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Kolumne: „Wirtshaus-Physik“

19.08.2021

Wir haben nicht danach gefragt. Unser Kolumnist Hubertus Mantel hat uns trotzdem wieder einen Bericht aus seinem  Wirtshaus "Zur trüben Glaskugel" geschickt. Bitte sehr!

 

 

 

Hubertus Mantel erlebt die irrsten Sachen.

In meinem Gasthaus Zur trüben Glaskugel kommen ja die unterschiedlichsten Typen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zusammen. Manchmal ergibt sich daraus eine Bereicherung, manche Konstellationen führen aber auch zu einem veritablen Streit. Folgende Episode kann ich nirgendwo zuordnen. Sitzt der Kai Jan Krainer bei mir am Stammtisch, isst ein Gulasch und liest Zeitung. Es dauert nicht lang, da kommt der Andreas Hanger bei der Tür rein. Ich hab schon gewusst: Das geht nicht gut aus – zwei Ibiza-U-Ausschuss-Mitglieder von der jeweils anderen Seite. Ich weise ihm einen Tisch am anderen Ende zu. „Ich will eine geröstete Leber und ein Seidl“, sagt der Hanger, fuchtelt ein wenig mit den Händen herum, „und die ‚Krone‘, Hubertus.“ Ich bring ihm alles, und der Krainer lugt über die Zeitung zum Hanger rüber. Der Hanger schaut den Krainer an, die Blicke eisig wie in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Da geht schon wieder die Tür auf und die Nina Tomaselli kommt herein und gleich danach auch noch der Christian Hafenecker in Begleitung von der Stephanie Krisper – ich sitz auf einem Pulverfass, denk ich mir – die Hautevolee des Ibiza-U-Ausschusses bei mir. Ich weise den dreien jeweils einen eigenen Tisch zu, damit sie sich nicht gleich in die Haare geraten. Sie geben ihre Bestellungen ab und schweigen.

Die Luft im Lokal ist zum Schneiden. So geht das nicht, denk ich mir, und breche die Grabesstille. „Na“, sag ich mit einem freundlichen Ton in die Runde, „ihr seids ja richtige kommunizierende Gefäße.“ – Und bevor ich den Satz beenden konnte, ist schon einer meiner herzallerliebsten Problemfälle eingetreten: der Vier-Finger-Karl, ehemaliger Tischler mit einem Hang zum Alkoholkonsum. Er trägt das Odeur der vormittäglichen Lokaltour vor sich her: „A Ochtl! Owa rasch!“, ruft der Vier-Finger-Karl in die Runde, „und deine fünf kommunizierenden Floschn zohl i a ans.“ – Alle blicken entsetzt auf den Karl. „Wie haben Sie uns genannt?“, fragt der Krainer. „Er hat uns kommunizierende Flaschen genannt“, sagt die Tomaselli. „Eine Frechheit“, sagt der Hanger. Die Krisper kichert in ihr Schnitzel. „Das wird Folgen haben“, schmatzt der Hafenecker. „Das heißt doch kommunizierende Gefäße, hab ich g’laubt“, sagt der Krainer. Da kippt der Vier-Finger-Karl sein Achtel ex runter und lässt seinen Blick durch die Runde schweifen: „I sog eich wos“, setzt der Karl mit ruhiger Stimme an, „in meine Augn sads es olle midanaund kommunizierende Gesäße. Prost.“ Sagt’s, legt mir einen Zwanziger auf den Tresen und verschwindet.
 

Autor/in:
Hubertus Mantel

 wirft für die ÖGZ regelmäßig einen satirischen Blick auf die Branche. 

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