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Für AK-Wien-Vizepräsident Rudolf Kasek ist Schwarzunternehmertum kein Kavaliersdelikt

Kaske kritisiert Systemmissbrauch

21.12.2011

Wien. vida-Vorsitzender und ÖGB-Arbeitsmarktsprecher Rudolf Kaske kritisiert, dass einzelne Arbeitgeber die Arbeitslosenversicherung missbrauchen, um ihre Beschäftigten in auftragsärmeren Zeiten "zwischenzuparken".

"Ein derartiges Verhalten geht zulasten der Beschäftigten und der Allgemeinheit. Es geht nicht an, dass einzelne Unternehmen den Zweck der Arbeitslosenversicherung zweckentfremden und das System missbrauchen", sagt Kaske. 2010 kam es in mehr als 75.000 Fällen zu einer Arbeitslosigkeitsepisode von weniger als zwei Monaten und in der Folge zu einer Wiedereinstellung beim selben Dienstgeber.

 

Tourismus gehört zu den Spitzenreitern

In 13.533 Fällen wurden die Beschäftigten maximal für zwei Wochen "stempeln" geschickt und dann vom selben Arbeitgeber wieder eingestellt. Hier sind die Zeitarbeitsfirmen führend, gefolgt von Betrieben aus dem Baubereich und aus dem Tourismus. Bei Arbeitslosigkeitsepisoden im Ausmaß von vier Wochen und darauffolgender Wiederbeschäftigung im selben Betrieb waren die Tourismusbetriebe vergangenes Jahr unrühmliche Spitzenreiter. "Bei genauer Betrachtung der Arbeitslosenstatistik fällt auf, dass es drei Branchen gibt, die besonders häufig auf diese bedenkliche Praxis zurückgreifen: die Zeitarbeitsfirmen, der Tourismus und die Bauwirtschaft", sagt Kaske. Immer wieder vorgebrachte Argumente, auch den Beschäftigten sei das so recht, weist der ÖGB-Arbeitsmarktsprecher zurück: "Ich gehe davon aus, dass die Arbeitnehmer bei einer Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes von gerade 55 Prozent nicht darauf erpicht sind, für zwei, vier oder auch acht Wochen auf beinah die Hälfte des Lohnes zu verzichten, nur weil der Chef Lohnkosten sparen möchte", sagt Kaske.

 

Qualifikation in der Zwischensaison

Dem Arbeitsmarktservice entstand durch diese Praxis der Arbeitgeber ein Aufwand für Leistungen inklusive anteiliger Sozialversicherungsabgaben von mehr als hundert Millionen Euro. "Aus meiner Sicht besteht hier ein klarer´Handlungsbedarf", sagt Kaske. Im Tourismus sei von den Sozialpartnern gemeinsam mit dem AMS speziell eine Qualifizierungswoche vor Saisonbeginn entwickelt worden, um Betrieben die Möglichkeit zu bieten, die Beschäftigten in der Zwischensaison zu qualifizieren. "Seit Inkrafttreten dieser Möglichkeit im November 2008 wurden von den Betrieben gerade 32 Beschäftigten die Inanspruchnahme dieser Qualifizierungswoche ermöglicht", sagt Kaske. Angesichts der Budgetknappheit werde man in Zukunft genauer schauen, welche Branchen und Betriebe zu diesen bedenklichen "Hire-and-Fire

Methoden" griffen, kündigt Kaske an.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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