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Kommunikation mit den Mitgliedern

28.05.2010

Berndt Querfeld, der neue Fachgruppenobmann der Kaffeehäuser Wiens, spricht über die Aufgaben der Wirtschaftskammer Wien, über Lehrlingsausbildung, die Novellierung der Schanigartenverordnung und Kaffeequalität mit Irene Stelzmüller

Caféjournal: Was sind Ihre kurzfristigen und langfristigen Ziele als neuer FG Obmann?

Berndt Querfeld: Wir kämpfen derzeit um die Erlaubnis, TV-Geräte während der Fußball WM 2010 im Schanigarten analog zur Fußball EM 2008 aufstellen zu dürfen. Positive Signale hierfür kommen von Bürgermeister Michael Häupl und von der Bezirksvorstehung Wien Innere Stadt. Außerdem brauchen wir für Nichtraucherbetriebe Raucherplätze im Freien, zumindest die Erlaubnis, einen Aschenbecher aufstellen zu dürfen.

Mittelfristig soll das Zwangsmitglied ein zufriedenes Pflichtmitglied werden. Hier sind wir als Fachgruppe gefragt und müssen ihm die Struktur der Wirtschaftskammer Wien und deren Dienstleistungen erklären. Es geht darum, die 2.000 Betriebe der Fachgruppe der Kaffeehäuser Wiens zu fragen, was für sie vordringliche Dienstleistungen wären. Am 1. September 2010, das ist meine Deadline, sollten alle Mitglieder merken, dass sich etwas in der Fachgruppe verändert hat und Leistungen für alle wieder unter anderem im Caféjournal sichtbar werden. Die Leistungen der Kleinbetriebe müssen wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Es geht mir auch darum, wie schnell ich von meiner Fachgruppe eine telefonische Auskunft bekomme, ohne in der Warteschleife zu verenden.

Caféjournal: Welche Probleme kommen auf die Kaffeesieder in der nächsten Zeit zu?

Querfeld: Wie steigere ich den Umsatz, um die laufenden Kosten decken zu können? Viele Betriebe haben das Gefühl, dass sie mit den derzeitigen Preiserhöhungen, die sich im 10 und 20 Cent-Bereich bewegen, ihre laufenden Kosten wie Instandhaltung des Lokals, Kaffeemaschinenreparaturen oder den bürokratischen Mehraufwand im Finanzwesen nicht mehr leisten können. Die Kosten stehen in keiner Relation zum gastronomischen Umsatz. So kostet ein Elektrobefund rund 240,– Euro, was dem Tagesumsatz vieler Kaffeehäuser entspricht.

Caféjournal: Was muss getan werden, um junge Menschen für die Gastronomie zu begeistern?
Querfeld: Es fehlt an Lehrlingen in der gesamten Gastronomie. Hier haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir müssen den Jugendlichen vermitteln, dass ein Arbeitsplatz in der Gastronomie ein sicherer, zukunftsorientierter ist und es sich lohnt – das hat auch etwas mit Entlohnung zu tun – , den Bildungsweg als Restaurantfachmann oder –frau einzuschlagen. Vom Mitarbeiter wird viel Einsatz gefordert, der nicht so entlohnt wird, wie sich das junge Menschen heutzutage vorstellen. Aber wie viele Große Braune, G´spritzte oder Krügerl Bier muss ich verkaufen, um mir einen Mitarbeiter leisten zu können?

Caféjournal: Braucht es eine Baristaausbildung?
Querfeld: Im Grunde geht es darum, einen guten Kaffee zu kochen. Es ist trendig, sich Barista zu nennen wie Sommelier, der einmal auf den Wein beschränkt war, und jetzt gibt es auch schon den Käsesommelier. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Tee oder Heiße Schokolade wieder im Mittelpunkt stehen. Wir haben aber sicher einen Nachholbedarf, was die Qualität des Kaffees betrifft. Es muss unser Ziel sein, dass Wien nicht nur für seine Kaffeehauskultur berühmt ist, sondern auch für seine Kaffeekultur. Wien soll die Stadt werden, in der es den besten Kaffee gibt.

Caféjournal: Wie soll eine zukünftige Novellierung der Schanigartenverordnung aussehen?
Querfeld: Man muss der Zeit Rechnung tragen – die Leute gehen später weg, bleiben länger aus, sogar die U-Bahn wird demnächst an Wochenenden die ganze Nacht durchfahren, umso wünschenswerter wäre eine einheitliche Sperrstunde um Mitternacht. Darüber hinaus sollten die Verbrauchsabgaben und Genehmigungen transparenter werden und Ablehnungen sich nicht hinter Paragraphen verstecken.

Ich wünsche mir, dass klar gesagt wird, dass die Errichtung eines Schanigartens zum Beispiel wegen der Straßenbahnschienen oder des Radweges nicht möglich ist. Es sollte auch die Möglichkeit zumindest in den Metropolen geschaffen werden, dass Schanigärten das ganze Jahr über aufgestellt und genützt werden dürfen, was wahrscheinlich die Qualität des Bauwerks Gastgarten massiv heben würde. Beispiele dafür gibt es etwa in München oder Berlin.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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