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Kostbare Kaffeebohnen

10.03.2006

Die Rohkaffee-Preise klettern weiter, die heimischen Kaffeeröster geben sich bezüglich einer Preiserhöhung noch bedeckt – in der Gastronomie soll es den Muntermacher weiter zu akzeptablen Preisen geben.

Die Weltmarktpreise von Grünkaffee sind weiter steigend. Nach einem Durchschnittspreis von 89,4 US-Cent je Pfund lag der Preis für Rohkaffee bereits im Jahr 2005 deutlich über dem Niveau der Vorjahre. So kostete 2004 ein Pfund 62,2 US-Cent und 2003 sogar nur 51,9 US-Cent.
Im Dezember 2005 mussten die Händler an den internationalen Rohstoffbörsen für ein Pfund Rohkaffee im Durchschnitt 86,9 US-Cent berappen. Der Trend nach oben setzt sich seitdem stetig fort. „Bereits am 6. Jänner duchbrach der Rohkaffeepreis die Ein-US-Dollar-Marke, und am 24. Jänner mussten bereits 104,0 US-Cent je Pfund bezahlt werden“, verlautet die café+co International Holding GmbH.
Preiserhöhungen angedacht
Die Zeit der niedrigen Kaffeepreise ist vorbei. Noch geben sich die großen heimischen Kaffeefirmen bedeckt, was Preiserhöhungen anbelangt. Zuletzt hoben diese, wie etwa Kraft Foods (Jacobs), die Kaffeepreise 2005 und da gleich zweimal um je 50 Cent an. „Wir sind noch am Rechnen, aber es sieht fast so aus, als ob wir an einer Preiserhöhung nicht vorbeikommen“, verrät Jeanette Meinl-Skrbensky. Das Haus Julius Meinl will einerseits die Konkurrenz beobachten, wie diese mit den in den letzten Wochen in den Himmel gestiegenen Kaffeepreisen umgeht, und andererseits noch die brasilianische Ernte abwarten, die aber aufgrund von starken Regenfällen höchst wahrscheinlich um 15 Prozent niedriger ausfallen wird als in den Jahren zuvor.
Den Spekulationen, dass es durch den Preisanstieg bei der Kaffeesorte Arabica demnächst zu einem exorbitanten Preissprung bei Melange & Co kommen könnte, tritt nun der Obmann des Fachverbands für Gastronomie Helmut Hinterleitner, entgegen: „Ich bin mir sicher, dass Österreichs Gastwirte und Cafetiers bei der Kalkulation ihrer Preise sehr sensibel und verantwortungsbewusst vorgehen und es nur dort zu Anpassungen kommt, wo dies unter Berücksichtigung der gesamten Kostenstruktur des Betriebes notwendig ist. Ich gehe davon aus, dass unsere Gäste in den heimischen Gastronomiebetrieben auch in Zukunft den beliebten Muntermacher zu akzeptablen Preisen genießen werden können.“
Wiens führender Kaffeesieder Maximilian K. Platzer, Café Weimar, betont, dass er Melange & Co nicht erhöhen wird. „Rundherum wird alles teurer. Die Müllgebühren steigen um knapp 20 Prozent, das Wasser um fast 30 Prozent, Gas um 17 Prozent und Strom um 5 Prozent. Da kann mir keiner mehr erzählen, dass er dies ohne Preis-Anpassungen verkraftet. Ich habe mein Speiseangebot genau beobachtet, habe die Karte durchforstet und passe nun die Kleinigkeiten wie belegte Brote, Würstel, Suppen oder die Eierspeise an die handelsüblichen Marktpreise an“, erklärt Platzer.

Für den Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser Attila Kamarad ist die Decke der Kaffee-Verkaufspreise erreicht. „Jeder Kaffeesieder oder Gastronom ist für seine Preise selbst verantwortlich“, und er mahnt zu einem mäßigen Umgang mit Preiserhöhungen, „denn Kaffee, Bier und der G´spritzte sind sehr sensible Produkte – es sind unsere Umsatzträger. Im Jänner werden die Speisekarten neu geschrieben und die Preise bereits angepasst“, ist Kamarad überzeugt, der auch eine weitere Kaffeepreis-Erhöhung nicht an seine Kunden weitergeben wird.
Ortsübliche Preise
„Ob wir die höheren Preise an unsere Gäste weitergeben, kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Während der Wintersaison bleiben die Preise für den Tassen-Kaffee sicher gleich, und den Frühstücks-Kaffee haben wir auf Vorrat gekauft. Bei uns heißt es auch, wir sollen auf die deutschen Gäste und deren finanziell schwierige Situation Rücksicht nehmen und ortsübliche Preise verlangen“, so Herbert Gassner, Kehlbachwirt in Niedernsill.
„Nach Erdöl und Stahl haben die Spekulanten nun den Kaffee entdeckt“, meint Bernd Fenkart vom Schloss-Kaffee Hohenems, der die letzten Preiserhöhungen an seine Kunden nicht weitergegeben hat. „Noch ist nicht geklärt, um wie viel die Kaffeepreise steigen werden, und mein Lieferant hat mich über eine allfällige Preisanhebung noch nicht informiert. Doch sobald wir die effektiven Preise haben, werden wir über eine Angleichung diskutieren müssen, wobei es sich sicher nur um fünf bis zehn Cent pro Tasse handeln wird.“
Gerti Geidel vom Gasthof Laabnerhof in Neulengbach hat sich zum Thema Kaffeepreiserhöhung noch keine Gedanken gemacht. „Dass der Kaffee teurer wird, habe ich schon gelesen, doch bis jetzt hat mir unser Kaffeelieferant noch nichts von einer Preiserhöhung gesagt. Sollte der Kaffee tatsächlich teurer werden, müssen wir unsere Preise anheben, da wir seit zwei Jahren keine Anpassung durchgeführt haben. Höhere Preise bringen immer Ärger mit den ortsansässigen Gästen, die dafür kein Verständnis haben“, stöhnt Geidel jetzt schon.
Schlechtere Ernten
„Wir werden sicherlich mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen haben“, ist sich der Präsident des Österreichischen Kaffee- und Teeverbands, Gerd Schütz, sicher. Die International Coffee Organization geht für 2005 von einem Kaffee-Verbrauch von 117 Millionen Sack Kaffee – ein Sack Kaffee wiegt 80 kg – weltweit aus. Im laufenden Jahr dürfte der Verbrauch auf 119 Millionen Sack ansteigen. Die Schätzungen für die Weltproduktion im Erntejahr 2006/07 reichen von 120 bis 122 Millionen Sack. Dennoch rechnen die Experten der International Coffee Organization nicht mit einem Kaffeeüberschuss, da die Lager in
den Importländern in Folge schlechter Ernten 2005/06 leer sind. So hat zum Beispiel der Hurrikan „Katrina“ die Kaffeelager von New Orleans schwer getroffen, dort lagerten rund 1,6 Millionen Sack. Das hohe Preisniveau bei Rohkaffee könnte daher voraussichtlich in den nächsten Monaten weitersteigen.
Reinhold Schärf von der Coffee Shop Company meint: „Momentan denke ich an keine Preiserhöhungen. Wir können bis Ende April auf unsere Kaffeelager zurückgreifen und dadurch bin ich noch nicht von der allgemeinen Kaffeepreis-Hysterie erfasst worden.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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