Direkt zum Inhalt
Kapselmaschinen wie Siebträger versprechen das beste Ergebnis in der Behandlung der gemahlenen Bohne.

Kaffeemaschinen: Die Stunde der Kombinierer

30.11.2016

Bei der Anschaffung von Kaffeemaschinen unterschied man bisher meist zwischen Siebträgermaschine und Vollautomaten. Das könnte vorbei sein. Immer mehr Hersteller nutzen die Vorteile beider Welten 

Kapselmaschinen wie die WE2 von Segafredo sehen aus wie Siebträger.
Siebträger wie die espresso von WMF arbeiten mit automatisierten Features.

Die Qualitätsansprüche sind in der Gastronomie gestiegen, vielfach über Konsumentendruck, auch aufgrund vieler handwerklicher Kaffeeröster, neuer Kaffeespezia-
litäten und vieler Coffeeshops und spezialisierter Kaffeehäuser. Alle sind beim Thema Kaffee viel sensibler und qualitätsbewusster geworden. 
Die Hersteller im Maschinenbereich tragen diesen neuen Anforderungen Rechnung und haben in der letzten Zeit viele Innovationen, neue Features und technische Weiterentwicklungen auf den Markt gebracht, die dem professionellen Anwender die Arbeit erleichtern sollen. 

Was passt zu mir?

Die ideale Kaffeemaschine für „seinen“ Gastronomiebetrieb zu finden ist nicht einfach. Hier stellen sich zahlreiche Fragen: Welchen Bedarf habe ich pro Tag? Wie viele Tassen schenke ich aus? Wann sind die Stoßzeiten? Wie viele Tassen möchte ich zukünftig verkaufen? Will ich Kaffeekompetenz zeigen? Bekenne ich mich zur Kaffeequalität? Wie viele Leute arbeiten an der Kaffeemaschine? Kann ich alle Mitarbeiter schulen? Bin ich bereit, Geld in die Ausbildung des Personals stecken? Wird auch Selbstbedienung benötigt? Wie viel Platz ist in meinem Betrieb vorhanden? Und vieles mehr …

War es vor einiger Zeit noch so, dass Gastronomen, die auf geschultes Personal, Handarbeit oder Barista-Feeling setzten, eine Siebträgermaschine gekauft haben und Betriebe mit vielen Maschinen-Usern und großen Stoßzeiten meist zum Vollautomaten gegriffen haben, so bieten Maschinenproduzenten aktuell immer bessere Features an, die die Grenzen zwischen den Maschinentypen verschwimmen lassen.

Die Kombinierer

WMF hat eine Maschinenlösung für Siebträger entwickelt, die es ermöglicht, auch ohne hohe Schulungsinvestitionen einen Kaffee in Barista-Qualität zu servieren: „Die neue WMF espresso arbeitet in jenen Bereichen automatisiert, die Zeit in Anspruch nehmen und Fehlgriffe erlauben, wie beispielsweise das Mahlen und Dosieren der richtigen Kaffeemenge. Trotz der automatisierten Prozesse kommt der Spaß an der klassischen, manuellen Hantierung nicht zu kurz“, sagt Manuel Harnischmacher, Geschäftsbereichsleiter WMF Professional Österreich. Die Mühle justiert sich selbst, das Tampen erfolgt automatisch. „Im klassischen Vollautomatensegment von WMF steht die höchste Qualität für Kaffee und Milchschaum ganz oben auf der Anforderungsliste – mit neuen Brühtechnologien und Milchschaumkonzepten“, sagt Harnischmacher.

Ebenfalls auf eine kombinierte Technik setzt der Schweizer Maschinenproduzent Schaerer. Der offizielle Launch der neuen Hybrid-Espressomaschine ist erst für das Frühjahr 2017 geplant. Doch wurde die Schaerer Barista in einer Art „Pre-Launch“ Ende Oktober auf der ZAGG in Luzern einigen wenigen Insidern vorgestellt. Das Geheimnis soll trotzdem erst im Frühjahr im Detail gelüftet werden. So viel sei verraten: Auch bei der Schaerer Barista werden gewisse Arbeitsprozesse in der Kaffeezubereitung (wie z. B. Dosierung, Mahlgradeinstellung oder Tamp-Prozess) vereinfacht bzw. überhaupt automatisiert werden.

