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Kommentar: Preisfragen

24.01.2019

Wenn ein Schnitzel um 30 Cent teurer wird, führt das im Netz heutzutage zu einem böenartigen Shitstorm. 

Wenn ein Schnitzel um 30 Cent teurer wird, führt das im Netz heutzutage zu einem böenartigen Shitstorm. So geschehen, als vergangene Woche die Gastroinflation mit 3,1 Prozent ausgewiesen wurde. Tatsächlich liegen die Preissteigerungen rund ein Prozent über der durchschnittlichen Teuerung (was jetzt keine Welt ist). Dennoch wird in Onlineforen von Abzocke, von Bereicherung der Restaurantbesitzer geschrieben. 

Echt jetzt? Wie denn? Durch ein riesiges Kartell aus 40.000 Einzelbetrieben, das in geheimen Wirthaushinterzimmern (oder vielmehr -hallen) die Preise abspricht? Dass der Markt die Preise macht, sollte nach 100 Jahren Marktwirtschaft klar sein. Auch, dass man Preise nicht mehr in Schilling umrechnen kann: Rechnet man eine mittlere Inflation von zwei Prozent auf den Zeitraum seit der Euro-Einführung 2002 hoch, ergibt das, dass Produkte seither um 50 Prozent teurer geworden sind. Das Krügerl Bier von einst um 37 Schilling kommt demnach jetzt auf rund vier Euro. Nur wegen der Inflation. Ganz ohne Preiskartell. Im Vergleich mit vielen Ländern ist das immer noch günstig. 

Zudem gibt es andere Gründe für Preissteigerungen in der Gastronomie. Etwa Mieten, Einkauf oder Personalkosten. Aufgrund der Facharbeiterknappheit kostet gutes Personal heute mehr, als im KV steht. 

Die Gastronomie und vor allem Hotellerie sind mit vielen anderen Branchen außerdem nicht in einen Topf zu werfen. Während ein Großteil der heimischen Betriebe seit vielen Jahren eher auf der Investitionsbremse steht, investieren Hotellerie und Gastronomie. Das hat positive Effekte auf die österreichische Volkswirtschaft, aber teils negative auf die jeweiligen Unternehmensbilanzen. Der Unternehmensberater Prodinger hat das (nicht unwahrscheinliche) Szenario eines Zinsanstiegs (von zwei Prozent) für kreditfinanzierte Hotelbetriebe durchgerechnet. Das Ergebnis: Die Liquidität würde in manchen Betrieben einen bedenklichen Level erreichen. Also keine Rede davon, dass es der Branche zu gut geht. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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