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Knallt Plastik besser als Kork?

15.03.2007

Durch Korkgeschmack verursachte Probleme – Fachleute sprechen von 15 bis 20 % Fehlerquote – sind inzwischen Tatsache. Alternativen tun daher not. Aber nirgendwo anders als beim Schaumwein sind der Champagnerkork und die dazugehörige Agraffe (Drahtgitter) beim Verbraucher emotional so hoch besetzt.

Was ist Kork eigentlich?
Korkeichen wachsen im westlichen Mittelmeerraum. Der Baum braucht ca. 45 Jahre, bis die Qualität der Korkrinde die Herstellung hochwertiger Korken erlaubt. Chemisch gesehen ist Kork ein natürlicher Polymerschaum auf Basis der Substanz Suberin. Die gerne darin lebenden Pilze und Bakterien, wie 2,4,6 Trichloranisol (TCA), verursachen durch ihre Stoffwechselprodukte den typischen Korkgeschmack sowie diverse Mufftöne im Wein.
Die Zellen des Korks sind nahezu undurchlässig für Gase und Flüssigkeiten; gleichzeitig ist der Kork sehr elastisch. Diese Eigenschaften bewogen um 1790 Dom Perignon die wertvolle Kohlensäure im neu erfundenen Schaumwein mit Hilfe dieses Materials zu erhalten.
Welche Alternativen gibt es?
Zuerst einmal den Kronenkorken (Champagnerkrone). Dieser verschließt seit Jahrzehnten die in den Kreidekellern jahrelang auf der Hefe lagernden Champagner. Erst kurz vor dem Verkauf werden diese geöffnet, mit der Dosage versetzt und anschließend mit den prestigeträchtigen Korken samt Agraffe verschlossen.
Neuerdings gibt es die mittels Hochdruckextraktion gereinig­ten Korken. Bei dieser Methode wird das Korkgranulat unter hohem Druck mit Wasserdampf oder superkritischem Kohlendioxyd („Diamantverfahren“) behandelt, und die Champagnerkorken anschließend aus der so gereinigten Masse gegossen. Dieses weltweit einzige und mehrfach patentierte Verfahren hat das französische Unternehmen Oeneo (vormals Sabaté) in jahrelanger Forschungsarbeit entwickelt. Die österreichische Firma Natex in Ternitz erwarb das Produktionspatent dazu und errichtete in San Vicente de Alcántera (Spanien) ein hypermodernes Werk zur Erzeugung dieser Hightech-Korken, die unter dem Markennamen „Mytik“ vertrieben werden. Die heimische Sektfirma Gebrüder Szigeti aus Gols ist führend an der Suche von Alternativen für den herkömmlichen Naturkorken beteiligt.
Der Versuch in der Praxis
Kürzlich fand mit einigen Experten eine breit angelegte Versuchsanordnung zu diesem Thema statt. Teilchargen desselben Sekts (einem 2004 Grünen Veltliner) waren auf fünferlei Arten verschlossen worden: Mit Naturkorken der Firma Öhlinger (Deutschland) und der Firma Sparflex (Frankreich), weiters mit Kronenkorken sowie mit Mytik Revtech (wasserdampfgereinigt) und Mytik Diamant (CO2-gereinigt).
In blinder Degustation wurden in zehn Flights jeweils sechs Flaschen des gleichartig verschlossenen Sekts (also jede Verschlussart zweimal in zufälliger Reihenfolge) verkostet, wobei besonderes Augenmerk auf die sensorische Streuung der theoretisch identen Flaschen gelegt wurde. Die Endergebnisse lagen relativ dicht beieinander; nur ein Flight disqualifizierte sich durch einen klassischen Korkfehler sowie zwei weitere diffuse Proben deutlich. Am besten schnitten im Durchschnitt aller Prüfer die beiden hochdruckgereinigten Produkte ab, knapp gefolgt vom Kronenkorken. Auch unter Nichtberücksichtigung des offensichtlichen Korkfehlers lagen die Naturkorken doch insgesamt zurück.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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