Hansjürg Marti, Geschäftsführer Schaerer Deutschland, sieht die Anforderungen an die moderne Kaffeemaschine so: „In der letzten Zeit haben wir klare Veränderungen bei der Nachfrage von Kaffeemaschinen wahrgenommen. Der Trend geht zu bezahlbaren Konzepten im Hinblick auf Spezialitätengetränke. Es zählt, die bestmögliche Lösung aus den Wünschen der Kunden und den eigenen Anforderungen hinsichtlich Betriebs- und Reinigungsaufwand oder Investitionssumme zu finden.“
Siebträgerspezialist Cimbali bietet zwar keine Vollautomaten, aber bereits Tools, die man aus diesem Segment kennt. Das patentierte BDS (Barista Drive System) inkludiert ein Hybrid-System.

Bei diesem System können Maschine und Mühle mittels Bluetooth miteinander kommunizieren und ermöglichen, dass jeder Mitarbeiter mit dem Siebträger einen perfekten Espresso und Cappuccino zubereiten kann.
Auch Melitta vereint in den neuen Vollautomaten-Serien Melitta Cafina XT5 und XT7 Bereiche, die man bisher aus dem Siebträger-Segment gekannt hat: So ist das Espresso-Brühen und das Milchaufschäumen mit dem separaten Milchaufschäumer Steam Control Plus gleichzeitig möglich. Das neue ACS (Automatic Coffeequality System) korrigiert – wie ein gut ausgebildeter Barista – die Abweichungen von Mahlgrad, Pulvermenge, Kolbendruck, Wassertemperatur und Brühzeit automatisch. 

Bedienungsfreundlich

Thermoplan setzt in der neuen Gerätegeneration seiner Vollautomaten auf eine kompakte, modulare Bauweise, bewährte Brühqualität, das patentierte Milchschaumsystem und ein neues Touch-Display. Die vierte Generation, die Black&White4 compact, „vereint umfassende Funktionalität, innovative Technologien und hochwertige Elemente auf minimaler Standfläche“: „Ein breites Produktangebot ist zum Standard, einfache Bedienung auch durch Aushilfskräfte und eine höhere Kapazität sind fast schon ein Muss geworden“, weiß man bei den Schweizern um die heutigen Anforderungen in der Gastronomie. Auch die Möglichkeit für das Personal, während des Kaffeebezuges andere Aufgaben zu erledigen, spielt immer stärker eine Rolle. Zeitersparnis gibt es auch bei der Reinigung: Ein effizienter Ablauf durch ein automatisches Reinigungsprogramm ist hier sehr hilfreich.

Bei den Schweizer Landsleuten von Jura liegt der Fokus auf einer immer gleichbleibenden hohen Qualität auf Knopfdruck. Zielgruppen sind Betriebe mit wechselndem Personal beziehungsweise vielen Aushilfskräften. Neben der Zubereitung auf Knopfdruck erfolgt auch die Reinigung, Entkalkung oder die Sauberkeit des Milchsystems vollautomatisch. Die neue Giga X8 bietet zudem eine einzigartige Speedfunktion für optimalen Kaffeegenuss in Rekordzeit – wichtig für Stoßzeiten.

Mit Fernwartung

In der Weiterentwicklung seiner Kaffeemaschinen setzt Franke Coffee Systems auch auf Telemetrie. Für den Kunden bringt das detaillierte Informationen, Controlling-Möglichkeiten und verbesserten Service. 
So können zum Beispiel Fehlermeldungen in Echtzeit zum technischen Dienst gelangen, am besten bevor der Fehler im Betrieb zu einem akuten Problem geworden ist. Die Prozessdaten jeder Kaffeemaschine kann man aus der Ferne einsehen und überwachen. Auf einem übersichtlichen Dashboard hat man die gesamte Kaffeewelt im Unternehmen via Web oder Smartphone im Griff: wichtig für Unternehmen mit mehreren Filialen oder vielen Kaffeeautomatenstandorten.

