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Kommentar: Kellner im Gastgarten - ein hartes Los?

11.07.2017

Im Magazin „Wienerin“ erschien jüngst der Artikel eines anonymen Ex-Kellners, wo er acht Punkte aufzählt, die dem jungen Menschen während acht langer Sommer den Job in der Gastronomie vergällt haben. Er möchte seine Handreichungen wohl als eine Art Knigge für Gäste im Gastgarten verstanden wissen. Das muss aus neutral-professioneller bzw. Gastsicht kommentiert werden!

1. "Gst", Schnippen, Pfeifen oder "He" als Aufforderung

„Glaubt man nicht, aber in richtig großen Gastgärten sind das nach wie vor gängige Methoden, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wer sich im Hochsommer mit einem freundlichen "Entschuldigung" meldet, kann schon mal einen ungläubigen Blick des Servicepersonals ernten.“ 

Kommentar: Man glaubt es kaum, aber es soll Gäste geben, die in vollen Gastgärten echt Probleme haben die Aufmerksamkeit des Servicepersonals zu ergattern… Aber es existiert tatsächlich ein Sprachproblem: „Fräulein!“ will man ja auch nicht mehr wirklich rufen. Vorschlag: Augenkontakt suchen! Das heißt: Das Servicepersonal könnte ruhig mal herschauen.

2. Gäste, die ihre Bestellung vergessen und ignorieren

„Wenn du als Kellner aber fünf Minuten am Tisch stehst, weil der große Apfelsaft gespritzt plötzlich niemanden mehr gehört, nervt das und kostet allen Beteiligten Zeit.“

Kommentar: Tja, die Gäste sind halt in ihrer Freizeit und schnell abgelenkt. Da passt man nicht immer auf wie in der Schule! Ich fürchte, da muss das Servicepersonal einfach durch.

3. Hey, bestellen wir doch hintereinander 

„So mancher Unkonzentriertheit ist es auch geschuldet, wenn die Bestellungen hintereinander statt gleichzeitig kommen. Nicht falsch verstehen: Unterschiedliche Ankunft, Toilettenbesuche etc - alles okay. Aber bei der Bestellung ruhig dasitzen und zwei Minuten später draufkommen, dass der eigene weiße Spritzer jetzt eigentlich auch leer ist - das sind 0/10 Punkten auf der Beliebtheitsskala." 

Kommentar: Ach, muss sich der Gast beim Kellner beliebt machen?? Mmmh…Und „unkonzentriert“ darf er auch nicht sein, der Gast, das notwendige Übel…

5. Ein Gastgarten ist kein Spielplatz

„Kinder, meistens mit gleichaltrigen Kollegen im Höllentempo unterwegs, sind wie unberechenbare Hindernisse, denen es oft schnurzpieps egal ist, dass sie auf einen Kellner mit drei heißen Fritattensuppen auf den Händen zusteuern. Der Kellner bremst, die Suppe rinnt auf den Arm, das Kind lacht - wie leiwand.“

Kommentar: Da hat er recht! Tobende, meist auch schreiende Kinder im Gastgarten nerven nicht nur Kellner, sondern auch andere Gäste. Tipp: Zu jedem größeren Gastgarten gehört ein zumindest kleiner Spielplatz!

6. Es gibt unglaublich viele schlechte Witze und Fragen

„Eine Auswahl an Fragen, die mir Gäste mit ernster Miene gestellt haben:

  • "Ist euer Wein gut?" (an mich, den Kellner eines Heurigen)
  • "Ist euer Most gut?" (an mich, den Kellner einer Mostschenke)
  • Generell: "Ist das gut?" (an mich, den Kellner der Gaststätte)“

Kommentar: Ja, Mensch, der Gast möchte manchmal kommunizieren und ist darin vielleicht nicht immer sehr originell. So what? Eine schlagfertige, halbwegs charmante Antwort des Kellners könnte das Eis weiter brechen. Aber vermutlich ist dieser Kellner gar nicht an einer Kommunikation mit seinem Gast interessiert. Das könnte bei der Arbeit stören.

8. Es ist nicht logisch, sich zu zweit auf einen riesigen Tisch zu sitzen 

„Solltet ihr in einem Gastgarten auf jedem Tisch ein Reservierungsschild sehen, kommt das nicht von irgendwo. Denn: Menschen neigen dazu, sich in Gastgärten zu große Tische zu schnappen. Klar, sind wir zu zweit ist es schön, sich auf einen Tisch für vier den Platz für Handtasche, Handy, Getränk, Jacke, Sonnenbrille und Co zu gönnen. Für das Restaurant ist es aber - wenig überraschend - nicht wirtschaftlich, wenn ihr zu zweit einen riesigen Tisch blockiert. Dabei verlieren alle.“

Kommentar: Uff! Das ist ein heikles Thema. Es greift in der Gastronomie – nicht nur im Gastgarten – um sich, dass erstmal alle Tische als angeblich „reserviert“ ausgeschildert werden. Das nervt den konsumierwilligen Spontangast, weil es ihm signalisiert: „Wir brauchen dich hier nicht!“ Und ihn von Anfang an in die Lage eines Bittstellers nötigt. Und sich zu zweit an einen Vierertisch zu setzen, heißt nicht, dass man „einen riesigen Tisch blockiert“. Man kann - wenn man nett bedient wird - auch zu zweit so viel (oder mehr!) konsumieren wie sparsame Vierergruppen. Und das Hauptinteresse des Gastes liegt nicht darin an die Wirtschaftlichkeit seines Gastbetriebes zu denken. Daran hat der Wirt zu denken. Wenn er das allzu offensichtlich tut, wird das für den Gast unangenehm und er sucht sich ein anderes Lokal.

Klar, in einem vollbesetzten Gastgarten kann es ganz schön stressig zugehen. Vor allem für das Servicepersonal. Aber manchmal leider auch für den Gast. Ich gehe davon aus, dass nicht jeder Kellner so denkt wie dieser. Denn wenn es so wäre, dann wäre die Gastronomie tatsächlich ein Schlachtfeld und kein Ort der Freude, Entspannung und Inspiration. Und Letzteres sollte und kann sie auch für das Servicepersonal sein! Ganz klar, es gibt unangenehme Gäste. Aber dazu gehört dann schon noch mehr als schlechte Witze zu reißen oder eine dumme Frage zu stellen. Oder sich zu zweit an einen Vierertisch zu setzen. Und es ist auch immer die Frage, wer in diesem kompliziertem Geflecht tatsächlich in der Bringschuld ist. Und wer am Ende eigentlich der Klügere ist. Oder sein sollte.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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