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Katzengold auf „Goldenen Seiten“

12.08.2009

Erfahrungsbericht von Monika Mokre über die Geschäftspraktiken des City Katalogs "Gastro Guide", wo wie es scheint auch Gastronomiebetriebe eingetragen werden, obwohl diese bereits längstens nicht mehr existieren.

Herr N. möchte seine Frau zu ihrem Geburtstag zum Essen ausführen. Er informiert sich im Gastro Guide des City Katalogs und sucht ein Lokal aus, das gehobene Wiener Küche verspricht. Freudig fährt das Ehepaar zu dem beworbenen Lokal - und erleidet eine herbe Enttäuschung: Das Lokal ist geschlossen und zwar vermutlich schon seit längerer Zeit; Herr und Frau N. stehen vor einem leer geräumten Gassenlokal mit der offensichtlich auch schon seit mehreren Monaten angebrachten Ankündigung "Nachmieter gesucht". Warum das so ist, obwohl das Lokal im Gastro Guide zu finden ist könnte ihm Frau O. erklären, die ehemalige Besitzerin des mittlerweile geschlossenen Lokals.

Anzeige für mehr Werbung

Kurz nach der Übernahme des Lokals durch Frau O. wurde sie von einem Vertreter des City Katalogs aufgesucht. Dieser überzeugte sie davon, dass eine bezahlte Anzeige mit Fotos des Lokals eine wichtige Werbewirkung haben würde. Einen zusätzlichen Anreiz stellten die sehr generösen Zahlungsbedingungen dar: Erst ein halbes Jahr nach Vertragsabschluss, kurz vor Erscheinen des Katalogs würde der Anzeigenpreis fällig werden. Euphorisch über ihr neues geschäftliches Unternehmen investierte Frau O. noch zusätzlich in eine Grafikerin; die Anzeige wurde druckfertig an den City Katalog geliefert. Auf eine Passage der Geschäftsbedingungen machte der Vertreter Frau O. allerdings nicht aufmerksam: Der Vertrag verlängert sich automatisch, wenn er nicht sechs Wochen nach Erscheinen der aktuellen Ausgabe gekündigt wird. Druckfahnen für die nächste Ausgabe werden zugeschickt, wenn darauf keine Reaktion erfolgt, gelten die Fahnen als akzeptiert.

Weiterer Eintrag ohne Rücksprache

Die anfängliche Euphorie von Frau O. fand ein schnelles Ende. Das Lokal war bei weitem nicht so erfolgreich wie erhofft und musste schon ein knappes Jahr nach der Neueröffnung wieder geschlossen werden. Zum Zeitpunkt des Erscheinens des City Katalogs war das Lokal bereits geschlossen; trotzdem bezahlte Frau O. natürlich die von ihr bestellte Anzeige. Allerdings war sie deutlich schockiert, als sie mehr als ein Jahr später eine Mahnung für das Erscheinen der Anzeige in der nächsten Nummer erhielt. Aufgrund weiterer Recherchen ergab sich, dass sowohl die Druckfahnen als auch die Originalrechnung an das Lokal geschickt worden waren. Da daraufhin keine Reaktion erfolgte, wurde die Anzeige abgedruckt und erst als auch auf die Zahlungsmahnungen keine Reaktion erfolgte, übergab der City Katalog die Angelegenheit einem Anwalt, der die Privatadresse von Frau O. herausfand und ihr die Mahnung dort zustellte.

Eigenwillige Art des "Entgegenkommens"

Frau O. protestierte gegen die Rechnung und führte an, dass der City Katalog für die Konsumenten und Konsumentinnen wertlos ist, wenn Informationen ohne weitere Überprüfung fortgeschrieben werden. Gerade in der Gastronomie verändert sich die Szene so schnell, dass ein solches Vorgehen unverantwortlich ist. Der Anwalt des City Katalogs wies in seiner Antwort darauf hin, dass es die Bringschuld der Unternehmen ist, korrekte Informationen zu liefern, bot aber als "Entgegenkommen" des Verlags an, dass die mittlerweile fälligen Stornogebühren für einen nochmaligen Abdruck der mittlerweile seit drei Jahren veralteten Anzeige erlassen würden. Eine derartige Vertragsgestaltung ist natürlich rechtlich zu hinterfragen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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