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Konditorei – quo vadis?

16.11.2004

Die Konditoren Österreichs tagten und feierten in Velden am Wörthersee. Das Motto für den diesjährigen Bundeskongress lautete: „Erfolgreich in die Zukunft blicken!“ Fleiß, Kreativität und Streben nach höchster Qualität verbunden mit hochwertigen Erzeugnissen zeichnen Österreichs Konditoren aus.

Der diesjährige Konditoren-Kongress in Velden/Wörtherssee stand ganz im Zeichen des Optimismus. „Die Ampeln stehen derzeit jedenfalls wieder auf grün, die Konjunktur ist schon angesprungen, die Konditorbetriebe werden wieder Geld verdienen“, betont Bundesinnungsmeister Paulus Stuller, der meint, dass die Konditoren nun genug gejammert haben.

In Österreich gibt es 1.269 Konditorbetriebe, die 810 Lehrlinge ausbilden und im letzten Jahr wurden 40 Meisterprüfungen abgelegt. „Wir sind kleiner geworden, Kleinstbetriebe mussten auf Grund des Wettbewerbs zusperren, aber es gibt auch Neugründungen. Insbesondere in den Bundesländern verlagert sich die Dorfkultur vom Dorfwirtshaus in die Café-Konditorei“, freut sich BIM Paulus Stuller. Sein Konzept für Erfolgskonditoren sieht er in der klaren Positioniernug der Konditorei, die kein Greißler oder Gemischwarenhändler ist. „Wir sollten keine ausländischen Industriepralinen verkaufen, sondern Pralinen vom Kollegen, wenn wir sie nicht selbst erzeugen und gleiches gilt auch für das Speiseeis“, fordert Stuller, denn die Konditoren können mit Frische und Qualität überzeugen, sollten selbstbewusster auftreten und mehr Show um ihren Beruf machen. „Österreichisches Konditorhandwerk ist Weltklasse. Ein Apfelstrudel in Kalifornien schmeckt gut, aber nicht wie der heimische, weil die Grundprodukte nicht so wie die österreichischen sind“, stellt Landeshauptmann Jörg Haider fest und betont, dass die Grundsubstanzen bei uns noch natürlich wachsen. Er kennt die Probleme der Gewerbetreibenden und sprach sich gegen den Brüsseler Regulierungswahn aus, der für gewerbliche Mittel- und Kleinbetriebe nicht praktikabel ist. Besonders freut ihn, dass es so viele Unternehmer (Konditoren) gibt, die ihre Freude am Beruf an die Jugend weitergeben. „Das Gewerbe ist die Erfolgsgeschichte der österreichischen Wirtschaft“, so LH Jörg Haider bei der Bundestagung am 21. September im Veldener Casineum.

Lehr- und Meisterprüfung
Nach Jahren zähen Ringens konnten sich neun Individualisten auf eine bundeseinheitliche Lehrabschlussprüfung einigen, die mit 1. Jänner 2005 in Kraft tritt. Darüber hinaus gibt es auch eine neue Meisterprüfungsverordnung - die Prüfung ist nach modularen Konzepten aufgebaut und enthält eine fünfstündige schriftliche Arbeit. Auch die erst kürzlich ins Leben gerufene Lebensmittelakademie schreibt eine eigene Erfolgsstory: 1768 Personen besuchten bereits im ersten Jahr 76 Seminare, die in ganz Österreich abgehalten wurden.

Lebensmittelrecht
Bedingt durch die Lebensmittelskandale hat sich die EU auf das Lebensmittelrecht gestürzt und eine regelrechte Flut an Verordnungen erlassen. Bisher mussten verpackte Lebensmittel eine genaue Beschreibung der Inhaltsstoffe tragen, die mehr als 25 Prozent ausmachen. Geplant ist mit 1. November 2004 und einer Übergangsfrist bis November 2005 eine Deklarierung der Zutaten ab 2 Prozent Inhalt. “Diese Regelung kommt bestimmt”, bestätigt Bundesinnungsmeister Paulus Stuller und betont: “Doch das Schlimmste konnten wir noch einmal abwenden: Die EU wollte, dass zu den wichtigsten Allergenen ebenfalls genaue Zutatenlisten sowohl bei der offenen als auch verpackten Ware angebracht sein müssen.” Dass es sich dabei um alle Produkte handelt, die ein Konditor verwendet, versteht sich von selbst. Im Kampf gegen übertriebene Kennzeichnungspflichten haben die Konditoren das Gastgewerbe und den Handel auf ihrer Seite. Paulus Stuller meinte scherzhaft: “Ich werde vor meinem Geschäft ein Schild anbringen, auf dem steht: Sie betreten eine allergene Zone.” Für Milch, Eier und Butter wird keine GVO-Kennzeichnung (Kennzeichnung genetisch veränderter Lebensmittel) vorgeschrieben.

Pensionsreform
“Die Pensionsreform trifft uns Unternehmer doppelt”, erklärt Stuller, denn einerseits müssen wir für ältere Mitarbeiter neue Motivationselemente schaffen und andererseits trifft ihr längerer Verbleib in der Arbeitswelt den Gewerbetreibenden nochmals bei der Abfertigung.

Schifffahrt Mit Galaabend
Während des dreitägigen Kongresses wurde nicht nur gearbeitet. Die Konditoren konnten sich auch von der Schönheit des Landes Kärntens und insbesondere des Wörthersees bei einer sonnigen Schifffahrt überzeugen und besuchten die Konditorei Wienerroither. Die Konditorei ist ein Mischbetrieb - Bäckerei und Konditorei. Neuerdings kam auch noch das Snackgeschäft mit Pizza-Ecken, Laugenstangerln gefüllt mit Prosciutto oder Sandwiches hinzu. Dazu gibt es auch den Coffee to go im Becher. Entspannen und zurücklehen hieß es beim Galaabend im Casineum. Der laue Spätsommer-Abend ermöglichte den Aperitif im Freien im Garten des Hotel Mösslacher einzunehmen. Und in Kärnten ist es üblich, dass die Gäste mit einem Lied begrüßt werden. Das Quintett des Kärntner Doppel-Sextetts sorgte für die gute Stimmung. Hans Steiner, KärntnerLandesinnungsmeister freute sich, dass alle Bundesländer in Kärnten vertreten waren: „Die Konditoren haben einen sehr hohen Stellenwert in der Wirtschaft und tragen wesentlich zur Lebensqualität bei. Besonders freut es mich, dass diesmal so viele Konditoren der jüngeren Generation den Weg zum Bundeskongress der Konditoren gefunden haben.“ Im Rahmen des Festabends zeichnete Bundesinnungsmeister Paulus Stuller die Grazer Konditorei Philipp als besten Lehrbetrieb Österreichs aus. Wolfgang Philipp bildete die diesjährige Siegerin des Bundeslehrlingswettbewerbs Johanna Regner aus.
Zum Galaabend er Konditoren gehört neben dem Galamenü auch ein phantastisches Dessertbuffet, das höchste Konditorkunst wiederspiegelte. Gefeiert wurde im Casino bis in die frühen Morgenstunden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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