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Kommentar: Bitte sachlich werden!

20.09.2018

Die Zeiten sind schlecht für eine sachliche (politische) Diskussion. Besonders beim Thema Zuwanderung.

Die Zeiten sind schlecht für eine sachliche (politische) Diskussion. Besonders beim Thema Zuwanderung. Da schießt Karl Baron (als Präsident der Freiheitlichen Wirtschaft sozusagen oberster Unternehmervertreter einer Regierungspartei) gegen Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. Der Grund: Dieser fordert (als oberster Unternehmer-Vertreter des Landes nicht ganz abwegig) einen Zuzug von qualifizierten Fachkräften. Was ist Barons Problem? Er unterstellt Mahrer ideologisch zur SPÖ gewechselt zu sein und liegt damit argumentativ voll daneben. Denn die SPÖ hat sich als Oppositionspartei offensichtlich dazu entschlossen, politisches Kleingeld zu machen, indem man vor dem Zuzug ausländischer Arbeitskräfte warnt. 

Was passiert denn, wenn keiner kommt? Die ÖGZ hat auf der Fafga in Innsbruck mit vielen Unternehmern gesprochen. Der Gemüsebauer Andreas Giner erzählte uns, dass Tiroler Landwirte kurz davor sind, aus Mangel an Arbeitskräften einen Teil der Ernte liegen zu lassen, Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht. Vielen Gastronomen und Hoteliers geht es ähnlich. Der Blick auf die Zahlen zeigt: Mehr als 9.000 offene Stellen im Tourismus (und somit mehr als in der Industrie). Zumindest kurzfristig führt am Recruiting von Arbeitskräften aus dem Ausland kein Weg vorbei. Oder man man fördert den „Arbeitsstrich“. Lohndumping? Meistens muss eh über Kollektivvertrag gezahlt werden.

Natürlich darf man auch die Anliegen der Arbeitnehmervertreter nicht überhören. Ja, die Tourismusberufe müssen attraktiver werden. Ja, es geht auch ums Geld. Wir haben mit Berend Tusch telefoniert, wir lesen die Berichte aus den Arbeitsgerichten. Aber man muss auch über Lohnnebenkosten reden. Wenn ein Großteil der Staatseinnahmen am Faktor Arbeit hängt, benachteiligt das die personalintensive Tourismusbranche. Ideen, um das zu ändern, gäbe es einige (und manche, wie ein ökosoziales Steuersystem, geistern schon seit Jahrzehnten durch die politische Landschaft). Es ist Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik, sich damit – sachlich – auseinanderzusetzen. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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