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Kinderfrei zum Erfolg?

30.10.2007

Ein bayrischer Wirt wandelt gerade auf den Spuren eines heimischen Hoteliers und sorgt mit seinem „Hausverbot“ für Kinder für Aufregung – doch der Erfolg gibt beiden Unternehmern recht.

Das Rauschen war ein lautes im Blätterwald: „Pizza ohne Pampers, Wirt verbannt Kinder“ titelte die Tageszeitung „Der Standard“. „Keine Pampers neben der Sauciere“ oder schlicht „Kinder nicht erwünscht“ lauteten andere Schlagzeilen. Grund der Aufregung? Dieter Hein, Pächter des Lokales „Hacienda“ im bayerischen Kraiburg am Inn hat sich vor ein paar Wochen dazu entschlossen, keine Kinder unter 12 Jahren mehr in sein Lokal zu lassen. „Es waren zwei Gründe dafür ausschlaggebend“, erklärt er im Gespräch mit der ÖGZ. „Einerseits war ich auf der Suche nach einer Marktlücke, und andererseits waren Kinder, die laut durchs ganze Lokal toben oder auf dem Nachbartisch gewickelt werden zusehends ein Problem für Mitarbeiter und andere Gäste.“

Die Aktion dürfe aber keinesfalls als Kinderfeindlichkeit ausgelegt werden. Das Problem seien weniger die Kinder als die Eltern, meint Hein, der selber Vater von vier Kindern ist und die Problematik auch von der anderen Seite kennt. „Es ist nicht einfach, kleine Kinder über längere Zeit im Zaum zu halten.“ Andererseits gäbe es viele Gäste, die auch – oder gerade – eine kinderfreie Umgebung zu schätzen wissen. „Darunter sehr viele Eltern, die einfach froh sind, eine Auszeit und mal kurz keine Kinder in der Umgebung zu haben. Die dankbar für dieses Angebot sind und auch länger im Lokal bleiben als früher“, so Hein. „Die Idee ist ja auch nicht neu: In der Karibik gibt es Clubs für Erwachsene schon seit jeher. Und versuchen Sie mal als Kind in ein englisches Pub zu gehen.“ Rechtlich, so ist sich Hein sicher, gebe es mit dieser Regelung, die er künftig auch bewusst bewerben möchte, jedenfalls kein Problem. Dieter Heins Umsätze in den vergangenen Wochen sind zumindest merkbar gestiegen.
Dafür muss er allerdings auch harsche Kritik akzeptieren. „Kinderfeindlichkeit“ und „Diskriminierung“ lauten die gängigen Vorwürfe.

„Erfahrung mit Diskriminierung“
Davon kann auch Roland Ballner vom Hotel Cortisen am Wolfgangsee ein Lied singen. Nachdem er im Frühjahr 2006 beschlossen hatte, keine Kinder unter 12 Jahren mehr zu akzeptieren gingen die Wogen hoch und Kamerateams aus halb Eu­ropa gaben sich bei ihm die Klinke in die Hand. „Dabei bin ich in diese Sache völlig blauäugig hineingestolpert“, erklärt Ballner. „Wenn ich verreise, suche ich einfach abgeschiedene Orte mit viel Ruhe, und sowas wollte ich meinen Gästen auch bieten. Dass das so ein Aufreger wird, hätte ich mir nie vorstellen können.“ Zumal er ja nicht der einzige Hotelier in der Gegend sei. Es gebe zahllose Betriebe in nächster Umgebung, die Kinder sehr gerne akzeptierten.
Die Vorwürfe, die er sich damals hat anhören müssen, waren auch irgendwann nur mehr skurril. „Wie letzten Winter die Geschichte mit dem Russenkontingent in Kitzbühel in allen Medien war, haben mich auch plötzlich Journalisten angerufen. Und auf meine Frage, was ich mit den Russen in Kitz zu tun hätte, haben die gemeint, dass ich doch quasi derjenige sei, der mit Diskriminierungen Erfahrung hätte“, schüttelt Ballner den Kopf. „Es muss doch möglich sein, sich auf eine spezielle Zielgruppe zu konzentrieren.“
Inzwischen seien die Wogen allerdings einigermaßen geglättet, und die Idee hat sich als Riesenerfolg herausgestellt. Im Cortisen würden vor allem viele Eltern absteigen, die ihm zu dieser Idee gratulieren und froh sind, mal ein paar Tage ungestört von Kleinkindern ausspannen zu können. Und ehemalige Gäste von Wellness-Hotels, denen dort Ruhe und Entspannung versprochen wurde, die dort aber vor allem sich erholende Eltern vorfanden, denen das Treiben ihrer Sprösslinge eher egal war.
Auch in den Fällen, in denen Gäste, in Unkenntnis der Positionierung des Hauses, versuchten, mit Kindern zu buchen, gebe es laut Ballner fast nie Probleme. „Ich erkläre dann immer die Hintergründe und empfehle gleichzeitig andere Betriebe aus der Umgebung. Das wird eigentlich immer gut akzeptiert, oft genug sogar mit dem dankenden Hinweis, dass man jetzt einen Tipp für einen späteren – kinderlosen – Aufenthalt hätte.“

