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Kaffeepreis bleibt hoch

28.11.2006

Vietnam erwartet rückläufige Erntemengen und somit sind weitere Preissteigerungen um bis zu 10 Prozent möglich.

Vor dem „Tag des Kaffees“ am 1. Oktober 2006 blickt die Branche gebannt auf die Entwicklung an den internationalen Rohstoffbörsen: Denn nach einer leichten Entspannung in den Monaten Mai bis Juli 2006 ziehen die Preise für Rohkaffee nun wieder kräftig an. Der Durchschnittspreis für Rohkaffee betrug laut International Coffee Organisation (ICO) im August 2006 95,8 US-Cent je Pfund. Das ist ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem August-Durchschnitt des Vorjahres und der höchste Wert seit August 1999. Im Vergleich zum August 2002 (42,79 US-Cent/Pfund) hat sich der Preis für Rohkaffee damit mehr als verdoppelt (+123,7 Prozent). Der Aufwärts-Trend setzte sich auch in den ersten Septembertagen 2006 fort. Am 11. September belief sich der ICO-Durchschnittspreis auf 95,39 US-Cent/Pfund.

Hohe Robusta-Preise
Besonders stark erhöht haben sich die Preise der Sorte Robusta: Hier stieg der Durchschnittspreis von 27,8 US-Cent/Pfund im August 2002 um stolze 163,9 Prozent auf mittlerweile 73,6 US-Cent/Pfund. Robusta ist die im Vergleich zu den Arabica-Sorten billigere Kaffeebohne und wird wegen ihres intensiven Geschmacks zumeist in kräftigen Kaffeemischungen eingesetzt. Die in Österreich besonders beliebten milden Röstungen hingegen bestehen überwiegend aus Arabica-Kaffee. Zurückzuführen ist die Preis-Hausse zum einen auf die kontinuierlich steigende Nachfrage nach Kaffee, zum anderen auf die Erwartung rückläufiger Erntemengen des weltweit zweitgrößten Kaffeeproduzenten Vietnam. Auch die jüngst bekannt gewordenen Ausfälle in italienischen Lagerhäusern, wo große Mengen von Kaffee durch eindringendes Wasser vernichtet wurden, haben zum Preisanstieg beigetragen.
Osten entdeckt den Kaffee
Für die Zukunft erwartet Mag. Gerald Steger, Geschäftsführer der café+co International Holding, des größten Betreibers von Kaffeeautomaten in Zentraleuropa, weiter steigenden Kaffeeverbrauch: „In Zentral- und Osteuropa ist im Zuge der steigenden Kaufkraft auch mit einem deutlichen Zuwachs des mengenmäßigen Pro-Kopf-Kaffeeverbrauches zu rechnen.“ In Westeuropa geht Steger auf Grund des ohnehin bereits sehr hohen pro Kopf- Verbrauches in erster Line von ­wertmäßigen ­Zuwachsraten durch vermehrte Nachfrage nach Kaffeespezialitäten aus. Wertmäßig schätzt der café+co-Chef das Wachstum des Kaffeemarktes in Westeuropa auf rund fünf Prozent in den nächsten 12 Monaten. „Durch den Wandel der Kaffeekultur – hin zu ­italienischen und erfreulicherweise auch zu Wiener Kaffee-Spezialitäten wie ­Macchiato oder Wiener Melange – erfährt der Markt in Österreich und Westeuropa neue Impulse, die vor allem dem Außer-Haus-Konsum in der Gastronomie und am Kaffee-Automaten zugute kommen werden. Denn komplexere Kaffeespezialitäten wie Macchiato oder Cappuccino lässt man sich doch lieber genussfertig servieren, statt sie selbst zuzubereiten“, sieht Steger einen erfreulichen Trend für seine Branche.

Höchste Rohkaffeepreise seit sieben Jahren
Rückläufige Erntemengen und steigender Konsum werden nach Ansicht des café+co-Chefs die Rohkaffeepreise weiterhin auf hohem Niveau halten. „Preissteigerungen von bis zu zehn Prozent sind möglich“, befürchtet Steger. Hinzu kommen die hohen Energiepreise, die die Röstung und den Transport verteuern und somit auch den End­verbraucherpreis für Kaffee nach oben treiben. Auch der Kaffee- und Teeverband schließt in den kommenden Monaten eine weitere moderate Preis­erhöhung nicht aus. Auf Prozentsätze wollte sich Verbandspräsident Gerd Schütz nicht festlegen. „Höhere Kaffeepreise seitens der Industrie wirken sich nur marginal auf den Tassenpreis aus.Es ist meist der kleinste Teil, der für einen Preisanstieg verantwortlich ist. Da wirken sich vielmehr die ständig steigenden Energie- und Lohnkosten auf Melange & Co aus“, ist Günter Ferstl, Obmann der Fachgruppe Wiener Kaffeehäuser, überzeugt.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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