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Kommentar: Juan Superstar

03.04.2019

Juan Amador hat zum ersten mal drei Michelin-Sterne nach Österreich geholt. Ausgerechent Amador? Und nicht Heinz Reitbauer oder Silvio Nickol? Muss uns das bekümmern?

Deutschland hat etwa zehnmal so viele Einwohner wie Österreich und zehnmal so viele Drei-Sterne-Köche, nämlich exakt zehn. Und einen eigenen Guide Michelin. Für Statistiker scheint die Welt in Ordnung zu sein: Seit letzter Woche haben wir nämlich auch einen, und der ist – Achtung! – ausgerechnet ein eingewienerter Deutscher. Ohne eigenen Guide Michelin.
Wir erinnern uns: Der Österreich-Michelin-Guide erschien von 2005 bis 2009 und wurde schließlich eingestellt. Als Grund wurden zu geringe Verkaufszahlen ins Feld geführt. Dabei wäre ein eigener Österreich-Michelin enorm wichtig – nicht nur touristisch. 
Juan Amador also, und nicht Heinz Reitbauer oder Silvio Nickol. Das hätten viele Insider so nicht erwartet, auch nicht der Verfasser dieser Zeilen. Die Frage nach der Aussagekraft darf man natürlich ebenfalls stellen, das ist aufgelegt. Ausschließlich Betriebe aus Wien und Salzburg finden nämlich Eingang im Michelin-Guide „Main Cities of Europe“. Also keine Chance für die Obauers, für Simon Taxacher, Andreas Döllerer, Hubert Wallner und Co. Freuen darf sich Juan Amador natürlich trotzdem. 
Alle reden vom Personalmangel und davon, dass zu wenig Nachwuchs da ist. Umso schöner zu sehen, dass Österreich im Gastro-Spitzensegment trotzdem so einen hohen Qualitätslevel halten kann. Der Guide Michelin hat nicht nur die höchste Reputation unter Gästen, sondern auch unter Köchen. Man sollte sich also nicht die Frage stellen, warum heuer nicht dieser oder jener Koch drei Sterne erhalten hat. Oder ob diese ganzen Hauben und Sterne überhaupt noch Sinn machen. Die Frage sollte lauten: Was machen wir daraus? Wie verwerten wir das touristisch? Und was bedeutet es für Österreichs internationale, gastronomische Reputation? 
Juan Amador ist ab sofort für all jene (Kulinarik-)Touristen, die ihre Restaurants im Guide Michelin auswählen, das österreichische Aushängeschild. Laut Restaurantleiter Hans-Peter Ertl gab es einen Tag nach der Prämierung schon 250 Tischreservierungen per Mail.

Autor/in:
Alexander Grübling
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