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Kaffeetrends auf dem Prüfstand

21.02.2019

Wer weiß noch, was Bubble-Tea ist? Gibt’s eigentlich noch Cupcakes? So mancher Trend hat sich als Hype herausgestellt, aber aus einigen Hypes sind tatsächlich Trends geworden

Gekommen, um zu bleiben

Cold Brew: Anfangs belächelt, hat sich der kalt angesetzte Kaffee tatsächlich durchgesetzt. Für die Gastronomen gibt es mittlerweile alles fixfertig: in Flaschen, Bag-in-Box-Containern, mit Zapfsystemen, mit und ohne Kohlensäure. Toller Umsatzbringer im Sommer on the Rocks oder als Filler im Cocktail.

Direct Trade: Röster oder Händler schließen sich mit Produzenten zusammen, erreichen so bessere Preise, bessere Qualität, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort, sparen sich Zwischenhändler und teure Lizenzen für Siegel. Die glaubwürdige Story für den Gast gibt’s gratis dazu.

Kaffeemehl: Das ist kein gemahlenes Kaffeepulver, sondern eine glutenfreie Alternative zu Weizenmehl. Es wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kaffeekirsche gewonnen, lässt sich vielfältig einsetzen (Kochen, Backen, Dessertküche) und wird verarbeitet wie normales Mehl. Wertvolle Inhaltsstoffe und ein leichter Koffeingehalt machen es zu etwas Besonderem. Bezug: coffeeflour.com

Braucht noch Starthilfe

Kaffeetassen aus Kaffeesud: Der Kaffeeabfall aus der Gastro-nomie wird gesammelt und dient als Grundmaterial für die Tassenproduktion. Fühlt sich etwas rau am Mund an, etwas „sandig“, aber daran kann man ja noch arbeiten. Gibt’s schon in dem einen oder anderen Coffeeshop. Kaffeeform.com

Pfandbechersysteme: Daran arbeiten einige Start-ups und Gemeinden. Der Kunde zahlt 1 Euro Pfand (geht auch am ­Automaten) und bekommt seinen ­wiederverwendbaren ­Recup-Becher, den er in irgendeiner der teilnehmenden ­Filialen abgeben kann. Funktioniert nur mit echten Stammkunden, sonst zu kompliziert.

Roboter-Café: Von San Francisco bis Tokio wird eifrig am Automatismus geschraubt. Wenn ein Roboter den Kaffee zubereitet, ist das beim ersten Mal „originell“, beim zweiten Mal witzig, wenn man es anderen zeigt, doch dann? Sonderbestellungen sind noch nicht möglich, und die Interaktion mit einem menschlichen Barista fehlt – daran sollte man noch arbeiten oder z. B. den Roboter nur zum Helferlein zu machen.

Bin gleich wieder weg

Mushroom Coffee: Kaffee mit Lebensmittelzusatzstoffen sind mancherorts der letzte Schrei. Zum Beispiel angereichert mit angeblich heilsamem Pilzpulver. Gibt’s auch versetzt mit Anis-, Pfefferminze- oder Stevia-Extrakten. Genauso entbehrlich ist Brokkoli-Latte oder Goth-Latte mit schwarzfärbender Kohle.

Elefanten-Kaffee: Als würde der Hype rund um Kopi-Luwak-Kaffee nicht reichen, bei dem der Verdauungsprozess der indonesischen Zibetkatze den Kaffee angeblich besser macht, werden jetzt auch noch Elefanten in Thailand dazu benutzt, um so „Dung Coffee“ zu produzieren. Aus ökonomischer Sicht sicher gut gedacht, wenn man die Ausscheidungsmenge einer Katze und eines Elefanten vergleicht. 

Wiederbefüllbare Kaffeekapseln: Natürlich gibt es bei uns Millionen von Kaffeekapseln, die am Müll landen, trotz Recyclingversprechen der Hersteller. Die wiederbefüllbaren Kaffeekapseln werden dieses Müllproblem wohl dennoch nicht lösen, denn Kaffeekapseln wurden deshalb so erfolgreich, weil sie immer frischen Kaffee bieten, das Mahlen wegfällt und man nicht mit offenem Kaffee in Berührung kommt, also das genaue Gegenteil dieser Erfindung.

Mehr zum Thema: Bei der Latte ist kein Ende in Sicht

 

 

Autor/in:
Martin Kienreich
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