Direkt zum Inhalt

Kommentar: Old Economy

25.10.2018

Mitarbeitermangel gibt es nicht nur im Tourismus und nicht nur in Österreich. 

Mitarbeitermangel gibt es nicht nur im Tourismus und nicht nur in Österreich. Aber hier besonders. Andere Branchen setzen auch auf die Kernkompetenzen gut ausgebildeter Touristiker. Dafür sind sie bereit, mehr zu zahlen. Auch Big Player der Branche wie die Kreuzfahrtindustrie oder gut ausgestattete Prestigehotelprojekte werben Mitarbeiter ab. Die haben kein Imageproblem. Da tut sich der kleine Familienbetrieb in einem Tiroler Tal schwerer. Hier leben zwar viele Einheimische vom Tourismus, denken aber trotzdem, dass es ehrenrührig ist, als Kellnerin zu arbeiten.

Es gibt im Tourismus auch zu wenige Ausbildungsangebote nach der Matura oder ohne Matura, beklagt Hochschuldozent Harald Hafner vom Travel Industry Club. Überhaupt scheint die hochgelobte österreichische Tourismusausbildung am Markt vorbeizuproduzieren: Die Hochschulen bilden zu viele Akademiker aus, die die Branche weder braucht noch bezahlen kann. Immer weniger Betriebe bilden aus, weil sie keine geeigneten Lehrlinge finden. Oft sind die Eltern das Problem, die ihren Kindern eher von einer Ausbildung im Tourismus abraten. Wer es dann trotzdem versucht, macht das oft mangels Alternative und weil man im Tourismus momentan eh jeden nimmt. 

Dann merken sie recht schnell, dass Kochen nicht so wie im Fernsehen abläuft, dass andere frei haben, wenn man selbst arbeiten muss, dass der ständige Kontakt mit Menschen anstrengend ist. Das führt zu überdurchschnittlich hohen Absprungsraten.

Welche Angebote kann man machen – auch älteren Arbeitnehmern? Lehrlingen und Praktikanten einen sanften Einstieg bieten! Leute, die hohes Engagement zeigen, auch entsprechend entlohnen. Wie Eva Buzzi, Geschäftsführerin von ÖBB Rail Tours, sagt: „Diejenigen, die an der Front arbeiten, verdienen oft am wenigsten.“ 

Dazu muss mehr Aus- und Weiterbildung kommen, mehr Karrierechancen, mehr Alternativen im Betrieb, mehr Rücksicht auf private Interessen, mehr selbstständige Entfaltungsmöglichkeiten, weniger Hierarchie. Alteingesessene Familienunternehmen sind keine New-Economy-Start-ups. Das ist für viele (junge) Mitarbeiter heute ein Problem.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
Werbung

Weiterführende Themen

Sechs Diskutanten und zwei Moderatoren am Kopfende: Hildegard Dorn-Petersen und Thomas Askan Vierich.
Tourismus
18.12.2018

Wie kann man im Tourismus gute Mitarbeiter finden und halten? Ein runder Tisch mit Gastronomen und Hoteliers, organisiert vom FCSI und der ÖGZ.

 

Alpine Go-go-Tänzerinnen an der Gratwanderung des guten Geschmacks.
Tourismus
18.12.2018

Ischgl kann Party, damit verkauft sich die Region international. Doch daneben tut sich auch eine Luxusschiene mit Haubenküche auf. Die ÖGZ hat sich vor Ort umgesehen, ob das gutgehen kann. ...

Winterfreuden abseits von Skipisten in Kärnten: Der Weissensee.
Tourismus
13.12.2018

Vor genau 30 Jahren wurde die Kärnten Werbung (damals Kärntner Tourismus Gesellschaft mbH, kurz „KTG“ genannt) aus der Taufe gehoben. Wir trafen uns mit dem heutigen Geschäftsführer Christian ...

Michaela Reitterer in der Lobby ihres Boutiquehotels Stadthalle im ausführlichen ÖGZ-Gespräch.
Hotellerie
06.12.2018

ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer im Interview über Storytelling, Qualität statt Quantität, eine bessere Ausbildung und warum es keinen Krisengipfel und auch keinen Zwölf-Stunden-Tag gibt.

Tourismus
03.12.2018

Zwischen Kappl und St. Anton wird es keine Zusammenlegung der Skigebiete geben. Umweltgründe ausschlaggebend. 

Werbung