Direkt zum Inhalt

Klosterbruder mit Frau und Perspektive

30.10.2007

Das Kloster am Spitz oberhalb vom Purbach am Neusiedlersee, ist seit jeher ein ganz besonderer Platz. Bis in die josephinische Zeit lebten und arbeiteten hier Mönche. Heute kommen Genießer zum Essen und Trinken und bleiben immer öfter auch über Nacht.

Ein großes Kloster hat es an diesem Ort nie gegeben. Vielmehr eine bescheidene Einsiedelei, an der nur der Ausblick großartig war. Dennoch wurde es von den Einheimischen immer als Kloster am Spitz bezeichnet, auch nachdem Kaiser Joseph II. diese bescheidene kirchliche Stätte schließen ließ.
Dass dieser Name heute bei Genießern und Weinfreunden einen hervorragenden Klang hat, ist der Familie Schwarz zu verdanken.
Seit 2004 führt Wolfgang Schwarz gemeinsam mit seiner Frau Bianca das Restaurant und Hotel Kloster am Spitz, sein Bruder Thomas ist für das dazugehörige Weingut verantwortlich. In einer Mischung aus burgenländischem „Dallas“ und griechischer Tragödie ging der Generationenwechsel von Vater Reinhard auf die Brüder nicht gerade friktionsfrei vonstatten. Doch das ist mittlerweile Geschichte, heute blicken die Brüder voller Optimismus in die Zukunft.

Nach der Übernahme des Betriebs – oder genauer gesagt, der beiden Standbeine Gastronomie und Beherbergung – ging Wolfgang Schwarz daran, den grauen Zweckbau der ursprünglich sehr schlichten Pension aus den Sechzigerjahren in ein Hotel nach seinen Vorstellungen zu verwandeln.
Zu diesem Behufe wurde das Gebäude vollständig ausgehöhlt, nur die Statik blieb erhalten. Mehr als eine Million Euro kostete der Umbau in ein modernes Hotel mit klarer Linienführung und einem Materialmix aus Holz, Glas und Beton: Ein zweiter Stock wurde angebaut und beherbergt die beiden jeweils 130 Quadratmeter großen Suiten. In den unteren Stockwerken befinden sich weitere fünfzehn Doppelzimmer. „Beim Interieur-Design hat mein Freund, der Künstler Rainer Mutsch, viel zum Gelingen beigetragen. Alle Möbel und Dekors wurden von seinem Vater, Tischlermeister in Donnerskirchen, für uns nach Maß angefertigt. So gefällt mir das viel besser als ‚aus dem Katalog‘ eines professionellen Einrichters“, erklärt Schwarz.

Was die Finanzierung betrifft, weiß er heute: „Anfangs hatte ich Berater, die von Gastronomie und Tourismus nicht viel verstanden, heute würde ich für die Finanzierung sicher selbst den Business-Plan erstellen. Jedenfalls sind wir jetzt so weit, dass sich die Rückzahlung für den Kredit bereits bei einer Auslastung von 15 % ausgeht.“
Nach dem Umbau war Schwarz mit den Nerven am Ende und hatte ein richtiges Burn-Out. Seit der Heirat vor einem Jahr strahlt er aber wieder vor Tatendrang: „Wirtschaftlich ist sicher unser Restaurant nach wie vor entscheidend. Da tut es gut, dass wir oft völlig ausgebucht sind. Fragen Sie nur meinen Oberkellner Manfred Kögl aus Tirol, warum er so gerne bei uns arbeitet: Weil bei uns die Saison zehn Monate dauert und wir eine sehr gute, gehobene Gästestruktur haben.“

Zu den schönsten Dingen im Kloster am Spitz zählt mit Sicherheit die Aussicht – und der Wein: Von der Terrasse des Restaurants und besonders von den Suiten des Hotels hat man einen spektakulären Blick über die Rebanlagen, das Städtchen Purbach, den breiten Schilfgürtel und über den See, an einem klaren Tag bis zur Basilika von Frauenkirchen im Seewinkel. Kein Wunder also, dass dieser besondere Ort – heute am Rand der Riede Spitzmühle gelegen – bereits für die Kelten ein Kultplatz war.
Das ist das Kloster am Spitz auch heute für viele Stammgäste, etwa Fürstin Melinda Esterházy, die hier fast jede Woche zu Gast ist. Das gemütliche Restaurant, dessen Architektur von manchen Gästen für echten pannonischen Barock gehalten wird, sieht irgendwie so aus, als wäre Maler Kumpf der Bauherr gewesen, meint auch Wolfgang Schwarz augenzwinkernd.

