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Monatliche Analysen der Biere gehören zur Arbeit des Verbands „Slow Brewing“: August Gresser.

Klimawandel bringt Bier in Bedrängnis

07.11.2018

„Slow Brewing“-Gründer August Gresser zieht in der ÖGZ ein Resümee des Rekordsommers. Die Hersteller müssen umdenken, so der Brau-Experte

August Gresser mag seine Austro-Brauer. In seinem „inhomogenen Haufen“ an 27 kleinen Brauereien stellt mit Stiegl ein Österreicher das größte Mitglied dar. Die Salzburger gehören neben Hirter, Trumer und Freistädter der 2011 gegründeten Vereinigung „Slow Brewing“ an. Für den Verbandsgeschäftsführer stellt aktuell der Klimawandel „meine größte Angst dar“. 

Im Gegensatz zu US-Präsident Trump könne man den als Rohstoff-Lieferant ja nicht leugnen: „Die klassische Hopfensorte ,Perle‘ leidet unter einer Vegetation wie in diesem Jahr.“ Eine mögliche Lösung könnten die jüngeren Sorten, unter der verwirrenden Bezeichnung „Flavour Hops“ zusammengefasst, sein. Sie seien teilweise robuster, auch wenn das Umdenken dauere: „Als ich 1985 meine Dissertation über ,Cascade‘ geschrieben habe, hieß es noch ,mit dem kann man kein Bier brauen‘.“ Gresser sieht aber auch bei der Bewässerung Handlungsbedarf. „Für die großen Hopfenflächen benötigt man lange Leitungen und viel Energie.“ Gänzlich neu sei auch die Entwicklung, auch die Bodenbehandlung mitzuberücksichtigen. „In Franken haben sich Bauern zu einem geförderten Projekt zusammengeschlossen, um den Wasserverlust zu verhindern“, führt Gresser ein Beispiel an. „Wenn solche Projekte einmal laufen, dann kommen sicher auch andere dazu.“

Bier ist Stoff und Geist

Weniger besorgt ist er, wenn es um die zuletzt eingeschränkten Patente auf Braugerste für Heineken und Carlsberg geht. „Da geht es um Gerste ohne das Enzym für den Altersgeschmack. Aber: Wie stabil das Getreide im Feld ist, muss sich ungeachtet eines möglichen Patents noch zeigen.“ 

Die Arbeit seines Verbands, der mehr ist als ein Gütesiegel („Slow Brewing“ umfasst auch die monatliche (!) Analyse der Biere sowie ein jährliches Audit), sieht Dr. Gresser auf einem guten Weg: „Flüssigkeiten – und seien sie noch so herausragend – werden nie zu bedeutungsvollen Marken, wenn nicht Menschen verantwortungsvoll dahinterstehen, die sie durch ihren Geist so ,aufladen‘, dass sie für die Verbraucher begehrlich werden.“ 

Die Gründung von „Slow Brewing“, das trotz Schnecken-Logos und Namens übrigens kein Teil der „Slow Food“-Bewegung ist, erfolgte analog zu „Slow Baking“, einem Bäcker-Gütesiegel, das unter anderem gefrorene Teiglinge aus Polen ausschloss. „Wir lehnen High Gravity – also das schnellere Brauen mit höheren Stammwürzen, die dann verdünnt werden – als Verfahren ab“, zieht Gresser Parallelen zum Kampf für mehr Bierqualität. Denn: „Die Zeit ist der Grund, warum der gute Rotwein oder ein Parmesan teurer ist. Das müssen wir auch beim Bier kommunizieren!“

Autor/in:
Roland Graf
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