Direkt zum Inhalt

Kein Imageschaden befürchtet

13.06.2013

Die Pegel der Flüsse und Seen sinken, die Aufräumarbeiten beginnen. Doch der Schritt zu einem geregelten Sommerbetrieb wird angesichts der Schäden für viele Gastronomen und Hoteliers unmöglich sein.

Text: Eibl, Kriegelstein und Stelzmüller

„Wir hatten schon im April und Mai ein Sauwetter – und jetzt kommt noch das Hochwasser dazu. Ich glaube, dass der Tourismus auf das Jahr gesehen mit einem Umsatzminus von mindestens 10 Prozent rechnen muss. Das Hochwasser hat ähnliche Ausmaße wie im Jahr 2002, und die Wirtschaftskammer Österreich hilft den Betroffenen heute wie damals. Die Wirte, die vor zehn Jahren alles verloren haben, sind auch heute die Betroffenen. Wir müssen sie moralisch aufbauen und sie ermutigen, ihre Betriebe wieder aufzubauen, obwohl es für sie heuer keine Sommersaison mehr gibt. Im Salzkammergut, das nicht mehr erreichbar war, ist der Umsatz temporär um 80 Prozent eingebrochen. Sobald das Wetter passt, kommen auch wieder die Touristen. Zehn Tage schlechtes Wetter sind verkraftbar", meint Johann Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Als schwieriger schätzt er die Lage im Bereich des Donau-Radtourismus ein, wo Reisebüropartner jetzt neue Quartiere für ihre Gäste suchen müssen. „Fraglich ist, ob diese wieder an die Donau zurückkehren", so Schenner. Generell sieht er keinen Imageschaden durch die Hochwasserbilder, die um die Welt gingen. „Es gibt viele Touristen, die gerne kommen, um uns zu unterstützen – und sie machen gleichzeitig Mut, Zerstörtes wieder aufzubauen", versichert Johann Schenner.

Momentaufnahmen

Betroffenheit zeigt auch der Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer, Helmut Hinterleitner: „Für die Opfer ist das Hochwasser natürlich existenzbedrohend, das ist eine Katastrophe. Die Wirtschaftskammer sichert jedenfalls allen Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe zu!" Schlimm sei auch, dass es keinen allgemeinen Versicherungsschutz gegen solche Naturkatastrophen gebe. Hochwasser-Polizzen hängen von der Lage des Betriebes und anderen Kriterien ab und müssten im Einzelfall zwischen Betrieb und Versicherung ausgemacht werden.

So enorm der momentane Wirtschaftsschaden für die vom Wasser geschädigten Betriebe ist, an einen längerfristigen Imageschaden für Österreich glaubt Hinterleitner nicht: „Die Bilder, die jetzt durch alle Medien gehen, sind Momentaufnahmen, und das wird wahrscheinlich manche Leute jetzt von einem Urlaub abhalten, aber längerfristig wird das kein Thema sein." „Die Hochwasserkatastrophe, die Tirol, Nieder- und Oberösterreich betrifft, schadet uns nur kurzfristig, denn wir sind in ,bester‘ Gesellschaft mit Deutschland, Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Aber sobald sich das Wetter bessert, wird sich die Lage auch wieder entspannen. Wir haben aus der Katastrophe gelernt und werden uns verstärkt dem Thema Wasserschutzversicherung widmen, um im Katastrophenfall flächendeckend helfen zu können", betont Matthias Koch, Geschäftsführer des FV Hotellerie der WKO.

Schutz bei „nassen Gefahren"

Aus aktuellem Anlass haben die Versicherungen Schaden-Hotlines eingerichtet. Die Versicherungen appellieren an ihre Kunden, Schadensmeldungen rasch vorzunehmen – telefonisch, per Mail, über die Website oder den Versicherungsbetreuer. Wichtig ist die Angabe des Schadensdatums und ein erster Überblick über das Ausmaß. Spätestens im zweiten Schritt braucht es eine Fotodokumentation. „Nach Vorlage von Schadensfotos werden kleinere Schäden zügig bearbeitet. Bei größeren Schäden sind Sachverständige rasch vor Ort, bzw. werden auf Basis der Fotodokumentation erste Schaden-Akontozahlungen geleistet", sagt Vorstandsdirektor Erich Leiß von der Wiener Städtischen. Die Städtische übernimmt im Schadensfall bei einer Versicherung von Gebäuden die Schäden am Gebäude und bei einer Versicherung des Gebäudeinhalts die kaufmännisch-technischen Betriebseinrichtungen.

Versicherungen gegen die „Erweiterten Naturgefahren" – dazu zählen Hochwasser, Überschwemmung, Muren, Lawinen und Erdbeben – werden von der Wr. Städtischen im Rahmen ihres Produkts „Business Class" angeboten. Neben einem Grundschutz mit einem Versicherungsschutz bis zu 40.000 Euro bietet der „Plus-Risk-Baustein" zusätzlichen Schutz bis zu 20 Prozent der vereinbarten Versicherungssummen gegen die „nassen Gefahren". Auch die Uniqa und die Allianz versichern Schäden infolge von Hochwasser und Überschwemmungen. „Die Höhe der Prämie ist abhängig von der Risikosituation und dem Tarif. Es geht immer um eine individuelle Prüfung der Bedarfssituation", sagt Marita Roloff von der Allianz Gruppe Österreich.

Nicht marktüblich

Im Gewerbebereich bietet die Allianz keine Betriebsunterbrechungsversicherung aufgrund von Hochwasserschäden an, und auch vonseiten der Wiener Städtischen heißt es, dass „eine Betriebsausfallversicherung nicht marktüblich ist". Die Uniqa wiederum deckt auch dieses Risiko bei einem maßgeschneiderten Versicherungsschutz, „der sich aus der individuellen Situation des Kunden ergibt".

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Hotellerie
18.06.2013

Haibach/Donau. Das Hotel Donauschlinge in Haibach an der Donau hat es beim Hochwasser voll erwischt. Dank der großen Hilfbereitschaft konnte der Hotelbetrieb am 12. Juni schon wieder aufgenommen ...

Tourismus
11.06.2013

Zinsfreie Kredite für Unternehmen aus dem ERP-Fonds - Gebührenfreie Haftungen und Garantien - Unterstützung für Tourismusbetriebe.

Hotellerie
04.06.2013

Von der Hochwasserkatastrophe sind viele Gastronomen und Hoteliers betroffen. Bis zu 10.000 Euro werden rasch und unbürokratisch ausgezahlt

Werbung