeln. Der Begriff “Heimat” verankert sich wieder stärker in unserem Bewusstsein - und dazu gehört auch das Kaffeehaus, womit seine Zukunft gesichert ist.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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