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Kreuzfahrten auf vollen Touren

01.06.2005

Kreuzfahrten sind zwar ein noch kleines Marktsegment im touristischen Angebot, beachtliche Zuwachsraten lassen aber ein hohes Wachstumspotenzial erkennen. Es wird von größeren und moderneren Schiffen mit immer mehr Freizeiteinrichtungen und Freiraum bestimmt, die mit niedrigeren Betriebskosten auch günstigere Preise anbieten und neue Zielgruppen ansprechen können.

Wesentlich ist aber vor allem die Bewältigung eines Kommunikationsproblems: Kreuzfahrten sind mit einem traditionellen, inzwischen aber nicht mehr zutreffenden Image belastet. Doch Kreuzfahrten sind vielmehr die bequemste Art des Erlebnisurlaubs, mit täglichen neuen Eindrücken ohne ständiges Kofferpacken.
60.000 Passagiere als Ziel
Zu diesem Ergebnis kam man bei der Veranstaltung des Club Travel Medie unter dem Motto „Kreuzfahrten – der schlafende Riese?“, bei der Charlotte Rettenbacher-Ludwig als Organisatorin und Moderatorin die Kreuzfahrt-Profis Sebastian Ahrens (GL Hapag-Lloyd Kreuzfahrten), Dr. Thomas Böhm (MSC Kreuzfahrten Austria), Alexander Gessl (CCS-Cruise Contact System Kreuzfahrten), Manfred Greul-Jägersberger (Caravelle Seereisen), Theo Skopek (Seetour Austria) und Ulrike Soukop (Costa Kreuzfahrten Österreich) begrüßen konnte. Das hochkarätige Panel vermittelte ein geschlossenes Bild der Branche, wo man sich in der Einschätzung der aktuellen Situation und der künftigen Entwicklung im Wesentlichen einig ist.
Weltweit werben rund 120 Reedereien um Kreuzfahrtgäste. Während in den USA rund sechs Prozent der Urlaubsreisen auf Kreuzfahrten entfallen, sind es in Europa nur 1,4 Prozent. Das liegt am unterschiedlichen Zugang zu dieser Urlaubsform: In Nordamerika spielt das „Gambling“ auf den Schiffen eine wesentliche Rolle, viele sind schwimmende Spielcasinos. Die daraus und aus anderen Bordaktivitäten fließenden Zusatzeinnahmen machen es möglich, das Basisangebot relativ billig anzubieten. In Europa besteht am Gambling wenig Interesse, der Trend geht eher zum Komplettangebot und damit zu allerdings nur scheinbar höheren Preisen als in den USA. Die Anreise zur begrenzten Zahl an Häfen ist ein Hindernis und für die Reisebüros sind die Kreuzfahrten noch immer Exoten im touristischen Angebotsmix.
Das European Cruise Council gibt für das Jahr 2004 für Europa 2,8 Millionen Kreuzfahrtgäste an, das sind um 4,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. An erster Stelle liegt Großbritannien, gefolgt von Deutschland, das beim Wachstum mit 6,7 Prozent sogar knapp darüber liegt, gefolgt von Italien, Spanien und Frankreich. Aus Österreich kamen im Vorjahr 34.900 Kreuzfahrtgäste, für heuer werden 40.000 angepeilt. In etwa zwei Jahren sollen es sogar rund 60.000 sein und man hofft, dass dieses ambitionierte Ziel nicht nur über den Preis erreicht werden kann. Mehr als die Hälfte der Kreuzfahrer bevorzugen das Mittelmeer, etwa ein Viertel die Karibik, Nordeuropa nimmt leicht zu. Präferiert werden bei den Österreichern die Vor- und Nachsaison, in der „Kernurlaubszeit“ spielen Kreuzfahrten kaum eine Rolle.
Kein Krawatten-Zwang
