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Die Winzer-Familie Rieder setzt sich mit dem Klimawandel auseinander.

Klimawandel? „Der Wein spürt das schnell“

17.10.2019

Für Winzer sind Wetterextreme kein politischer Debatten-Gegenstand, sondern eine Bedrohung ihrer Existenz. Die ÖGZ fragte nach, ob der Wein, wie wir ihn kennen, bereits bedroht ist.

Es war keine normale Weinpräsentation, zu der Fritz „Weinrieder“ Rieder nach Poysdorf geladen hatte. Der Winzer stellte seine Grünen Veltliner nämlich in Zusammenhang mit den Wetterwerten der jeweiligen Jahrgänge vor. „Der Klimawandel ist im Weinbau längst Tatsache“, so der Weinviertler, für den „die Weinrebe alles schnell spürt, weil sie eine klassische Zeigerpflanze ist“.

Damit bezeichnet man ökologisch sensible Gewächse wie die ihrerseits vor Weingärten gepflanzten Rosen, die vor Krankheiten warnen: „Hat der Wein Probleme, bekommen sie bald andere Nutzpflanzen.“ Vor allem zu hohe Hitze bedroht die Säure und bekannt frische Art der Weinviertler Weißweine. 
Tatsächlich ist in den letzten 50 Jahren die Durchschnittstemperatur um zwei Grad gestiegen – und ein Ende der Erwärmung im nördlichsten Weinbaugebiet Österreichs ist nicht abzusehen. Von apokalyptischen Prognosen, die aufgrund hochgerechneter Klimadaten bereits im Jahr 2040 (rote) Rebsorten wie Carignan und Syrah im Weinviertel verorten, hält Rieder allerdings wenig: „Wir wissen noch zu wenig, wie die Effekte zusammenhängen.“ So sorge ein gestiegener Meeresspiegel ja auch für einen anderen Regenwasser-Haushalt, nennt der Winzer ein Beispiel der komplizierten Abhängigkeiten. Wirklich problematisch seien aus seiner Sicht aber vor allem extreme Wetter-Ereignisse wie Hagel oder Hitze. „Die werden mehr“, verweist der Winzer auf den Jahrgang 2018, der die historisch früheste Ernte dieses Jahrtausends mit sich gebracht hatte. Aber: „Nicht nur wir Winzer, wir alle müssen gegensteuern“, so der Weinrieder-Chef.

Der Boden als Hoffnung

Zu leugnen sei der Klimawandel schlicht und einfach nicht mehr, argumentiert auch Walter Kirnbauer aus Deutschkreutz: „Früher wurde bis in den November hinein gelesen“, erinnert sich der Obmann der Blaufränkisch-Weingüter des Mittelburgenlands, „um die physiologische Reife zu erhalten“. Diese Sorgen habe man in kaum mehr einem Jahrgang; mittlerweile seien Ernten Ende September durchaus die Regel. „Einen Riesenvorteil haben wir durch die schweren Lehmböden, denn die speichern das Wasser sehr gut“, sieht Kirnbauer eher bei den unregelmäßigen, dann aber oft zu starken Regenfällen Probleme auf andere Weinbauregionen zukommen. Entsprechend klar ist daher auch sein Appell: „Unsere Enkelkinder sollen keine Kupferminen oder tote Böden übernehmen“, sieht er die möglichst schonende Behandlung der Weingärten als wichtigsten Punkt. Damit der Wein auch morgen noch schmeckt.

Autor/in:
Roland Graf
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