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Kommentar: No more food porn?

11.03.2019

Starkoch Juan Amador möchte nicht mehr, dass seine Gäste ihr Essen fotografieren. „Denn“, sagt Amador, „über das eigentliche Erlebnis eines Restaurantbesuchs sagt ein Food-Foto überhaupt nichts aus. Da geht es um Emotionen auf ganz anderen Ebenen: Geschmack, Ambiente, zwischenmenschliche Beziehungen.“

Deshalb lässt er seinen Gästen erklären, dass sie doch bitte auf das Fotografieren bei ihm verzichten mögen. „Durch Hektik und Stress der heutigen Zeit sind die Menschen oft getrieben und fotografieren wie automatisch, ohne groß darüber nachzudenken, ob das einen Sinn macht. In Wirklichkeit betrügen sie sich selbst um die Magie des Genusses.“ Mobiltelefone können am Eingang abgegeben werden, wenn jemand anruft, werden die Gäste informiert. Amador will keine Verbote aufstellen, er setzt auf die Einsicht seiner Gäste.

Das klingt auf den ersten Blick wie eine gute Idee. Es nervt wirklich, wenn an den Nebentischen unentwegt fotografiert wird. Andererseits kann man das gut verstehen, besonders in einem Restaurant, wo das Acht-Gang-Dinner über 200 Euro kostet – ohne Weinbegleitung. So etwas leistet man sich normalerweise nicht allzu oft und möchte davon Erinnerungen haben – und wohl auch ein bisschen in der Instagram-Gemeinde angeben. Dafür ist Instagram schließlich da, oder?

Message Control

Und normalerweise haben Restaurants auch nichts dagegen, wenn dort kostenlos für sie geworben wird. Außer Juan Amador. Der setzt künftig auf Stimmungs- und Detailfotografie und hat dafür selbst einen bekannten (Sport-)Fotografen engagiert. Das möchte man noch mit Videos und „Liveübertragungen“ aus der Küche anreichern.

Da kommt schnell der Verdacht auf, auch Amador gehe es um „Message Control“. Oder möchte er gar in der Liga von Bayern München spielen? Die sind bekanntlich seit einiger Zeit nicht mehr zufrieden mit der Berichterstattung in den Medien (vor allem wenn sie schlecht spielen, was ja nicht nur in der Haubenküche auch mal vorkommen kann). Darum möchten sie eigentlich nur noch in ihrem eigenen TV-Sender vorkommen. So wie der große FC Barcelona oder Real Madrid, die ihre Fans mit PR rund um die Uhr beglücken.

Ein Foto ist zu wenig

Amador sagt, er habe früher auch Essen fotografiert, wenn er mal bei Kollegen „auswärts“ gegessen habe. Aber er habe festgestellt, dass ein Handyfoto viel zu wenig über das Essen aussage. Um sich an ein tolles Essen zu erinnern, brauche man kein Foto. „ Ich kann mich an Gerichte bis ins letzte Detail erinnern, die ich vor Jahren oder auch in meiner Kindheit gegessen habe. Essen ist mehr als die bloße Aneinanderreihung von hübsch anzusehenden Gerichten.“ Da könnte er auch Recht haben. Fotos riechen und schmecken nicht. Aber sie sind trotzdem auf ihre Art authentisch. Authentischer als gekaufte und bearbeitete „Stimmungsbilder“.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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