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Kampf dem Abschwung

24.02.2009

Der Tourismus ist die Lebensader der österreichischen Wirtschaft und ein Konjunktur-Paket soll gegen den Abschwung wirken

Die weltweite Finanzkrise drückt auf die Reiselust. Neben den Investitionen der Unternehmen und den Warenexporten wird nach Ansicht des Wirtschaftsforschungsinstitutes Wifo der Tourismus am stärksten "gedämpft" werden, sprich: schrumpfen. Besonders betroffen wird der von Businesskunden abhängige internationale sein, so Wifo-Tourismusexperte Egon Smeral. Aufgrund der Wirtschaftskrise müssen Gastronomen und Hoteliers davon ausgehen, dass die Gäste immer kurzfristiger buchen, kürzer bleiben und weniger konsumieren. "Die Stimmungslage der österreichischen Tourismuswirtschaft reicht von optimistisch bis besorgt", weiß Hans Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft aus einer aktuellen Online-Umfrage des market-Instituts. Insgesamt zwei Drittel der österreichischen Tourismus- und Freizeitbetriebe zeigen sich hinsichtlich der vergangenen Sommersaison 2008 rückblickend zufrieden und sehen die gerade gestartete Wintersaison überwiegend positiv. Ein Drittel der Betriebe konnte sich sogar über Umsatzzuwächse freuen, während ein Viertel Einbußen in Kauf nehmen musste. Bei der Ertragsentwicklung hingegen verzeichnete über ein Drittel der Tourismusbetriebe Rückgänge.
Hinsichtlich der Nächtigungszahlen sind 7 von 10 Betrieben zufrieden, wobei die positive Stimmung in Tirol, Salzburg und Vorarlberg besser ist als im übrigen Österreich. Dennoch rechnet auch hier jeder vierte Betrieb mit Umsatzeinbußen. Eine Umsatzsteigerung erwarten nur 18 Prozent der Unternehmen. Die Buchungslage befindet sich aktuell etwas unter dem Vorjahresniveau, was auch die Umfrageergebnisse bestätigen.
65 Prozent der befragten Betriebe, und damit fünf Prozent weniger als im Vorjahr, zeigen sich mit der Buchungslage zufrieden, 30 Prozent (um sieben Prozent mehr als im Vorjahr) sind eher unzufrieden. "Darin lassen sich unschwer die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise und einer angespannten Konjunkturlage erkennen", erklärt Schenner. "Bereits 55 Prozent der Betriebe spüren negative Auswirkungen, was sich vor allem in reduzierten Tagesausgaben und/oder einer kürzeren Aufenthaltsdauer der Gäste zeigt."
In Zukunft nicht so gut wegkommen dürfte der Tiroler Tourismus. "Der britische Markt, von dem hauptsächlich Tirol profitiert, wird Einbußen hinnehmen müssen", prognostiziert Schenner. "Noch seien die Tiroler Touristiker davon nicht betroffen, aber im Ostergeschäft werde sich der schlechte Wechselkurs des Pfunds bemerkbar machen. Für die Engländer ist ja alles um 30 Prozent teurer geworden", sagte Schenner. Den Rückgang der britischen Gäste bezifferte er mit rund 10 Prozent. In der gesamten Tiroler Tourismusbilanz sollte sich das aber mit lediglich einem Prozent bemerkbar machen.
Die derzeit ambivalente Situation eröffnet, wie Schenner betont, durchaus auch neue Chancen auf der Nachfrageseite. Zwar wollen 24 Prozent der Österreicher wie eine Umfrage der Generali-Versicherung ergeben hat im Jahr 2009 die Ausgaben für ihren Urlaub einschränken. Immerhin 15 Prozent der 1.000 befragten Österreicher planen hingegen, mehr für einen Urlaub auszugeben als zuletzt. "Da dürfte bei manchen ein gewisser ?Jetzt erst recht!-Faktor mitspielen. Bei entsprechender Aktivierung und Bewerbung lassen sich da im Binnentourismus sicher noch interessante Potenziale heben", ist der Sprecher der heimischen Tourismuswirtschaft überzeugt. "Schon bisher habe dieser Wirtschaftszweig auch in anderen Krisen (9/11, Vogelgrippe oder Klimawandel-Diskussion) seine Resistenzfähigkeit unter Beweis gestellt. Der Tourismus wird auch in Zukunft einen wichtigen Platz als bewährter Wirtschafts- und Arbeitsplatzmotor einnehmen."
Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise wird die europäische Tourismuswirtschaft 2009 um knapp fünf Prozent schrumpfen, die österreichische "nur" um 2,8 Prozent, erwartet der Wifo-Experte Egon Smeral. Unterstützung erwarten sich Hoteliers und Wirte von der neuen Bundesregierung: 80 Prozent fordern eine rasche Senkung der Lohnnebenkosten, 68 Prozent eine Vereinfachung der Verwaltungswege und bürokratischen Auflagen, 58 Prozent vermehrte Maßnahmen zur Unterstützung der Kaufkraft in Österreich und 31 Prozent eine Aufhebung des Rauchverbots in der Gastronomie.
Das Wirtschaftsministerium hat gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich ein Maßnahmenpaket für den Tourismusstandort Österreich geschnürt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft zu erhalten und zu verbessern. "Für Österreichs Tourismuswirtschaft war 2008 ein hervorragendes Jahr. 2009 werden aber auch in unserem Land die Tourismusumsätze zurückgehen. Es ist daher notwendig, mit entsprechenden Maßnahmen gegenzusteuern. Wir werden die Betriebe also umfangreich unterstützen", sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.
Günstigere Kredite
Die Österreichischen Tourismusbank (ÖHT) hat 2008 im Auftrag des Wirtschaftsministeriums knapp 1.000 Tourismusprojekte mit einem Investitionsvolumen von rund 750 Millionen Euro gefördert. "Die österreichische Tourismuswirtschaft bietet über 180.000 sichere und standortgebundene Arbeitsplätze zu ihrer Absicherung ist eine solide Finanzierungsbasis der Betriebe unabdingbar," erklärte ÖHT-Generaldirektor Reinhard Mücke. Daher wurde die Erhöhung der für den Tourismus zur Verfügung stehenden ERP-Kreditmittel um 18,75 Prozent auf 38 Millionen Euro bereits im Dezember 2008 umgesetzt. Um das hohe Investitionsniveau halten zu können, werden für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft Mikrokredite aus ERP-Fondsmitteln eingeführt, die mit einer Haftungsübernahme durch die ÖHT besichert werden. Weiters wird der im KMU-Förderungsgesetz für die ÖHT vorgesehene Haftungsrahmen auf 500 Millionen Euro und die für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft vorgesehenen Haftungsobergrenze im Einzelfall auf vier Millionen Euro verdoppelt. Die TOP-Tourismus-Förderung soll um weitere 20 Prozent in den nächsten beiden Jahren erhöht werden. Seitens der ÖHT wurde ein Refinanzierungsantrag zur Gewährung eines Globaldarlehens bei der Europäischen Investitionsbank EIB in der Höhe von 140 Millionen Euro eingebracht. Dadurch können günstige Kreditkonditionen den Betrieben weitergegeben werden.Stelz

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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