Direkt zum Inhalt

Kampf dem Qualm im Café

10.10.2007

Nachdem die freiwillige Selbstverpflichtung nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat, plant Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky nun schärfere Maßnahmen beim Nichtraucherschutz in der Gastronomie.

Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky will die österreichische Gastronomie ab 1. 1. 2008 gesetzlich zu einer räumlichen Trennung von Raucher-Bereichen und qualmfreien Zonen in Lokalen verpflichten. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll noch im Herbst im Ministerrat behandelt werden.
Gastronomiebetriebe mit einer ­Fläche von weniger als 75 Quadratmetern sollen sich dann entscheiden müssen, ob sie zur Gänze Raucherlokal oder qualmfreie Zone sein wollen. Größere Lokale müssen Raucher und Nichtraucher verpflichtend räumlich trennen, erklärte Kdolsky. Die Einhaltung des Gesetzes solle nach einer Übergangsfrist auch entsprechend kontrolliert und sanktioniert werden. Wie solche Strafen genau aussehen könnten, müsse noch geklärt werden, sagte die Ministerin.
Hoher Raucheranteil
Nachdem mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Gastronomen nicht das gewünschte Ergebnis erzielt wurde, habe man an einer Novelle des Tabakgesetzes gearbeitet. Ein gänzliches Rauchverbot in Lokalen gesetzlich durchzusetzen, sei ein zu „gravierender Schritt“ gewesen, sagte Kdolsky. Immerhin sei der Anteil an Rauchern in Österreich vergleichsweise hoch: Rund 50 Prozent greifen zum Glimmstängel. Ausschließen wollte die Gesundheitsministerin die Umsetzung eines totalen Qualmverbots in Lokalen – auch noch während ihrer Amtszeit – nicht. Dafür seien weitere Evaluierungen notwendig, meinte die Ministerin.
„Wir Wiener Kaffeesieder können mit dem von Gesundheitsministerin Kdolsky eingebrachten Gesetzesentwurf sehr gut leben. Besonders zufrieden bin ich damit, dass Cafés unter 75 Quadratmeter Wahlfreiheit haben. Womit ich nicht leben kann, ist die geforderte räumliche Trennung, denn die lässt sich sicher nicht so leicht umsetzen, wie sich dies der Gesetzesgeber vorstellt. Auch betreffend der Belüftung möchte ich meine Bedenken anmelden. Schon jetzt ist laut Gewerbeordnung eine Luftumwälzung von 50 Kubikmetern pro Gast und Stunde vorgeschrieben. Dies ist meiner Meinung nach vollkommen ausreichend. Bei den geforderten 90 Kubikmetern pro Gast und Stunde haben wir amerikanische Verhältnisse und unsere Gäste bläst es buchstäblich aus dem Lokal“, meint der Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser Günter Ferstl.
Der Fachverband Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich zeigt sich ebenfalls nach diesem Vorstoß durchaus zufrieden. Die geplante Regelung sei durchaus im Sinne der Wirtschaftskammer, sagt Helmut Hinterleitner, Obmann des Fachverbandes Gastronomie. Ein generelles Rauchverbot hätte viele Betriebe, vor allem die kleineren, vor Existenzprobleme gestellt. Dieses sei aber im Gesetzesentwurf nicht enthalten. Die Deklarationspflicht für Kleinbetriebe sieht er nicht als „Schlupfloch“ zur Umgehung eines rigorosen Rauchverbots an. Der Gast entscheide schließlich, ob er in eine Nichtraucher- bzw. Raucherlokal gehen wolle, so Hinterleitner. Die Gastronomen müssten sich ab 2008 nur klar deklarieren, ob sie zur Gänze Raucher- oder Nichtraucherbetrieb sein wollen. Die Trennung der Qualm-Befürworter und -Gegner in Gaststätten und Restaurants über 75 Quadratmeter könne nicht ohne Übergangsfristen vonstatten gehen. Die damit verbundenen Umbauarbeiten, räumliche Trennung bis hin zum Einbau von Belüftungsanlagen, würden einen „entsprechenden Zeithorizont“ benötigen. Mit Übergangsfristen unter einem bzw. eineinhalb Jahren „wird es sicher nicht machbar sein“, sagt der Spartenobmann. Derzeit sei ihm aber die vorgesehene Dauer der Übergangszeit noch nicht bekannt. Insgesamt seien die Regelungen durchaus im Sinne der Wirtschaftskammer, erklärt er. Hinterleitner hofft jedenfalls, dass mit dieser Variante der Gastronomie ein totales Rauchverbot erspart bleibt: „Die Kunden aus den Betrieben in andere Bereiche zu vertreiben, wäre der falsche Weg.“
Die im Gesetzesentwurf vorgesehenen Strafmaßnahmen stoßen sowohl beim Fachgruppenobmann der Kaffeehäuser Günter Ferstl als auch bei seinem Berufsgruppenobmann Maximilian K. Platzer auf Unverständnis. Hier wird einerseits die Ungleichbehandlung von Wirt und Gast kritisiert. „Soll ich als Wirt jetzt auch noch Polizist und Richter sein?“, fragt sich Günter Ferstl. „Ich kann den Gast nur höflich und bestimmt darauf aufmerksam machen, dass er sich in der Nichtraucherzone an das Rauchverbot halten soll. Ich gehe davon aus, dass die Gäste aufeinander Rücksicht nehmen und nur in den Raucherzonen rauchen. Ich bin auch gegen Strafmaßnahmen“, erklärt Maximilian K. Platzer.
„Was soll ich machen, wenn sich ein Gast trotz Rauchverbots eine Zigarette anzündet? Im leicht angeheiterten oder auch betrunkenen Zustand ist es schwer, Gäste dazu zu bringen Regeln zu befolgen. Ich gebe dem Gast sicher kein Feuer. Was für mich als Wirt völlig unverständlich ist, dass ich für das Fehlverhalten des Gastes Strafe zahlen muss und auch noch tiefer in die Tasche greifen muss als der Gast“, sagt Günter Ferstl.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Umsatzeinbußen beklagen viele Nachtlokale. Die internationale Erfahrung zeigt aber: Die Gäste kommen wieder.
Gastronomie
28.11.2019

Das erste Monat Rauchverbot: Weniger die Strafen, aber Umsatzeinbußen treffen die Betriebe. Was die Gastronomen stört, haben wir vom Obmann der Wiener Fachgruppe Gastronomie, Peter Dobcak, erfragt ...

Besonders Nachtlokale leiden momentan unter dem Rauchverbot
Gastronomie
22.11.2019

Drei Wochen nach Inkrafttreten des Rauchverbots in der Gastronomie fallen die Reaktionen unter den Wirten gemischt aus.

Gastronomie
06.11.2019

Ohne große Nebenwehen verlief die erste Woche des seit 1. November allgemein gültigen Rauchverbots in der Gastronomie.  Laut Wirtschaftskammer gab es an den ersten Tagen in der Nachtgastronomie ...

Altes Schild in Zügen im Salzkammergut
Gastronomie
30.10.2019

Ab 1. November gilt das allgemeine Rauchverbot in der Gastronomie. Nachdem der Verfassungsgerichtshof sämtliche Ausnahmen ausgeschlossen hat, müssen sich alle heimischen Betriebe daran halten. Wie ...

Gastronomie
03.10.2019

Wir haben die Leser und Leserinnen unserer Website gast.at gefragt, wie sie zum (voraussichtlichen) Rauchverbot in der Gastronomie ab November stehen. Das Ergebnis dieser – allerdings nicht ...

Werbung