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Picknick auf dem Faaker See: Im Hintergrund erkennt man den Karnerhof.

Kulinarische Genüsse im ­Dreiländereck

20.06.2017

Der Begriff „internationale Zusammenarbeit“ wird im Hotel Karnerhof am Faaker See in die Tat umgesetzt.

 

Ziegenyoga, ganz wörtlich genommen!

Gemächlich tuckert der Kleinbus mit uns Richtung italienischer Grenze. „Haben Sie den Reisepass dabei“, fragt Hans Melcher, um sofort nachzusetzen: „Nur zur Sicherheit!“ Für den Seniorchef des Hotels Karnerhof ist es das Selbstverständlichste, mit seinen Hausgästen über die Staatsgrenze zu fahren – nicht nur über jene nach Italien, sondern auch nach Slowenien. 

Dabei hätte der 74-jährige gebürtige Villacher genug Attraktionen vor Ort: Sein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit 195 Betten liegt am Ufer des Faaker Sees in einer riesigen Naturoase mit 100.000 Quadratmeter hoteleigenen Wiesen und Gärten und exklusivem Seezugang für Hotelgäste. „Die Zeiten, in denen das eigene Süppchen gekocht wurde, sind im Tourismus vorbei“, betont Melcher. „Unsere Nachbarregionen in Italien und Slowenien warten mit vielen Attraktionen auf – wir können uns das Beste herauspicken.“

Prosciutto und Cremeschnitte

So führt uns der Hotelier beim ersten Ausflug zum Lago del Predil. Der von schroffen Felswänden eingerahmten Raibler See, wie er auf Deutsch heißt, versprüht einen herben Charme. Bei einer Fahrt mit Tretbooten erzählt uns Melcher aus der bewegten Geschichte der Region. Im Ersten Weltkrieg tobten unweit von hier die blutigen Schlachten am Isonzo. Dann Einkehr bei der Jausenstation am Seeufer – vom Buffet mit italienische Spezialitäten bleibt vor allem der großartige Prosciutto in Erinnerung. 

Dann geht’s weiter nach Slowenien. In Planica besuchen wir das weltweit größte nordische Skizentrum. Der Blick auf die Flugschanze ist schon von unten furchteinflößend – als wir oben am Ablauf stehen, kann ich kaum glauben, dass Skiflieger wie Stefan Kraft mit mehr als 100 Stundenkilometern Absprunggeschwindigkeit 250 Meter weit hinuntersegeln. Das Skizentrum wird heute auch touristisch vermarktet.

Es folgt ein Abstecher nach Bled – kulinarischer Leckerbissen ist die dortige Cremeschnitte. Hergestellt nach einem Rezept des Bäckers Ištvan Lukačevič wurden davon in den vergangenen 60 Jahren zwölf Millionen Stück verkauft. An die 450 Kalorien einer einzigen Schnitte mag man nicht denken. Auf der Rückfahrt zeigt uns Melcher noch Kranjska Gora, das neben Portorož und Bled zu den drei größten Tourismusgemeinden in Slowenien zählt.

Yoga mit Ziegen

Am nächsten Vormittag nimmt uns Juniorchefin Ursula Melcher mit zum Ziegenyoga. Wer mag, darf eine Ziege an der Leine zum Yogaplatz im idyllisch gelegenen Ouschena, einem Ortsteil von Finkenstein, geleiten. Mir hat es Alice angetan. Auf der Yogawiese angekommen, steigt die Spannung. Was wird das nun? – Also: Man macht Yoga-Asanas (so heißen die Übungen) in Anwesenheit weiblicher Ziegen – Böcke riechen bekanntlich streng. Die Ziegen liegen friedlich mitten zwischen den Teilnehmern. Manchmal klettert so eine Ziegendame auch auf den Rücken eines Übenden, um sich die Welt aus leicht erhöhter Position anzuschauen. Allein die Anwesenheit dieser Vierbeiner wirkt auf mich beruhigend. Das bestätigen auch die übrigen Teilnehmer – inwieweit der Placebo-Effekt eine Rolle spielt, bleibt offen.

Anschließend besuchen wir die Finkensteiner Nudelfabrik. Angeschlossen ist ein Restaurant, wo uns Nudeln in mehreren Variationen serviert werden. Dann kredenzt Siegi Maurer aus Ledenitzen selbstgebrannte Schnäpse. In Erinnerung bleibt der klare Nusslikör, der würzig und doch mild schmeckt. Nach der Rückkehr ins Hotel holt mich eine Aromamassage im Karnerhof wieder auf den Ruhestatus.

Das letzte Abendessen entpuppt sich als kulinarischer Höhepunkt: In der hoteleigenen Götzlstube, im heurigen Gault Millau mit zwei Hauben gekürt, lässt uns Küchenchef Marco Rabensteiner ein großartiges Menü servieren – das Hauptgericht, ein Maibock vom Hirsch, bringt uns zum Schwärmen – das Fleisch „zergeht“ auf der Zunge.

140 Vollbelegstage ohne Winter

Mit 195 Betten und 50 Mitarbeitern bringt es der Karnerhof auf jährlich 28.000 Übernachtungen bei einem Durchschnittspreis von 150 Euro pro Person/Tag mit Halbpension. Und das ohne Wintersaison: Ohne Skigebiet in unmittelbarer Nähe waren nicht einmal die Fixkosten zu erwirtschaften. „Jetzt haben wir sieben Monate geöffnet – mit vollem Angebot“, betont Melcher. Auf Gruppen sei man nur in Saisonrandzeiten angewiesen. „Dann kommen viele Seminargruppen. Sonst sind es lauter Individualgäste: 40 Prozent Österreicher, ebenso viele Deutsche. Wir haben viele Stammgäste“, resümiert Hans Melcher.

Autor/in:
Gerhard Reiter
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