Direkt zum Inhalt

Kommentar: Nicht mehr als 20 Stunden

30.10.2018

Philosoph Richard David Precht schwärmt vom neuen Arbeiten in einer digitalisierten Welt.

Bei der Wiener Tourismuskonferenz sprach der deutsche Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht über Arbeit in einer digitalisierten Zukunft. Precht nennt die Digitalisierung die „neue industrielle Revolution“. Das bedeutet, dass sie wie die alte im 18. und 19. Jahrhundert im 21. Jahrhundert unsere Welt komplett verändern wird. Davor müsse man keine Angst haben – wenn wir uns darauf einstellen. Die Digitalisierung wird viele Arbeitskräfte durch Maschinen und Künstliche Intelligenz ersetzen. Nicht nur im Niedriglohnsektor. Precht meint, eher werden Beamte und Juristen ersetzt. Nicht ersetzt werden Handwerker, die noch etwas Nichtdigitales herstellen, und vor allem „Empathie-Arbeiter“, „Kümmerer“: Hausärzte, Berater, Trainer, Pfleger, Scouts, Leute, die mit anderen Menschen Kontakt haben, Leute, mit denen man reden kann, die Probleme nicht technisch, sondern menschlich lösen. Also viele Mitarbeiter im Tourismus! Köche werden eher digitalisiert als Kellner, der Reinigungsdienst eher als die Rezeptionistin, der Revenuemanager eher als der Salesmanager.
Anders als die meisten klassischen Ökonomen, glaubt Precht nicht daran, dass die Digitalisierung mehr Jobs kreiert, als sie überflüssig macht. Die Digitalisierung schafft Jobs für Maschinen. Der 50-jährige Busfahrer, den ein selbstfahrender Bus arbeitslos macht, wird vermutlich keinen Job als „Kümmerer“ finden. Er muss auch gar nicht. Denn Precht plädiert dafür, die Arbeit anders zu definieren. Im 19. Jahrhundert arbeiteten viele Menschen 80 Stunden in der Woche. Im 20. Jahrhundert 40 Stunden. Sollen sie im 21. Jahrhundert im Schnitt 20 Stunden arbeiten! Viel mehr wird die Digitalisierung nicht übrig lassen. Das können wir uns leisten, weil die Produktivität zunimmt. Wir müssen nur davon wegkommen, uns über Arbeit zu definieren und über Steuern und Lohnnebenkosten unser Sozialsystem zu bezahlen. Deshalb plädiert er (wie immer mehr Menschen) für das Grundeinkommen. 1.500 Euro für jeden – finanziert über eine geringe, aber wirkungsvolle Finanztransaktionssteuer. Damit wird Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Pension abgeschafft. Viele werden im Laufe ihres Lebens jede Menge dazuverdienen. Freiwillig. 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
Werbung

Weiterführende Themen

Meinung
18.04.2019

Die Schweinepreise steigen. Dafür sorgt mehr Nachfrage aus China. Ein Problem? Nicht unbedingt, vielleicht auch eine Chance.   

Hotellerie
10.04.2019

Soziale Medien sind im Tourismus längst keine Spielerei mehr, sondern ein effektives Marketingtool – sofern man es richtig bedient. In der Hotel- und Gastro-Branche wird vor allem Instagram immer ...

Tourismus
10.04.2019

SalzburgerLand Tourismus entwickelte als erste Destination Europas einen Touristischen Knowledge Graph und erhielt dafür den österreichischen Staatspreis für Digitalisierung im Bereich „Künstliche ...

Tourismus
20.03.2019

Der Plan T wirft seine „Schatten“ voraus: Digitalisierung und Radfahren bekommen Sondergelder von der Ministerin. Aber eben nur Sondergelder. Warum gibt es kein fixes Budget für Digitalisierung? ...

Meinung
20.03.2019

Die dritte Piste am Wiener Flughafen wird gebaut. Gut für die Wirtschaft, schlecht für die Umwelt. Die jeweiligen Argumente zusammengefasst.   

Werbung