Für den gesamten deutschsprachigen Markt sieht man einen Nachholbedarf bei Kreuzfahrten mit einem entsprechenden Wachstumspotenzial. Dieses ist jedoch wesentlich von einem verstärkten Engagement der Reisebüros im Vertrieb abhängig. Die Anbieter versuchen das verstaubte Image der alten Passagiere, die ständig essen, sich dauernd umziehen, und langweilige Stunden auf See verbringen, loszuwerden. „Die Wirklichkeit ist längst anders, als sie im Fernsehen dargestellt wird“, stellte Sebastian Ahrens fest. Es gibt genügend Schiffe, wo man auch ohne Krawatte auskommt, außerdem wird das Platz- und Unterhaltungsangebot immer großzügiger und die Schiffe kreisen nicht mehr im Sieben-Tage-Turnus, sondern wechseln die Destinationen, die wichtiger sind als die Schiffsreise an sich. Es werden Themenreisen angeboten, ein wachsender Angebotsbereich sind Expeditions- und Studienreisen mit kompetenter wissenschaftlicher Begleitung. Darüber hinaus sollen vor allem jüngere Leute und Familien mit Kindern für Kreuzfahrten gewonnen werden. „Die Schiffe müssen dasselbe anbieten wie ein Clubhotel“, umreißt Dr. Thomas Böhm die Zielsetzung. „Die neue Generation von Kreuzfahrtschiffen bietet alles, von der Kletterwand über den Golfplatz bis zu Swimmingpools.“ Als Vorteil gegenüber dem „stationären“ Clubhotels kann das Schiff auch mit einem täglich wechselnden Standort aufwarten.
Dass dieses Konzept durchaus aufgeht, belegt Manfred Greul-Jägersberger mit Fakten: Noch vor kurzer Zeit lag das Durchschnittsalter der Passagiere bei über 50 Jahren. Bei Royal Caribean ist es bereits auf 38 Jahre, bei Celebrity Cruises auf 42 Jahre zurückgegangen.
Größeres Erlebnisangebot
Natürlich sind entsprechende Schiffe für das neue Erlebnisangebot die Voraussetzung. Die neue Generation mit bis zu 1.500 Kabinen bzw. mehr als 3.000 Passagieren ist nicht nur größer und damit wesentlich wirtschaftlicher im Betrieb, weil die Kosten pro Passagier sinken, der Anteil der Außenkabinen konnte inzwischen auf 80 Prozent erhöht werden, von denen – wie auf der nächstes Jahr in Dienst gehenden „Musica“ – wieder 80 Prozent einen eigenen Balkon haben. Landausflüge werden mit unterschiedlichen Schwerpunkten – von Montainbiking bis Kulturgenuss – angeboten, wodurch auch überschaubare Gruppen entstehen.
Die niedrigeren Betriebskosten der neuen Schiffsgeneration erhöhen die Wirtschaftlichkeit. Ulrike Soukop kann von einer 90-prozentigen Ergebnisverbesserung berichten, bei einem Umsatzzuwachs von 35 Prozent. Grund dafür: Die Größe der Schiffe und ein erfolgreiches Yield-Management.
Der Kostenvorteil wird allerdings zunehmend durch niedrigere Preis an die Kunden weitergegeben. Dadurch hat sich die Preisgestaltung im Kreuzfahrtbereich entscheidend geändert. „Früher galten Preislisten für ein ganzes Jahr, heute müssen wir alle 10 bis 14 Tage mit anderen Preisen rechnen“, erzählt Theo Skopek.
Günstigere Preise
Insgesamt rechnet man auf Grund der wachsenden Kapazitäten mit einem Preisverfall, allerdings nicht im Premium- bzw. Luxus-Segment, das bei Kreuzfahrten immer einen entsprechenden Stellenwert hat. Beim Ansprechen neuer Zielgruppen – vor allem aus dem Segment der Flugpauschalreisen – ist der Preis ein wesentlicher Entscheidungsfaktor.
Trotzdem wird einer Entwicklung wie bei den Billigairlines wenig Erfolg zugetraut. „In Anlehnung an den Erfolg mit Easy Jet auch Easy Cruise anzubieten, ist ein interessantes Konzept, das sich aber in Österreich und Deutschland nicht durchsetzen wird“, meint Alexander Gessl. Es ist ausschließlich auf den britischen Gast ausgerichtet. Darüber hinaus hat die Servicequalität im Kreuzfahrtbereich einen zu hohen Stellenwert, um mit Billigangeboten größere Erfolge zu haben. Auch „all inclusive“ hat wenig Bedeutung. Die Verpflegung ist ohnedies inkludiert und Angebote für freie Tischgetränke gibt es bereits. Allenfalls die Einbeziehung der Landausflüge bietet die Möglichkeiten für einen Ausbau der Inklusivangebote auf hoher See.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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