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Konditorei mit Tradition

06.05.2005

Mit dem Konditorei- und Kaffeehausbetrieb „Baumgartner“ in Brixlegg in Tirol 50-jähriges Jubiläum zu feiern und dabei unternehmerisch flexibel zu bleiben, ist die eine Kunst, das Handwerk des Lebkuchenmachens die andere. Rudolf Baumgartner beherrscht beides.

Das Cafe Baumgartner lebt zu 90 Prozent von Stammgästen. In einem Ort mit 3.000 Einwohnern und 1.000 Einpendlern, in dem der Friseur, die Bank und nicht wenige der 100 angesiedelten Betriebe ihre hauseigenen Kaffeeautomaten besitzen, der einzig richtige Weg. „Die Anzahl der Gäste, die kurz auf einen Kaffee bei uns vorbeigeschaut haben, ist zurückgegangen“, erklärt Rudolf Baumgartner. „Auch die Frequenz am Land kann man nicht mit der Stadt vergleichen.“
Marktnische Mittagskost
Baumgartner und seine Frau Margit haben ihre „Marktnische“ gefunden. An den Konditoreibetrieb mit Backstube und Verkaufsraum mit Eduscho-Ecke ist ein Kaffeehaus angeschlossen. „Wir bieten seit nun schon zehn Jahren leichte und bekömmliche Mittagskost an. Lindtkugeln gibt’s heute ja schon im Möbelhaus. Deswegen kommt keiner mehr zum Konditor.“ Für den tirolweit einzigartigen Lebkuchen, den Josef Baumgartner bereits in zweiter Generation herstellt, kommen Kunden von überhall her nach Brixlegg. Rudolf Baumgartner sen. hat als Konditormeister und „Lebküchler und Wachszieher“ 1953 den Betrieb in Brixlegg eröffnet. „Das Lebkuchen-Machen brachte mir mein Vater bei“, erinnert sich Konditormeister Rudolf Baumgartner. So werden jedes Jahr von November bis Dezember ein paar tausend Stück in Handarbeit hergestellt. Verkauft werden die Lebkuchen in der hauseigenen Konditorei sowie im ältesten und renommiertesten Kerzenfachgeschäft Tirols am Innsbrucker Domplatz. Mit zwei Mitarbeitern in der Backstube bewältigt Josef Baumgartner das Kuchengeschäft, „das am Wochenende sehr gut läuft“, sowie Bestellungen. „Wir produzieren zu den Stoßzeiten 200 Muttertagstorten, Gebäck für Weihnachten, handgegossene Schokoladeneier für Ostern oder bis zu 1.000 handgemachte Glücksbringer für Silvester.“ Diese Bestellungen seien aber für eine ganzjährige Auslastung zu wenig. Dazu käme der Wettbewerbsdruck mit vier Bäckern im Ort sowie mehreren Kaffeehäusern auf wenigen hundert Metern.
Mehrere Standbeine
„Wenn man am Land nicht flexibel ist, hat man Probleme“, so der 54-jährige, der stolz ist, dass er und seine Frau es geschafft haben, das Café Baumgartner als Mischbetrieb mit Konditorei, Restaurant, Eduscho-Handel und Vermietung (10 Betten) zu etablieren. Der Kunst- und Musikliebhaber – Baumgartner spielt Klavier, liebt klassische Musik und stattet sein Kaffeehaus mit Bildern aus seiner persönlichen Sammlung aus – und passionierte Marathonläufer serviert seinen Mittagsgästen leichte bekömmliche Kost. Da sind auf der Tageskarte „Forellenfilet mit Zitronenpfeffersauce, Wokgericht mit Basmatireis oder die von Margit Baumgartner berühmte hausgemachte Lasagne zu finden. Auch im Konditoreibetrieb sei ein neues Ernährungsbewusstsein spürbar, nämlich weg von der Buttercremetorte hin zu lockeren, leichten Topfentorten und Obstkuchen. Während des Tagesbetriebes täglich von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends, Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr, bleibt wenig Zeit für Musik, Sport, Kunst und Familie. Sohn Thomas studiert Politik, Tochter Carmen lebt in Wien und ist als Journalistin tätig. „Wir wechseln uns ab und besuchen regelmäßig unsere Tochter in Wien. Da stehen dann für die Baumgartners Museums- oder Konzertbesuche und wohlverdiente Erholung auf dem Programm.

Café Konditorei Baumgartner, Margit und Rudolf Baumgartner, 6230 Brixlegg, Marktstraße 33, Tel. 0 53 37/627 96

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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