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Kommentar: Good Night, Vienna

04.05.2016

Es nervt, wenn man nach Mitternacht aus seiner Nachtruhe geschreckt wird. Von feiernden, manchmal gröhlenden Menschen. In den engen Gassen der Wiener Altstadt reicht dazu vermutlich schon lautes Sprechen. Ich wohne selbst an einer mehrspurigen Straße, Schlafen bei offenem Fenster geht nicht.

Aber würde ich deshalb auf die Idee kommen, auf ein Fahrverbot am Donaukanal zu klagen? Manche Innenstadtbewohner schon. Sie sammelten sogar 250 Unterschriften bei ihren Nachbarn, um gegen eine Diskothek beim Lugeck zu klagen. Erfolgreich! Die Bettelalm soll künftig um 24 Uhr schließen. Die Branche tobt, man fürchtet ähnliche Urteile gegen andere „Ruhestörer“. Branchenvertreter Peter Dobcak sieht angesichts des Rauchverbots 2018 eine Klagewelle rollen: Wer drinnen nicht rauchen darf, raucht halt draußen. Das macht auch Lärm. Schanigärten detto. Wirte, die länger draußen servieren wollen, sollen als Abschreckung zur Kasse gebeten werden. 

Politiker aus dem 1. Bezirk treten gegen jedwede Schanigartenverlängerung an und freuen sich sicherlich über das Verwaltungsgerichturteil in Sachen Ruhestörung. Die Gäste der Bettelalm nicht, die Bewohner außerhalb des 1. Bezirks nicht und die Wirte schon gar nicht. 

Hier wird knallhart Interessenpolitik gemacht: Ein Bezirk mit 16.000 Einwohnern gegen den Rest Wiens und seiner Gäste. Ich verstehe, dass die Innenstadtbewohner um ihre wenigen Freiräume fürchten. Und Wien soll auch nicht Disneyland werden. Aber ich wette, dass auch die Innenstadtbewohner ganz gerne mal draußen essen oder trinken. Oder gar feiern. Sicher tun sie das bis nach Mitternacht in Rom, Barcelona oder Berlin. Das gehört für sie dort zu einem urbanen Erlebnis selbstverständlich dazu. Nur daheim soll alles schön leise sein – mit viel Platz zum Parken des eigenen Autos. Deshalb darf es auch keine Ver­kehrsberuhigung in der Innenstadt geben. Der Lärm startender oder fahrender Autos scheint erträglich zu sein. Man hat ja selbst eins.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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