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Kommentar: Nur keine Afghanen!

05.09.2018

Wir haben versucht zu verstehen, warum die Regierung lieber Ausländer aus Drittstaaten über die Rot-weiß-rot-Karte anwerben will, als bereits halbwegs integrierten jungen Asylbewerbern ein Bleiberecht einzuräumen.

Ich versuche, mich mal in die Logik der Bundesregierung reinzudenken. Gut, wer einen negativen Asylbescheid bekommt, der ist abzuschieben. Wo kämen wir hin, wenn wir Kulanz zeigten, das würde doch nur noch mehr Menschen anlocken, zu uns zu kommen. Nun gibt es junge Menschen in laufenden Asylverfahren, die als angehende Facharbeiter einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und auch Sozialbeiträge zahlen. Können wir sie abschieben? Was sagen dazu die Betriebe? Um erst gar nicht in die Situation zu kommen, nehmen wir ihnen einfach die Möglichkeit, eine Lehre zu machen.       

Nun gibt es aber faktisch das Pro­blem, dass wir zu wenige Facharbeiter haben – Hoteliers und Gastronomen können ja bereits jetzt schon ein Lied davon singen. Als Regierung, die sich anstellt, die Leiden der Wirtschaftstreibenden lindern zu wollen, muss man also etwas tun. Also öffnen wir die Rot-Weiß-Rot-Karte – die eigentlich in erster Linie den Zuzug von Hochqualifizierten regeln soll – für nichtqualifizierte angehende Lehrlinge. Nach welchen Kriterien wollen wir sie auswählen? Vorabbildung, Sprachkenntnisse? – wir wissen es nicht. Ebenso wenig, wie aus welchen Ländern der Welt Jugendliche dazu motiviert werden sollen, Heimat und Familie zu verlassen, um bei uns eine Lehre zu beginnen (nur bitte nicht aus Nordafrika, Syrien oder Afghanistan – die wollen wir ja ausweisen!). 

Egal, es werden schon welche kommen, und die werden dann auf alle Fälle bessere Lehrlinge abgeben, als jene asylsuchenden Menschen, die bereits im Lande sind (und auch dort bleiben werden. Solange ihr Verfahren läuft und bei einem Positivbescheid auch darüber hinaus). 

Wir suchen also in fernen Ländern nach unserem Facharbeiter-Nachwuchs. Jene, die schon hier sind, lassen wir dagegen nicht arbeiten. Zwangsläufig sind diese Menschen von Sozialleistungen abhängig. Dass sie dem Staat auf der Tasche liegen, werfen wir ihnen dann regelmäßig vor, ebenso, dass sie nicht gut inte­griert sind. … Hm, nein, ich verstehe es nicht. 
 

Autor/in:
Daniel Nutz
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