Direkt zum Inhalt

Kommentar: 120.000 berufsbedingte Krebserkrankungen sind zu viele

07.02.2019

Berufsbedingte Krebsleiden kosten EU-weit 2,4 Milliarden Euro pro Jahr. Darüber sollte man eher sprechen, als über eine norwegische Erhebung zu Bronchitis bei Köchen.  

Köche gehören in Norwegen angeblich zu den Berufsgruppen mit der niedrigsten Lebenserwartung. Ein Grund dafür sind Bratdämpfe. Diese reißerische Agenturmeldung, fußend auf einer Studie, ging kürzlich um den Globus (Bericht auf gast.at lesen!). Und sie wurde von den meisten Zeitungen eins zu eins übernommen. Das bringt Klicks! Die Meldung suggeriert, dass Köche – im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen – einer besonderen Gefahr ausgesetzt seien, nämlich durch am Arbeitsplatz entstehende Dämpfe. Freudig warten wir auf die Neuigkeit, dass Friseure Hautekzeme bekommen können, weil sie mit Chemikalien hantieren, und Beamte Rückenschmerzen – vom stundenlangen Sitzen. Aber halt, es gibt auch noch Köche mit Mehl-Asthma. Oder Meeresfrüchte- und Karotten-Asthma. Krankheitsbilder gibt es leider viele. Und manchmal hilft – so schlimm das ist – nur ein Berufswechsel. Schön, dass wir keine anderen Sorgen haben. Oder doch?

Laut AUVA gibt es europaweit 120.000 berufsbedingte Krebserkrankungen pro Jahr, 80.000 Todesfälle, davon fast 2.000 in Österreich. Das ist erschütternd, aber offenbar nicht reißerisch genug, sonst hätte man davon schon irgendwo gelesen. Krebserzeugende Stoffe sind an vielen Arbeitsplätzen zu finden. Das Zauberwort lautet „sachgemäßer Umgang mit krebserzeugenden Stoffen“ bzw „Arbeitnehmerschutz“. 

Berufliche Krebserkrankungen haben aber noch einen Effekt: Sie sorgen für hohe volkswirtschaftliche Folgekosten. Laut der „Roadmap on Carcinogens“ liegen diese Kosten EU-weit bei 2,4 Milliarden Euro pro Jahr – quer durch alle Berufsgruppen. 

Das sind Herausforderungen, denen man sich EU-weit stellen muss. Das gilt auch für den Umweltschutz, denn dreckige Luft und Feinstaub – ebenfalls Krebsauslöser – machen nicht vor Grenzen halt. Wenn hier die Politik versagt, und das scheint der Fall zu sein, braucht es einen Aufschrei. Abgase, Abwässer, Abfälle töten nicht nur Berufstätige. Sie töten auch Kinder. Es lohnt sich, dagegen etwas zu tun, denn jeden dieser Todesfälle könnte man verhindern.

Autor/in:
Alexander Grübling
Werbung

Weiterführende Themen

Kommentar
30.04.2019

Momentan fluten die E-Scooter Wiens Straßen und vor allem Gehsteige. Das gefällt nicht jedem. Und wirkungsvolle Maßnahmen gegen Airbnb, die nicht die Privatvermieter generell schlechter stellen, ...

Gastronomie
25.04.2019

Wer dachte, Frittieröl müsse bereits nach drei bis vier Tagen entsorgt werden, lag lange Zeit richtig, doch heute trifft das nicht mehr zu. Es gibt die Möglichkeit der Regeneration.

Meinung
18.04.2019

Die Schweinepreise steigen. Dafür sorgt mehr Nachfrage aus China. Ein Problem? Nicht unbedingt, vielleicht auch eine Chance.   

So bunt sieht das Essen von Stefan Zeisler im „Esszimmer“ aus.
Gastronomie
09.04.2019

Kurkuma färbt Speisen gelb, Aktivkohle schwarz und ein Pulver aus Roter Beete verwandelt Lebensmittel in die Trend-Pantonefarbe 2019 Living Coral: In der Gastro-Szene sind gefärbte oder farbige ...

V. l.: Rudi und Karl Obauer, Walter Grüll, Max Stiegl, Hubert Wallner und Thomas Gailer von der Wiener Cateringkultur.
Gastronomie
08.04.2019

Gäste des diesjährigen Life Balls werden auch heuer wieder von österreichischen Spitzenköchen kulinarisch verwöhnt.
 

Werbung