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Kommentar: Rauchen ist sowas von Neunziger!

01.03.2018

Der von der Regierungskoalition eingebrachte Initiativantrag zum „Tabak- und NichtraucherInnenschutzgesetz“ (TNRSG) soll für die Beibehaltung von Raucherbereichen in der Gastronomie sorgen – trotz eines Volksbegehrens dagegen, dessen Ergebnis allerdings noch nicht vorliegt.

Die aktuell geltende Nichtraucherschutzregelung soll somit auch nach dem 1. Mai 2018 bestehen bleiben. „Die Verlängerung der bestehenden Regelung ist sachgerecht, verhältnismäßig und aus Sicht der Branche ebenso zu begrüßen wie der gesellschaftliche Wandel hin zu einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein“, sagt Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in einer aktuellen Aussendung. Auch das Bekenntnis der Regierung zu verstärktem Jugendschutz und Prävention sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Fauler Kompromiss

Damit versucht der Obmann eine Quadratur des Kreises schmackhaft zu machen. Aber was bleibt ihm als obersten Vertreter seiner Branche, in der viele, wenn auch längst nicht alle, die bisherige Regelung beibehalten wollen, anderes übrig?  Aber dennoch: Man kann nicht das Rauchen durch Raucherbereiche erlauben (wenn nicht sogar fördern) und sich gleichzeitig aufrichtig  über ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein freuen.

Pulker weiter: Fakt sei, dass ein generelles Rauchverbot ausschließlich in der Gastronomie eine eklatante Ungleichbehandlung zu anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens dargestellt hätte, in denen es praktisch überall weiterhin möglich ist, einen abgetrennten Raucherraum einzurichten.

Anachronismus

Man könnte auch sagen: Fakt ist, dass man in immer weniger öffentlichen Gebäuden rauchen darf. Eigentlich in gar keinen mehr. Dort gibt es auch immer weniger abgetrennte Raucherbereiche. Schon gar nicht im Zug oder Flugzeug. Die Vorstellung, dass dort mal geraucht wurde, kommt uns heute schon sehr sehr anachronistisch vor. Genauso anachronistisch wie das Herumgeeiere rund um Raucherbereiche und Raucherlokale.

Anachronistisch erscheint es auch immer mehr Gästen, ein Lokal zu betreten, in dem es nach (kaltem) Rauch riecht. Oft auch im Nichtraucherbereich. Das stört vor allem internationale Gäste, die das aus ihren Ländern einfach nicht mehr gewohnt sind. Rauchen ist sowas von Neunziger! Nur nicht für die FPÖ, Österreichs Retropartei. Selbst beim Koalitionspartner ÖVP hatte es in den letzten Tagen ein vernehmliches Murren gegeben, das man aber des Koalitionsfriedens willen hintangestellt hat. Wenn der FPÖ das Rauchen halt so wichtig ist…

Selbstbestimmung

Aber es gibt ja noch die Volksbefragung. Normalerweise etwas, was die FPÖ noch mehr liebt als das Rauchen. Also versucht Mario Pulker, der kein Mandatar der FPÖ ist, auch hier einen Kompromiss im Sinne der Regierungskoalition zu formulieren: „Die rege Beteiligung am ‚Don’t Smoke‘-Volksbegehren zeigt, dass das Thema Rauchen für viele Menschen hohe Relevanz hat. Diesem Trend folgend sind auch ein Großteil der Speiselokale und praktisch alle Neugründungen in der Gastronomie bereits rauchfrei.“

Eben. Weil die Gastronomen schlauer sind.

„Diese Entscheidung sollten aber die Gastronomen und – bei der Wahl des Lokals - auch die Gäste eigenständig treffen können,“ so Pulker abschließend. Da könnte er allerdings recht haben. Da sind auch wir uns in der ÖGZ-Redaktion nicht einig, siehe letzte Ausgabe Seite 9!

Aber es bleibt festzuhalten: Die jetzige Regelung ist und bleibt ein fauler Kompromiss. Sie weiter bestehen zu lassen ist eine tabakrauchumwölkte Schnapsidee. Da haben sich einige Politiker verrannt und können nicht mehr zurück. Und ignorieren bewusst die Stimmung im Volk. Ausgerechnet die, die sonst dem Volke so gerne „aufs Maul schauen“. Aber es bleibt ja immer noch jedem Gastronomen überlassen, ob er sein Lokal freiwillig zum Nichtraucherlokal erklärt.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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