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Konjunkturmotor Tourismus am Laufen halten

17.11.2009

Spartenobmann Albert Ebner jun. fordert "Motivationspaket" für die Salzburger Tourismuswirtschaft - das Feilschen um Saisonierarbeitskräfte muss ein Ende haben, außerdem müssen mehr Anreize für Investitionen geschaffen werden.

Spartenobmann Albert Ebner jun. und Spartengeschäftsführer Dr. Reinhold Hauk der WK Salzburg

Die Kernergebnisse einer Umfrage der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WK Salzburg unter Leitbetrieben bzw. Wirteobleuten in Stadt und Land Salzburg ergaben, dass 81 % der befragten Salzburger Tourismusunternehmer mit positiven Erwartungen in die kommende Wintersaison gehen , 61 % in Neuerungen investiert haben, aber für 43 % das Finden von Arbeitskräften schwieriger geworden ist.

Grundsätzlich positve Stimmung in Salzburg

"Dieses Ergebnis spiegelt die aktuelle Stimmungslage in der Tourismuswirtschaft treffend wider: Die Unternehmer blicken trotz Krise mehrheitlich positiv in die Zukunft, sind zu Investitionen bereit, haben allerdings große Probleme, genügend geeignete Arbeitskräfte zu bekommen", erläutert der neue Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Albert Ebner jun. Um den Konjunkturmotor Tourismus weiter am Laufen zu halten, fordert Ebner ein "Motivationspaket" für die Tourismuswirtschaft, das speziell eine hürdenfreie Arbeitskräftebeschaffung sowie bedarfsgerechte Investitionsanreize enthalten soll.

Gewerkschaft soll wirtschaftliche Realität erkennen

"In diesem Sinn ist es völlig kontraproduktiv, dass die Tourismusgewerkschaft aufgrund der aktuell hohen Arbeitslosenzahlen ein Auslaufen der Saisonierregelung spätestens mit 2011 fordert. Wer eine solche Forderung aufstellt, geht meilenweit an der wirtschaftlichen Realität in den Betrieben vorbei!", so Ebner an die Adresse von Gewerkschaftschef Rudolf Kaske.
Laut Gewerkschaft sei spätestens mit der Öffnung des Arbeitsmarktes für neue EU-Mitgliedstaaten im Mai 2011 der richtige Zeitpunkt, auf Saisoniers gänzlich verzichten zu können. "Es ist mehr als fraglich, ob wir aus den osteuropäischen EU-Ländern Tourismus-hilfskräfte rekrutieren können. Für bestimmte Hilfsjobs im Tourismus wie Abwäscher oder Zimmermädchen kann das AMS in der Saison einfach nicht genügend Leute vermitteln. Au-ßerdem ist es völlig illusorisch, aus einem arbeitslosen Industriearbeiter in kürzester Zeit eine Servicekraft im Tourismus zu machen. Es muss daher eine Daueraufenthaltsgenehmi-gung für die vielen bereits langjährig in Salzburg aktiven Saisoniers geben - egal, ob das in Form einer ‚Rot-Weiß-Rot-Card' für den Tourismus oder mit einer anderen juristischen Re-gelung geschieht", so Ebner weiter.

Saisonierkontingent radikal gekürzt

Auf Unverständnis bei Ebner stößt auch die von Sozialminister Hundstorfer verabschiedete und ab heute geltende Verordnung zum Saisonierkontingent für die kommende Wintersai-son. Demnach stehen für Salzburg 2.265 Saisonierplätze zur Verfügung. Ursprünglich hatte die WKS für Salzburg 2.650 Saisonierkräfte gefordert. "Die von Sozialminister Hundstorfer vorgesehenen 2.265 Saisonierplätze entsprechen nicht dem realen Bedarf", so Ebner. Im Rahmen der Salzburger Sozialpartnerübereinkunft sei bereits eine Einigung auf 2.650 Kon-tingentplätze erzielt worden. Diese Zahl stelle keine Fantasiezahl dar, sondern werde jähr-lich vom AMS "gecheckt". "Es wäre schön, wenn sich die Politik endlich an diesen Vorga-ben orientieren würde", betont Ebner. "Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer kön-nen ohne die dringend benötigten Saisonkräfte die Qualität in Angebot und Dienstleistung nicht halten."

Anreize für Investitionen schaffen

Um die relativ gute Stimmung im Tourismus aufrechtzuerhalten, sei es laut Ebner zudem notwenig, bürokratische Hürden für die Unternehmer abzubauen und weitere Investitions-anreize zu schaffen. Zwar haben laut aktueller Studie der Sparte Tourismus und Freizeit-wirtschaft 61% der befragten Tourismusbetriebe in Neuerungen investiert, das heißt aber auch gleichzeitig, dass knapp 40% keine Investitionen in betriebliche Verbesserungen vor-genommen haben. "Diese hohe Zahl an bei Investitionen zögerlichen Unternehmern sollte uns doch bedenklich stimmen", so Ebner. Zwar werden einerseits von Bund und Ländern zusätzliche Mittel für Tourismuswerbung bereitgestellt, andererseits allerdings investitions-fördernde Anreize - wie in anderen Branchen üblich - unterlassen.
"Um weitere Anreize für Investitionen im Tourismus zu schaffen, fordern wir die rasche Einführung einer Investitionsprämie zwischen 10 und 20%. Diese Prämie würde im Gegen-satz zur vorzeitigen Abschreibung unabhängig vom Betriebsergebnis sofort wirksam", erläu-tert Ebner. Zudem benötigt der Tourismus endlich realistische Abschreibungsdauern: Bei Bädern und Wellnessanlagen wird derzeit noch eine Abschreibungsdauer von 33 Jahren vor-gegeben, was keinesfalls der realen Nutzungsdauer von rund zehn Jahren entspricht. Eine Anpassung der Abschreibung an die tatsächliche Lebensdauer würde für die Betriebe eine große Hilfe darstellen.

Konzentration auf Sommer und inländische Gäste

Da es aktuell eine sehr starke Konzentration der Kräfte auf die Wintersaison gibt, möchte die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in Zukunft auch mit eigenen Initiativen die Sommersaison und die Nebensaisonen stärken. Außerdem soll der österreichische Gast wie-der verstärkt für einen Urlaub in Salzburg begeistert werden. "Europäische Vergleichsstu-dien zeigen, dass der Urlaub im eigenen Land wieder verstärkt nachgefragt wird. Vor allem in Frankreich konnten mit einheimischen Gästen in jüngster Zeit hohe Zuwachsraten erzielt werden. "Konkret planen wir für Salzburg einen Radschwerpunkt im Flachgau sowie eine stärkere Bewerbung um Sportveranstaltungen der B-Kategorie", erläutert Ebner. "Gerade in jüngster Zeit hat sich gezeigt, dass es besser ist, auf mehrere regionale Sportveranstal-tungen als auf eine internationale Großveranstaltung zu setzen. Das bringt sowohl für Ver-anstalter als auch für den Tourismus mehr planerische Sicherheit und Überschaubarkeit sowie kontinuierlichere Einnahmen", resümiert Ebner. Bei der konkreten Umsetzung wird man das bestehende Netzwerk zum Tourismusreferat des Landes bzw. zur SLTG nutzen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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