Neben seiner heimeligen Atmosphäre hält das Restaurant auch jede Menge innere Werte bereit. Die Kontinuität in der Küche ist durch Joszef Molnar gewährleistet, der hier bereits seit 13 Jahren kocht, geradlinig und kreativ, ohne aber dabei modisch wirken zu wollen. Diese Beschreibung passt auf Küche, Wein und Hotel gleichermaßen. Die Gerichte des Restaurants sind vor allem regional und saisonal orientiert. Sie passen hervorragend zu den hauseigenen Weinen von Bruder Thomas, etwa die vorbildlichen reinsortigen Pinot noir und Syrah (Syrano). Letzterer spielt heute auch in den Cuvées Antonius (CS, CF, ME) und Nepomuk (BF; ZW, SL) eine ernst zu nehmende Rolle. Kult sind auch die Weißweine vom Kloster am Spitz, allen voran der „burgundische“ Wein namens Muschelkalk, welcher inzwischen als „einfacher“, fruchtbetonter Wein sowie als Reserve angeboten wird.
Reserve, ja eher Gedächtnis des Weinguts – seit 2005 nach organisch-biologischen Richtlinien geführt –, könnte man die Weinkarte nennen: Viele Gäste kommen ins Kloster am Spitz, um den Weingenuss aus großen Jahren wie 1991, 1993, 1997, 1999 oder 2000 vollends auszukosten – und bleiben daraufhin gerne in den neuen, modernen Räumlichkeiten über Nacht.

Die anderswo so beliebten Packages werden übrigens nicht angeboten: „Das klingt nicht nur billig, sondern ist auch immer mit Nachlässen verbunden. Bei einer ehrlichen Kalkulation müssen alle Leistungen ihr Geld wert sein“, kommentiert Wolfgang Schwarz seine durchaus faire Angebotspolitik. So kauft er auch seinem Bruder Thomas die Weine für das Restaurant zum Großhandelspreis ab. Transparenz wird jetzt eben auch in familiären Dingen groß geschrieben!

Wolfgang Schwarz war auch einer der ersten Gastronomen, welcher für Leitungswasser Geld verlangte, einen Euro pro Karaffe nämlich. Das war aber bei vielen Gästen – und vor allem einem Restaurantführer – nicht besonders beliebt, und so verzichtet er heute wieder auf diesen Obolus. Damals wurde kein Couvert verrechnet, heute sehr wohl, worüber sich niemand beklagt. Und so sind wieder alle zufrieden, Kritiker, Gäste und auch der kostenbewusste Gastronom.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Gäste werden eingeladen, die Speisen der neu interpretierten österreichischen Küche in den Restaurants zu testen und zu bewerten – via SMS-Voting
Themen
21.01.2013

BÖG-Challenge 2013: Gesucht werden österreichische Gerichte, neu interpretiert und mit starkem regionalem Bezug.

Gerhard Mahr, Sprecher von Klasse Wäsche, sieht Potenzial von hauseigenen Wäschereien in der heimischen Hotellerie und GastronomieFoto: Klasse Wäsche
Hygiene
24.05.2012

Klasse Wäsche hat erhoben, dass Hoteliers und Gastronomen mit teilweise ausgelagerter Wäschereinigung ein Drittel der Textilien selbst reinigen

Gastronomie
18.08.2011

Der SALON Österreich Wein geht auch heuer wieder auf Österreich-Tour. Mit im Programm sind kostenlose Schulungen für Gastronomen, die von der ÖWM organisiert werden

Werbung