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Können wir nur billig?

20.06.2008

Am 29. und 30. Mai ging zum 18. Mal das Symposium „Feines Essen + Trinken“ im Océ Event Center in München über die Bühne. Diese traditionsreiche Veranstaltung der Foodbranche unter der Federführung des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels e.V. kombiniert Marktatmosphäre mit einer Fachtagung. Das gewählte Generalthema „Können wir nur billig?“ schien wie bestellt.

Hans Jürgen Bönsch, Vizepräsident des Bayerischen Einzelhandels und Vorsitzender der Fachgemeinschaft Lebensmittel, nahm in seiner Begrüßungsrede zur aktuellen Milchpreisdiskussion in Deutschland Stellung. „Dass die Bauern faire Erzeugerpreise fordern, ist sicherlich nachvollziehbar. Aber die aktuelle Preissituation ist auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Es gibt ein Überangebot an Milch. Das drückt derzeit massiv den Preis für Milch.“ Bezugnehmend auf das eigentliche Thema des Symposiums meinte Bönsch: „Der klassische Lebensmitteleinzelhandel versucht schon seit Jahren mit kreativen Ideen wegzukommen von der reinen Schnäppchenjagd. Es scheint aber manchmal so, als seien die Discounter nicht mehr zu bremsen. Der Marktanteil der Discounter liegt in Deutschland bei über 40 Prozent. Die Probleme sind wie im übrigen Einzelhandel die gleichen. Der Umsatz stagniert, die Verkaufsflächen wachsen.“
Sünde: Lebensmittel für Energie
Eine besonders gefährliche Entwicklung sieht der Ansbacher Feinkosthändler Bönsch in der Tatsache, dass es Prämien für Stilllegungen gibt, Lebensmittel vernichtet und Getreide und Mais dafür eingesetzt werden, um erneuerbare Energien zu schaffen. „Das ist Sünde. Wir im Lebensmittelhandel haben Ethik.“ Weiters sei es auch nicht der richtige Weg, über billige Preise Vertrauen und Ansehen zu schaffen. „Das geht nur über Qualität und Service.“ Die Qualität als Differenzierungsmerkmal sei überhaupt die Trumpfkarte des Lebensmittel­einzelhandels. Reagieren müsse der LEH aber auch auf die aktuellen Trends. „Schnell muss es gehen, Qualität wird wichtiger und möglichst bequem soll der Einkauf vonstatten gehen. Immer mehr Kunden sind bereit, für gute Qualität einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Bei vielen Verbrauchern steigt die Überzeugung, dass es sich lohnt, Markenartikel zu kaufen.“ Um vom reinen Preiskampf wegzukommen, müsse der LEH aber vor allen Dingen auf Kundenbindung setzen. „Das Herausstreichen von Qualität und Service muss absolut an erster Stelle stehen.“
Schlussverkauf das ganze Jahr
„Gelegentlich hatte man in der Vergangenheit den Eindruck, auf dem Lebensmittelmarkt ist das ganze Jahr über Schlussverkauf. Klar ist aber, Qualität zum Nulltarif gibt es nicht“, meinte Bayerns Staatsminister für Landwirtschaft, Josef Miller, in seiner Eröffnungsrede. „Lebensmittel müssen wieder die Wertigkeit erhalten, die ihrer ursprünglichen Bedeutung als Mittel zum Leben entsprechen. Wenn hier das mittlerweile wieder angestiegene Preisniveau auch ein Signal in Richtung Wertigkeit und Qualitätsbewusstsein setzt, dann begrüße ich das sehr.“ Bayern, so der Minister weiter, gelte zu Recht als Spezialitätenland. „Kein anderes Bundesland in Deutschland hat so viele heimische Spezialitäten wie Bayern, und nirgendwo werden heimische Lebensmittel mehr geschätzt als in Bayern.
Gebündelte Förderungen
Um den Standort Bayern zu stärken, hat das Landwirtschaftsministerium alle Maßnahmen zur Absatzförderung und freiwilligen Qualitätspolitik für Lebensmittel gebündelt und unter das gemeinsame Dach „Spezialitätenland Bayern“ gestellt. Um die Absatzförderung regionaler Produkte und bayerischer Spezialitäten anzukurbeln wurde das brandneue Marketingkonzept „Spezialitätenland Bayern – Heimat der Genüsse“ erarbeitet. In der bayerischen Datenbank „Regionaltypische Spezialitäten“ sind derzeit 220 Produkte mit Bildern, Geschichten und Rezepten erfasst. Beim Schutz geo­graphischer Angaben übernimmt Bayern in Deutschland mit 16 EU-weit geschützten Erzeugnissen eine Vorreiterrolle. In Bayern gibt es zudem 267 Regionalvermarktungsprojekte.

Spekulanten setzten auf leere Lager
Auch Staatsminister Miller ist davon überzeugt, dass „die Zahl der Menschen, die Wert auf Qualität legen, zunimmt.“ Auch die Lebensmittelmärkte seien globalisiert. Daher sollte für Lagerhaltung gesorgt werden. „Wenn nichts mehr raus kommt aus den Vorratslagerungen, öffnet das den Spekulanten Tür und Tor.“ Es dürfe nicht so weit kommen, so der Minister, dass reiche Länder den armen Ländern die Lebensmittel wegkaufen. „Bei den Nahrungsmitteln dürfen wir nicht denselben Weg gehen, wie bei der Energie, die wir in großen Mengen zukaufen.“ Die Globalisierung habe als Gegengewicht die Regionalisierung. „Die Menschen haben Sehnsucht nach Regionalität und Vertrauen. Essen ist ein Stück Heimat, ein Teil unserer Geschichte und Kultur. Das Leben ist zu kurz, um bei Lebensmitteln Abstriche zu machen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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