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Kommentar: Gefesselte Wirtschaft

27.06.2019

Zusammenlegung von Taxi und Mietwagengewerbe: Um den Tourismusstandort attraktiv zu halten, braucht es vielfältige und individuelle Mobilitätslösungen – jetzt passiert gerade das Gegenteil. 

ÖVP, SPÖ und FPÖ beschließen mit Zusammenlegung von Taxi und Mietwagengewerbe, es Uber schwerer zu machen. Einem börsennotierten Unternehmen, das sich selbst bloß als „Plattform“ bezeichnet und 20 Prozent des Umsatzes jeder Fahrt einstreift und keinen Cent Steuern dafür (in Österreich) entrichtet. Klingt ok? In Wahrheit bedeutet das genau das Gegenteil von einer „Entfesselung der Wirtschaft“ (© ÖVP). 

Warum? Weil das Gesetz an der falschen Stelle ansetzt. Kurz gefasst: Man reagiert auf die flexible Gesetzauslegung von Uber einfach damit, mehr Bestimmungen für alle zu schaffen. Die Taxiinnung darf jubeln, weil ihr die Konkurrenz aus dem Weg geräumt wird. Ist das sinnvoll? Eher nicht. Auch wenn es abgedroschen klingt: Innovation ist halt meist eine Folge einer Konkurrenzsituation. Und Uber hat mit einem zeitgemäßen Produkt und nicht nur mit dem besseren Preis der Taxibranche zugesetzt und wehrt sich jetzt auch mit einer Online-Petition. 

Ein Plus (neben anderen) bei Uber: Fahrtpreise waren flexibel. Wenn viele Uber-Fahrer beschäftigungslos waren, ging der Preis nach unten. Rauf ging er, wenn viele Gäste nach Fahrten nachfragten. Dieser Marktmechanismus wird jetzt quasi verboten. Dort, wo fixe Taxi-Preise herrschen (etwa in Wien und Stmk), gelten diese nun für alle. 

Nicht von ungefähr warnt der Wiener Tourismusdirektor Norbert Kettner von einem „Kollateralschaden“, weil das Mietwagensegment damit ausgewischt werden könnte. 

Was Fixpreise in der Taxibranche bedeuten, sieht man übrigens in der Steiermark. Seit dort fixe Beförderungsgebühren gelten, haben manche Taxler das Nachtgeschäft eingestellt. Der Grund: Die Nachfrage war (aufgrund der zu hohen Fix-Preise!) zu gering. Die Katze beißt sich in den Schwanz, die Leute gehen weniger in Nachtlokale oder fahren besoffen nach Hause. 

Um den Tourismusstandort attraktiv zu halten, braucht es vielfältige und individuelle Mobilitätslösungen – jetzt passiert gerade das Gegenteil. 

 

Autor/in:
Daniel Nutz
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