In Echtzeit werden Verkaufszahlen abgerufen, können gezielt Verkaufsförderungsmaßnahmen, Preisanpassungen vorgenommen oder die Sauberkeit und Hygiene zur Qualitätskontrolle überwacht werden. Betreiber mehrerer Standorte können durch die Verbrauchsdaten ihren Warenfluss optimieren oder das Personal effizienter einsetzen beziehungsweise planen. 

Individuelle Angebote können auch in Echtzeit erstellt werden: zum Beispiel wechselnde Preise je nach Tageszeit. Auch die Vernetzung von Maschinen untereinander schreitet voran, so kommunizieren Kassensysteme oder Schankanlagen mit der Kaffeemaschine, und Zahlungssysteme können mittels der modernen Telemetrie-Optionen verwaltet werden.

Kolbentechnik

Das burgenländische Familienunternehmen Schärf – The Art of Coffee setzt auch und gerade bei seiner Top-Maschine, der ThreeSixty, auf die patentierte Kolbenzylinder-Technologie. Unter dem Motto „Weil’s der Kolben besser kann“ wurden Kolbenantriebe entwickelt, welche wie per Hand Sensibilität in der Kaffeeextraktion von Hochdruck- bis Niederdruckverfahren erlauben. „Diese revolutionäre und zukunftsweisende Technologie reduziert auf das Wesentliche“, erläutert Geschäftsführer Reinhold Schärf: „Auf die Zubereitung der perfekten Tasse Kaffee als unvergessliches, neues, feinaromatisches Genusserlebnis“. Nur dass es eben nicht von Hand erfolgen muss. Das puristische Design der „ThreeSixty“ verrät schon in seiner Anmutung, dass sich darin eine außergewöhnliche und besondere Technologie verbirgt. Uhrwerkpräzise Kaffeemahlwerke, ausgestattet mit temperaturschonenden Hochleistungs-Langsammahlaggregaten und lichtgeschützten Metallsilobehältnissen, überlassen bei der Feinadjustierung des Kaffeepulvers – in Abstimmung mit der Kaffeeextraktion – nichts dem Zufall.     

 

Autor/in:
Martin Kienreich
Werbung

Weiterführende Themen

Verschiedene Maschinen für verschiedene Anwendungen
Cafe
01.03.2018

Halb- oder Vollautomat? Siebträgermaschine oder Kolbentechnik? Welche Maschinen ein Gastronom kauft, ist letztendlich auch eine philosophische Frage. Aber es gibt auch viele praktische Gründe. ...

Die intelligenten Kaffeemaschinen kommen
Gastronomie
01.03.2018

Der neueste Schrei: Mittels Telemetrie lassen sich Kaffeemaschinen über das Internet steuern. Die ÖGZ hat sich angesehen, was das bringt, welche Einsatzgebiete es gibt und womit die führenden ...

So funktioniert der Kolben bei Schärf.
Gastronomie
14.12.2017

Die Kolbentechnik revolutionierte den Vollautomaten und macht dem Siebträger Konkurrenz. Heute vereint sie die Vorteile beider Kaffeemaschinen im Profibereich.

XT8: Der schnellste Kaffeevollautomat von Melitta
Cafe
09.03.2017

Ein Jahr nach dem Umzug an die Münchner Bundestraße 131 in Salzburg lädt Melitta Professional Coffee Solutions gewerbliche Kaffeeanbieter am 3. und 4. April 2017 zur Hausmesse an den neuen ...

Cafe
19.01.2017

Vom 13. bis 16.1. war bereits zum dritten Mal die Ottakringer Brauerei in Wien‘s 16. Bezirk Gastgeber für das Vienna Coffee Festival. Wir waren vor Ort und präsentieren die wichtigsten Neuigkeiten ...

Werbung