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Die Paragastronomie ist eine Gefahr für den kleinen Wirten am Land.

Kein fairer Wettbewerb am Land

20.04.2016

WKÖ-Studie belegt: „Kleine Vereinsfeste“ und Vereinslokale nehmen Gastronomen Umsätze weg.

Die Wirtschaftskammer schießt einmal mehr scharf gegen „Kleine Vereinsfeste“, die sich das Mäntelchen der Gemeinnützigkeit umhängen, um alle Auflagen eines gastronomischen Betriebs erfolgreich zu umgehen. Thomas Wolf, Geschäftsführer des Fachverbands Gastronomie, nennt solche Aktionen „Spaßvereine“, die in Wirklichkeit meist Geld für ihr Privatvergnügen sammeln. Diese „Paragastronomie“ grabe den kleinen Wirten am Land das Wasser ab. Denn die müssen alle Auflagen eines gastronomischen Betriebs erfüllen, die Vereine nicht. Das sei „unfairer Wettbewerb“, sagt Obmann Mario Pulker. „Diese Vereinsfeste nehmen den Gastronomen viel Umsatz weg.“

Diese Aussagen untermauert eine Studie, die die WKÖ bei Prof. Friedrich Schneider vom Institut für Volkswirtschaftslehre an der Johannes-Kepler-Universität Linz in Auftrag gegeben hat. Sie analysiert die Lage in den östlichen Bundesländern mit besonders vielen Vereinen. In 74 % der Fälle fanden deren Vereinsfeste ohne gewerbliche Gastronomie statt. Eine Hochrechnung bei den Umsätzen kam zum Ergebnis: Die gewerbliche Kleingastronomie setzte 1,769,74 Mio. Euro um, die Paragastronomie in Vereinslokalen und bei Vereinsfesten 864,61 Mio., also knapp die Hälfte. Umsätze, die der Kleingastro-nomie am Land „natürlich zumindest teilweise fehlen“, sagt Schneider. 

Dem schließen sich Pulker und Wolf an. Die beiden betonen, nichts gegen das rege Vereinsleben und Vereinsfeste zu haben. Diese würden eine wichtige soziale Funktion ausüben. Beide stören nur die vielen Ausnahmeregelungen zugunsten der Vereine und zum Nachteil der lokalen Gastronomie. Sie stört, dass viele angeblich gemeinnützige Vereine dies gar nicht sind und dass das niemand kontrolliert. 

Flatrate und Register

Sie fordern deshalb ein bundesweites Register für Veranstaltungen mit Verabreichung und Ausschank, um überhaupt kontrollieren zu können, ob von diesen die Grenzen für eine Ausnahme von der Gewerbeberechtigung eingehalten werden. Außerdem dürfe sich eine Kooperation von wohltätigen Organisationen mit Gastwirten nicht weiter negativ auf steuerliche Privilegien auswirken. Das Finanzministerium müsse die Vereinsrichtlinien in diesem Punkt überarbeiten. Die WKÖ verwahrt sich auch vehement dagegen, dass es zu einer weiteren Öffnung dieser Privilegien zum Beispiel für politische Organisationen kommt. Und sie fordert ein Endbesteuerungsmodell für Aushilfskräfte in kleinen Gastronomiebetrieben inklusive Abschaffung der täglichen Geringfügigkeitsgrenze bei der Sozialversicherung. Der Arbeitgeber solle künftig nur noch eine „Flatrate“ für Aushilfskräfte abführen. Das sei einfach umzusetzen, wie das Beispiel Belgien mit den „Flexijobs“ für Menschen mit Anstellung zeige. Das Modell wird so gut von allen Beteiligten angenommen, dass eine Ausweitung auf andere Bereiche der Wirtschaft überlegt wird. 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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