Strapazierte Nerven
Über die Problematik von Kindern als Gäste kann auch Johanna Pürmayer (ebenfalls Mutter von drei Töchtern) vom Romantikhotel Bergergut im oberösterreichischen Afiesl ein Lied singen: „Wie wir den Betrieb von den Eltern übernommen haben, haben wir zuerst auf die Schiene „Familienhotel“ gesetzt, mit spezieller Ausrichtung auf Kleinkinder. Da sind die Kellner im Indianerkostüm herumgelaufen und so.“ Das ganze sei zwar nicht unerfolgreich gewesen, doch nach kurzer Zeit hat man doch entnervt das Handtuch geworfen. Das Nervenkostüm der Mitarbeiter wurde durch die lieben Kleinen doch ein wenig überstrapaziert und die Reparaturrechnungen durch zerbrochenes Geschirr, angemalte Wände und Pölster etc. sei auch nicht ohne gewesen.

Paare statt Familien
Die Konsequenz: Seit einigen Jahren hat sich das Bergergut ausschließlich auf Paare spezialisiert – Familien sind hier nicht willkommen – und kann sich des Ansturmes kaum erwehren. Auch Singles dürfen im Bergergut nicht einchecken, doch für die wurde vor Kurzem wenige Kilometer entfernt mit dem „Aviva“ ein eigenes, vielbeachtetes Hotel eröffnet, betrieben ebenfalls von der Familie Pürmayer, konzipiert ausschließlich für Singles und Kleingruppen. Paare oder Familien haben hier wiederum „Hausverbot“.

„Null Probleme damit“
Dass sich Betriebe, die nur gewisse Kundensegmente zulassen, oft Kritik gefallen lassen müssen, weiß auch Siggi Neuschitzer, seit 20 Jahren mit den „Kinderhotels“ erfolgreich auf dem touristischen Markt. „Wir akzeptieren bewusst nur Gäste mit Kindern, alles andere wäre sinnlos. Wenn da ein kinderloses junges Paar oder eine Rentnergruppe herkommt – die würden schreiend die Flucht ergreifen. Ich sehe das also als Service am Kunden, damit der seine schönsten Wochen im Jahr wirklich genießen kann. Trotzdem hab ich kürzlich einen bitterbösen Brief aus Südtirol bekommen, in dem sich jemand extrem beschwert hat, dass unsere Hotels keine kinderlosen Gäste akzeptieren. Der hat gemeint, das sei Diskriminierung und ein Fall für das Gericht“, wundert sich Neuschitzer, der umgekehrt volles Verständnis für die „No Kids“-Betriebe aufbringt: „Das ist die freie, legitime Entscheidung jedes Unternehmers. Einer setzt auf Singles, einer auf Pferdefreunde und einer halt auf Erwachsene ohne Kinder. Ich habe damit null Probleme und gratuliere den Kollegen zu der Idee. Ich habe zwar selber Kinder, und wenn ich mit denen verreise, dann klarerweise in ein Kinderhotel. Aber wenn ich mit meiner Frau alleine unterwegs bin, könnte ich mir einen Aufenthalt in einem ‚kinderlosen‘ Hotel ohne Weiteres vorstellen.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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