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Korkenzieher: „Wir suchen anständiges Personal“

07.10.2021

Unser Autor Hubertus Mantel berichtet aus seinem Wirtshausleben. 

Hubertus Mantel: Die ÖGZ-Kolumne.

Hört man sich dieser Tage in unserer Branche um, stößt man unweigerlich auf das Thema Fachkräftemangel. Es ist Feuer am Dach, erzählen mir Kollegen, die überlegen, ihren Betrieb zuzusperren, weil sie kein anständiges Personal bekommen. Und wie mir letztens die Resi, eine bekannte Hotelbesitzerin, in meinem Wirtshaus zur trüben Glaskugel ihr Leid klagt, da kommt der Alexander Van der Bellen herein.

„Wart Resi“, unterbrech ich sie, „siehst eh, der Bundespräsident, ich bin gleich wieder bei dir“, sag ich und wende mich dem hohen Gast zu: „Ja, Grüß Gott, Bundespräsident, was darf’s denn sein?“ – Er nimmt am Fenster Platz, studiert die Karte, klappt sie zu und sagt: „Geh, Hubertus, sei so lieb und bring mir eine Lasagne von vorne und ein Glaserl Rotwein.“ – Sag ich: „T’schuldigung, net bös sein, aber ich servier die Lasagne wie immer diskret von der Seiten.“ – Darauf er: „Im Grunde ist es mir ja egal, von wo du das Essen servierst.“ – Da meldet sich die Resi: „Darf ich mich kurz einmischen? Ich glaub, der Herr Bundespräsident meint ‚al forno‘, das ist Italienisch und heißt ‚gebacken‘. Wissen S’?“ – „Ah!“, sagt der Alexander, „jetzt hab ich doch die ganze Zeit geglaubt … wie gut, dass ich kein Koch geworden bin, gellt.“ – Da sagt die Resi mit ihrem charmantesten Lächeln: „Na wissen S’, Herr Bundespräsident, wir in der Hotellerie suchen verzweifelt halbwegs ausgebildetes Personal. Und das ist wirklich schwer. Da täten wir Sie schon nehmen. Irgendwas finden wir sicher für Sie. Gurken schälen, Zwiebel schneiden, na, was sagen S’?“ – Der Alex­ander winkt ab: „Das Angebot ist zwar sehr nett, Frau?“ – Die Resi, frech: „Sagen S’ Frau Resi zu mir.“ – Der Alexander, verschmitzt: „Also ich schätze Ihr Angebot, Frau Resi, aber erstens war das ein Scherz, und zweitens ich hab schon einen Beruf. Aber vielleicht kann ich Ihnen ja ein paar Kollegen empfehlen.“ – Da trinkt die Resi aus und sagt: „Ich verrat Ihnen was.

Wir würden sogar ernsthaft diejenigen Kollegen nehmen, die den Posten verloren haben oder gar wegen Korruption und anderen Sachen verurteilt worden sind. Wo doch sogar der Bundeskanzler Kurz selbst gesagt hat, er hätte früher eigentlich etwas Anständiges machen wollen und nicht Politiker werden. Den einen oder anderen könnt man vielleicht sogar als Satiriker zur Abendunterhaltung einsetzen …“ – Ich servier dem Alexander die Lasagne: „Bitt’ schön, Herr Bundespräsident, einmal die Lasagne wie gewünscht von vorne.“ – Er schaut mich an: „Weißt, Hubertus, wenn’s nicht so traurig wär, könnt man ja direkt lachen.“ 

Autor/in:
Hubertus Mantel

 wirft für die ÖGZ regelmäßig einen satirischen Blick auf die Branche. 

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