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In den zwölf Zimmern im Boutiquehotel Faktorei dominieren warme Farben und Naturmaterialien. Auf TV wird verzichtet. Stattdessen gibt es Lautsprecher zum Musikhören.

Kein hässliches Entlein mehr

11.09.2018

„Es war das hässlichste Haus in der ganzen Straße“, sagt Anja Janus. Die Quereinsteigerin hat daraus in der Innsbrucker „Mahü“ ein elegantes Boutiquehotel gemacht.

 

Die Ex-Journalistin aus Hamburg Anja Janus eröffnete in der Innsbrucker „Mahü“ das Boutiquehotel Die Faktorei und das Café Mahü.

Es scheint verwunderlich. Die „Faktorei“ in der Mariahilfstraße 36 ziert seit Mai 2018 eine der meistfotografierten Häuserzeilen Österreichs. Die Mariahilfstraße gehört zum Stadtteil Mariahilf, der gemeinsam mit dem Stadtteil St. Nikolaus auch „Anpruggen“ oder „Wiege Innsbrucks“ genannt wird. Die pittoreske Häuserzeile ist beliebtes Fotomotiv. Von der Faktorei sind es wenige Minuten in die Innsbrucker Altstadt, auch Maria-Theresien-Straße, Congress Innsbruck, Hofgarten und Hofburg liegen in unmittelbarer Nähe. Darüber hinaus existieren der politische Wille und der Wunsch privater Investoren, das Viertel aufzuwerten. Sei es durch Investitionen in Infrastruktur oder Revitalisierung verfallener Häuser. Eine recht positive Ausgangslage in einem aufstrebenden Umfeld. Da möchte man meinen, dass das bei der Finanzierung eines neuen Hotelprojekts wie dem der Faktorei hilft. 

Finanzierungsprobleme

Weit gefehlt. Die Banken scheuten. „Es war schwerer als gedacht, eine Finanzierung für mein Hotelprojekt zu bekommen“, sagt Anja Janus. Die Hamburger Journalistin ist zwar Quereinsteigerin im Hotelfach, beweist aber durchaus Hartnäckigkeit, wenn es um die Umsetzung ihres Lebens­traums geht. 
Über die Jahre ist sie mit Innsbruck beruflich und auch als touristischer Stammgast eng verbunden. Dann brachte ein beruflicher Orientierungswechsel die Sache ins Rollen. 

Der anfängliche Plan, das ehemalige Hotel und Gasthof Weißes Lamm in der Mariahilfstraße 12 zu kaufen, scheitert. Ein Immobilieninvestor ist schneller. So fällt die Wahl auf das Haus Mariahilfstraße 36, das, wie Janus in Erfahrung bringt, ebenfalls zum Verkauf steht. 
„Es war das hässlichste Haus in der Straße“, sagt die neue Besitzerin. Und dennoch entscheidet sie sich für den Kauf. Bei der Finanzierung habe dann schließlich der Zufall geholfen. Ein Bankmitarbeiter, der selbst aus dem Hotelfach kommt, habe das Potenzial erkannt. 2015 wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Nach umfangreicher Vorplanung und fünfzehnmonatiger Bauzeit konnte das Boutique-Hotel „Faktorei“ und das Café „Mahü“ im Mai 2018 eröffnen.

Anja Janus hält sich bedeckt, wie viel sie für den Kauf und die Renovierung des Gebäudes an Eigen- und Fremdkapital aufbringen musste. Offensichtlich ist, dass in der Faktorei viel Herzblut, eine ganz persönliche Note, viel Hippes und viel Regionales stecken. 

So hat der Innsbrucker Architekt Cornelius Knapp dem Hotel seinen Stempel aufgedrückt. Beim Betreten des schmalen Gebäudes trennen sich Hoteleingang und der Eingang zum (kleinen) Café, das für alle offen steht. Weiter führt der Gang vorbei an einem alten überdimensionalen Apothekerschrank, den Janus einige Häuser weiter in einer aufgelassenen Apotheke entdeckt, gekauft und anschließend restaurieren hat lassen. 

Der Aha-Effekt zeigt sich dem Betrachter in den freiliegenden Stahlbrücken, auf die man von der Lounge auf dem Weg zum Frühstücksraum vom Erdgeschoß bis hinauf zum Dach frei blicken kann. Die Stahlbrücken dienen in den Obergeschoßen als Übergänge zu den insgesamt zwölf Zimmern. Sie wurden vom Architekten als verbindende Elemente gewählt. 

Entkernung

„Das Haus ist jahrhundertealt und war vor dem Umbau sehr dunkel. Ein Teil wurde komplett entkernt, als Übergänge zwischen den Stockwerken wurden die Stahlbrücken eingebaut und damit Licht und freier Raum geschaffen“, erklärt Anja Janus. Ein weiteres Highlight ist der vom Frühstücksraum und Lobby erreichbare detailreich angelegte Kräutergarten. Ein echter Hingucker mitten in der Stadt. 

Von den Zimmern und der Suite hat man einen guten Blick auf den Inn, die Innsbrucker Altstadt, die Markthalle und den Patscherkofel. Auffällig: Es werden ausschließlich Naturmaterialien eingesetzt, von der Bettwäsche über das Füllmaterial der Boxspringbetten bis zu den Vorhängen. An den Decken wurden alte Holzbalken restauriert. Die Seifen in den Badezimmern stammen von der Innsbrucker Manufaktur Walde. 

Die Farben im gesamten Hotel sind gedämpft. TV-Apparate gibt es keine. Stattdessen hängen in den Zimmern mit anthrazitgrauem Filz überzogene Bilderrahmen an der Wand. Die von der Wiener Lautsprecher Manufaktur gefertigten Elemente dienen als Lautsprecher und können über das Smartphone oder iPad bedient werden. 

Es war schwerer als gedacht, eine Finanzierung zu bekommen.

Unüblich ist auch die Art und Weise, wie das Frühstück serviert wird. Es gibt kein Buffet. Serviert werden Eta-gèren mit wechselnder Befüllung und mit Bioprodukten und das den ganzen Tag. „Das war mir wichtig, ich bin selbst Langschläferin“, sagt Janus. Es gibt auch die Möglichkeit, Kleinigkeiten mittags oder abends zu essen. Dazu gibt es wechselnde Tagesgerichte. 

Angesprochen werden Gäste, die das Gefühl, „angekommen und ein Stück weit daheim zu sein“, suchen. Deshalb wolle sich die frischgebackene Hotelière auch nicht auf eine bestimmte Zielgruppe festlegen. „Es gibt Geschäftsreisende, die es schätzen, nicht in einem Kettenhotel absteigen zu müssen. Genauso gibt es auch Familien oder Urlauber, die das Design, persönliche Note oder in unserem Fall die Heimeligkeit unseres Boutiquehotels einem größeren Hotel vorziehen.“

Autor/in:
Barbara Egger
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